Ölpreissturz

Opec und Partner drosseln weiter

Die Organisation erdölexportierender Länder und ihre Partner einigen sich auf eine Verlängerung der Öl-Förderkürzungen.

Die Organisation erdölexportierender Länder (Opec) und ihre Partner setzen die wegen des Ölpreissturzes in der Corona-Krise beschlossenen Öl-Förderkürzungen auch im Juli fort. Bei ihrem Halbjahrestreffen am Samstag einigten sich die 13 Mitgliedstaaten und ihre Partner darauf, ihre Ölproduktion einen weiteren Monat lang um fast 10 Millionen Barrel am Tag zu drosseln. Mexiko lehnt die Verlängerung ab.

Der Ölpreis ist in der Corona-Krise auf den tiefsten Stand seit mehr als 30 Jahren abgesackt. Angesichts des beispiellosen Preisverfalls hatten sich die Opec und ihre Partnerstaaten, darunter Mexiko und Russland, im April auf die Drosselung ihrer Produktion auf ein historisch niedriges Niveau verständigt. Die Vereinbarung sah eine Reduzierung der täglichen Förderleistung um 9,7 Millionen Barrel Öl für die Monate Mai und Juni vor. Ein Barrel entspricht 159 Litern.

Geplant war ursprünglich, die Kürzungen ab Juli schrittweise auf 7,7 Millionen Barrel bis Dezember zu lockern. Wie der algerische Ölminister und derzeitige Opec-Präsident Mohamed Arkab der Nachrichtenagentur AFP sagte, beschlossen die Staaten am Samstag nun aber, die Produktion auch im Juli um 9,6 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Mit dem Schritt soll der Ölpreis angekurbelt werden. Arkab sagte, die Ölminister der Teilnehmerstaaten würden künftig monatlich über die Vereinbarung beraten.

US-Energieminister Dan Brouillette begrüßte die Entscheidung. Die sogenannte Opec+ habe eine „wichtige Einigung in einer entscheidenden Phase“ erzielt, in der sich die Öl-Nachfrage weltweit erhole und die Wirtschaft in vielen Ländern der Welt wieder in Schwung komme, schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Mexiko kündigte nach dem Treffen am Samstag an, sich nicht an die Verlängerung halten zu wollen. Energieministerin Rocío Nahle sagte vor Journalisten, ihr Land werde sich dem Beschluss nicht anschließen. Man halte sich jedoch „vollständig“ an die Vereinbarung vom April, betonte Nahle. In dem April-Abkommen hatte sich Mexiko auf eine tägliche Drosselung der Ölproduktion um 100 000 Barrel für Mai und Juni verpflichtet.

Zur Begründung sagte Nahle, dass sich andere Länder bisher nicht an die Vereinbarung gehalten hätten. Bereits am am Freitag hatte Mexikos Präsident Andrés Manuel López Obrador Verstöße gegen das April-Abkommen beklagt.

Dem Informationsunternehmen Kpler zufolge sank die weltweite Fördermenge im Mai um 8,6 Millionen Barrel pro Tag – und somit um mehr als eine Million weniger als vereinbart. Demnach fuhren insbesondere der Irak und Nigeria ihre Fördermengen nicht stark genug herunter. Von der Opec hieß es, Länder, die sich nicht an die Vereinbarungen gehalten hätten, würden ihre Verpflichtungen in den Monaten Juli, August und September nachholen.

Bei der Preisentwicklung zeigte die Förderbremse bereits Wirkung. Der Ölpreis stieg Anfang Juni auf rund 40 Dollar pro Barrel (rund 35 Euro) für die US-Sorte West-Texas-Intermediate und die europäische Sorte Brent. Nach Einschätzung der Expertin Ann-Louise Hittle von der Energie-Beratungsfirma Wood Mackenzie dürfte die Verlängerung der Förderbeschränkungen den Öl-Markt weiter stabilisieren. (afp)

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