Geldgeschäfte

Bankfiliale wird zum Auslaufmodell

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Bürger verlegen ihre Geldgeschäfte immer mehr ins Internet – nur Senioren zögern noch.

Wenn deutsche Bankkunden es ernst meinen, steht traditionellen Banken und ihrem Personal das Schlimmste erst noch bevor. Denn Verbraucher erledigen ihre Bankgeschäfte immer mehr per Internet, sind zunehmend zufrieden damit und die Hälfte von ihnen glaubt, dass es bis 2040 in Deutschland keine Bankfiliale mehr gibt. Das sind Kernaussagen einer Umfrage, die der Digitalverband Bitkom soeben bei über 1 000 Bankkunden gemacht hat.

„Online-Banking ist bereits heute der absolute Standard und wird sich in den kommenden Jahren noch weiter verbreiten“, betonte Bitkom-Chef Achim Berg. Sieben von zehn Bürgern seien heute bei Bankgeschäften online. Vor einem Jahr waren es noch gut sechs von zehn. Bei einem Blick in die Altersgruppen wird es noch dramatischer.

Denn die 30- bis 49-Jährigen setzen heute zu 93 Prozent und fast geschlossen auf Online-Banking. Was Filialbanken noch hilft, sind Senioren über 65 Jahren, von denen nur gut ein Fünftel Bankgeschäfte im Internet macht. Klar ist, dass sich das Kundenverhalten rasant ändert und vor allem das Smartphone immer mehr zur Bankfiliale in der Hosentasche wird. Alte Gewissheiten verlieren an Bedeutung.

Zufriedenheit steigt

So haben Verbraucher bei der jährlichen Bitkom-Umfrage zu ihrem Bankingverhalten erstmals geantwortet, dass Digitalangebote wichtiger sind als Bankfilialen. Zudem sind die Zeiten vorbei, wo die Bürger ihren Ehepartner öfter gewechselt haben als ihr Girokonto. Letzteres tun mittlerweile 41 Prozent aller Befragten, im vergangenen Jahr waren es noch 34 Prozent. Auslöser für das Umdenken sind vor allem Kostenfragen. Fast alle Befragten legen Wert auf kosten günstige Bankgeschäfte, da ist Online klar im Vorteil. Daneben ist Bankkunden vor allem wichtig, dass sie viele Geldautomaten nutzen können – und die Höhe der Einlagensicherung.

Die Hälfte der hiesigen Bankkunden rechnet binnen 20 Jahren mit dem Aus der Bankfilialen. Gemessen am eigenen Verhalten wirkt das nicht utopisch. 15 Millionen Bundesbürger ab 16 Jahren gehen schon heute überhaupt nicht mehr in eine Bankfiliale. 14 Prozent nutzen eine reine Online-Bank. Ein weiteres Drittel plant das oder kann sich vorstellen, zu einer solchen zu wechseln. Binnen eines Jahres ist die Hinwendung zu Online-Banken hiermit um zehn Prozentpunkte gestiegen. Fast jeder Dritte kann sich sogar vorstellen, auf traditionelle Banken ganz zu verzichten und sein Konto zu Digitalkonzernen wie Amazon zu verlagern.

Beratung in Finanzgeschäften wird immer mehr online, per Telefon oder Skype, akzeptiert. Dabei sind Verbraucher mit dem digitalen Angebot zunehmend zufrieden, hat Bitkom ermittelt. Verbraucher attestieren zu über 80 oder sogar mehr als 90 Prozent, dass Online-Banking alle gewünschten Funktionen biete und einfach und übersichtlich zu bedienen sei. Parallel schwinden Ängste hinsichtlich Datenmissbrauch. Binnen Jahresfrist sind sie von 83 auf 61 Prozent gesunken.

Bei Banken wird die Entwicklung aber nicht stehenbleiben, schätzt Berg. Die nächste Welle der Digitalisierung von Finanzgeschäften sieht er bei Versicherungen kommen. Jeder zweite Bürger hat bereits eine Police online abgeschlossen, ein weiteres Fünftel plant oder erwägt es. Schon jetzt schätzen Verbraucher laut Bitkom die Aussicht, im Netz nicht einem Berater gegenüberzusitzen, der ihnen eine Police aufschwätzt.

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