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Crowdworker klappern zum Beispiel Supermärkte ab und sammeln Fotos und Daten zur Platzierung der Marke.

Crowdworker

Job ohne Schutz

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Crowdworker sind keine Angestellten, urteilte ein Gericht. Der Streit über den Status digitaler Tagelöhner geht aber weiter.

Die Webseite Streetspotr.com hilft Unternehmen, die wissen wollen, was mit ihren Produkten im Handel wirklich passiert. Für einen Auftrag klappern Hunderte von Kleinarbeitern Supermärkte ab und sammeln Fotos und Daten zur Platzierung der Marke. In kurzer Zeit erhält der Kunde ein realistisches Bild davon, wie seine Waren platziert sind. Die Mini-Arbeiter erhalten eine Mini-Entlohnung pro Markt.

Der Status dieser „Crowdworker“ in der Arbeitswelt beschäftigt Juristen und Gewerkschaftler schon länger. Die Tätigkeiten passen nicht in die herkömmlichen Aufteilung der Beschäftigungsformen. Das Landesarbeitsarbeitsgericht in München hat nun in einem Fall Klarheit geschaffen: Angestellte der Webseite mit Anspruch auf Weiterbeschäftigung sind die Crowdworker definitiv nicht.

Die IG Metall hatte die Klage anhand eines Einzelfalls durchexerziert. Ein 52-Jähriger hatte für die App „Roamler“ Produkte fotografiert. Die Kleinaufträge haben sich geläppert und einen wesentlichen Teil seines Einkommens ausgemacht. Dann sperrte die App ihm den Zugang, berichtete seinerzeit der „Spiegel“. Er habe unsauber gearbeitet, so die Begründung. Der Mann klagte darauf, ihm den Job zurückzugeben: Durch die Tätigkeit sei ein Arbeitsvertrag zustande gekommen. Immerhin habe er sich exakt an die Anweisungen aus der App halten müssen.

Das sahen die Richter anders: „Ein Arbeitsvertrag liegt nach der gesetzlichen Definition nur dann vor, wenn der Vertrag die Verpflichtung zur Leistung von weisungsgebundener, fremdbestimmter Arbeit in persönlicher Abhängigkeit vorsieht“ – und das sei nicht gegeben, lautete das Urteil vom Mittwoch. Damit ist es der IG Metall nicht gelungen, mehr Druck auf die Branche aufzubauen, um den Crowdworkern mehr Sicherheit zu bieten.

Die Bewertung des Crowd-workings ist damit allerdings noch nicht abgeschlossen. Die Anbieter wehren sich gegen eine arbeitsrechtliche Regulierung. Aus ihrer Sicht sind die Flexibilität und die geringe Bezahlung pro Job fester Teil des Geschäftsmodells. Ohne die Anpassungsfähigkeit beim Einsatz der Heere von Crowdarbeitern wären die angebotenen Dienstleistungen nicht möglich. Zielgruppe sind nach ihrer Darstellung auch eher Leute mit Freizeit, die etwas dazuverdienen möchten, als solche, die eine Normalbeschäftigung suchen.

Die Gewerkschaften ärgern sich über diese Haltung. Für viele Kleinarbeiter liefern die Crowd-working-Seiten einen wichtigen Teil des Einkommens – und wenn sie darauf angewiesen sind, sollten sie auch Schutz genießen. Wer Arbeit erledigt haben will, soll anständig zahlen. Mit Mikrobeträgen sei es da nicht getan. „Faire Bedingungen für die Crowd“, fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi.

Das Geschäft boomt derweil. Es gibt inzwischen Hunderte Crowdworking-Angebote. Für die modern-hippen Webseiten gehören Worte wie Arbeitsvertrag, Mindestlohn und Urlaubsanspruch in eine fremde Welt.

Das Gericht hat nun entschieden, dass das Vertragsverhältnis beim Crowdworking am ehesten einer freiberuflichen Tätigkeit ähnelt. Dennoch unterscheidet es sich sehr von klassischen Vertretern dieser Gruppe wie Autoren oder Anwälten. Auch Begriffe wie Teilzeit, Leiharbeit, befristete Beschäftigung oder Praktikum passen alle nicht so recht. Das Crowdworking wird damit wohl zu einer eigenen Kategorie werden.

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