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Der Brite John Cryan steht seit Sommer 2015 an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus.
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Der Brite John Cryan steht seit Sommer 2015 an der Spitze von Deutschlands größtem Geldhaus.

Deutsche Bank

Ohne klares Profil

  • Markus Sievers
    VonMarkus Sievers
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Deutsche-Bank-Chef Cryan kämpft an vielen Fronten.Wenn 2018 nicht die Wende zum Besseren gelingt, könnten die Großaktionäre endgültig die Geduld mit ihm verlieren.

Diesmal zeigte sich Deutsche-Bank-Chef John Cryan von seiner kämpferischen Seite. „Wir sind davon überzeugt, dass wir auf dem richtigen Weg sind“, betonte der Brite kürzlich auf dem Neujahresempfang seines Unternehmens in Berlin. Und er fügte hinzu: „Wir werden ihn konsequent weitergehen.“

Allerdings stellt sich zunehmend die Frage, wie lange der 58-Jährige dies noch bestimmen kann. An diesem Freitag muss Cryan zum dritten Mal hintereinander einen Verlust verkünden. Für die schlechte Bilanz des vergangenen Jahres kann er Sondereffekte geltend machen. So verhagelte die Steuerreform in den USA den Frankfurtern wie vielen in der Branche das Zahlenwerk. Zwar sinken die Tarife in den Vereinigten Staaten deutlich, aber das heißt auch: Die Verluste, die Unternehmen in der Vergangenheit angesammelt und steuermindernd mit Gewinnen der Zukunft verrechnen können, sind weniger wert. Schwerer wiegt: Auch die laufenden Geschäfte der Deutschen Bank entwickeln sich schlechter als gedacht.

Als Hoffnungsträger trat Cryan 2015 sein Amt an. Nicht der Mann für visionäre Höhenflüge, aber sachkundig und zielorientiert, kostenbewusst und vertrauenswürdig – so präsentierte sich der Brite als Gegenmodell zu den allzu ehrgeizigen und hochtrabenden Vorgängern Anshu Jain und Josef Ackermann. Eine Zeit lang profitierte er von der Erleichterung über den Abschied der alten Riege, die jede Menge Rechtsstreitigkeiten und Schieflagen hinterlassen hatte. Doch schon bald jedoch meldeten sich unter Analysten und Aktionären kritische Stimmen zu Wort, die eine neue Vision für die Deutsche Bank einforderten. Kosten sparen ja – aber reicht das?

Cryan verfolgt Drei-Phasen-Modell

Diese Debatte verfolgt das größte Geldhaus des Landes seit den ersten Tag von Cryan in Frankfurt. Der verteidigte sich bei seinem Auftritt in Berlin gerade noch einmal und erinnerte an sein Konzept. Das besteht aus drei Phasen und braucht aus Sicht des Managements Zeit.

In der ersten Phase zielten die Bemühungen darauf, die juristischen Probleme und die Rechtsrisiken zu reduzieren und die Kontrollsysteme zu verbessern. In der zweiten baute der Vorstand die Geschäftsbereiche um. Unter anderem integriert er nach mehreren Strategiewechseln die Postbank in den Konzern und stärkt so die Privatkundensparte im Heimatland. Und nun geht es in der dritten Phase darum, neue Wachstumsfelder zu erschließen.

Bank hat deutlich zu viel Personal

Doch nicht einmal in seiner eigentlichen Paraderolle als Sparkommissar genießt Cryan ungeteilten Beifall. Die Probleme des deutschen Branchenprimus mit seinem IT-System sorgen bis heute für Ärger. Und bei den Kosten stehen Wettbewerber vor allem aus den USA deutlich besser dar, wie Cryan selbst einräumte. „Wir beschäftigen derzeit 97.000 Menschen“, sagte er im November der britischen Wirtschaftszeitung „Financial Times“. „Die meisten Großbanken kommen mit der Hälfte der Angestellten aus.“

Dennoch wird das Unternehmen nach einer Pause wieder kräftig Boni an seine Investmentbanker ausschütten. Dem Vernehmen nach wollte Cryan mit dem Fuß auf der Bremse bleiben, konnte sich gegen interne Widerstände aber nicht durchsetzen. All das wäre verkraftbar, wenn eine klare Richtung erkennbar wäre. Doch bis heute zeichnet sich kein Geschäftsmodell ab, mit dem die Deutsche Bank in der Zukunft erfolgreich bestehen könnte.

Gemischtwarenladen ohne Profil

Bis heute präsentiert sie sich als Gemischtwarenladen ohne klares Profil. Sie spielt überall mit, steht aber nirgends wirklich an der Spitze. Vom umstrittenen Investmentbanking wollen die Frankfurter nicht lassen. Das lange verschmähte Privatkundengeschäft bauen sie wieder aus. Beim Handel mit Anleihen, Devisen und Derivaten sind sie traditionell stark. Aber die goldenen Zeiten in dem Segment sind vorbei. Und Kritiker bemängeln, dass ein echter Experte für dieses komplexe Gebiet im Vorstand fehlt.

In dieser schwierigen Gemengelage hat die Führung mit einem besonderen Problem zu kämpfen: Auf ihre Eigentümer kann sie sich weniger denn je verlassen, jedenfalls nicht allzu viel Geduld voraussetzen. Als vierter Großaktionär ist im vergangenen Jahr der amerikanische Hedgefonds Ceberus eingestiegen, der sich nicht ohne Hintersinn nach dem dreiköpfigen Höllenhund aus der griechischen Mythologie benennt. Zusammen mit der selbst angeschlagenen chinesischen Gruppe HNA, den Scheichs aus Katar und dem US-Fondsgiganten Black Rock gibt dieser Höllenhund die Richtung vor.

Dieses heikle Umfeld erklärt die Vielzahl der umherschwirrenden Gerüchte. Von Plänen für einen Zusammenschluss mit der Commerzbank, bei der Ceberus ebenfalls mitmischt, ist die Rede. Dagegen spricht die alte Börsianerweisheit, dass ein Duo aus zwei Fußkranken noch keinen Sprinter schafft. Über eine Fusion mit einem europäischen Rivalen, etwa der spanischen Großbank Santander, wird spekuliert. Hier stellt sich die Frage, ob sich jemand freiwillig die Probleme der Deutschen Bank ins Haus holt.

2018 muss die Wende kommen

Sicher ist nur: Wenn 2018 nicht die Wende zum Besseren kommt, wird es rappeln. Möglicherweise trifft es auch erst einmal statt des Vorstands Aufsichtsratschef Paul Achleitner, der immerhin schon seit vielen Jahren die Fäden zieht. Erst aber einmal bleibt nur die Hoffnung. Wenn die europäische Konjunktur weiter anzieht und die Zinsen tatsächlich endlich steigen sollten, müsste dies auch der Deutschen Bank Rückenwind verleihen. Und wenn nicht?

Seinen Auftritt vergangene Woche beim Weltwirtschaftsforum in Davos sagte Cryan ab. Schon allein das sorgte für jede Menge Getuschel beim Stelldichein der Wirtschaftselite in den Schweizer Bergen.

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