+
Alphabet-Chef Sundar Pichai demonstriert Zufriedenheit.

Alphabet

Offenheit, die keine ist

  • schließen

Die Google-Mutter Alphabet übt sich in ungekannter Transparenz. Mit wichtigen Bilanzzahlen hält sie aber weiter hinterm Berg. Die Analyse.

Kann sich Alphabet im exklusivsten Klub der Welt halten? Nach diesen Geschäftszahlen? Die Google-Mutter war am Dienstag an der Börse nur noch wenig mehr als eine Billion Dollar wert. Bei nur drei weiteren Unternehmen übersteigt die Marktkapitalisierung die Marke von tausend Milliarden Dollar – bei Apple, Microsoft und beim saudischen Ölförderer Aramco. Die aktuellen Zahlen von Alphabet haben Anleger und Analysten jedenfalls äußerst skeptisch aufgenommen. So stiegen die Einnahmen im vergangenen Jahr „nur“ um 20 Prozent auf rund 162 Milliarden Dollar (147 Milliarden Euro) und auch der Gewinn aus der betrieblichen Tätigkeit lag mit 34,2 Milliarden Dollar unter den Erwartungen. Anleger inszenierten eine Abstrafungsaktion. Die Aktie verlor deutlich.

Müssen wir uns Sorgen um Google machen? Sicher nicht. Vom Internet-Giganten wird extrem viel erwartet. Da werden etwas schwächere Geschäftszahlen von Börsianern schon als Hiobsbotschaften gewertet. Hinzu kommt großes Misstrauen der Anleger. Alphabet ist ein weitverzweigtes Imperium. Doch was genau welche Abteilung macht und vor allem wie profitabel oder unprofitabel sie ist, wurde bislang nicht verraten. Immerhin hat der Druck von Investoren und Öffentlichkeit dazu geführt, dass nun erstmals Zahlen für die Tochter Youtube und die Cloud-Sparte genannt wurden. Das Videoportal kam im vorigen Jahr auf einen Umsatz von rund 15 Milliarden Dollar. Dahinter steckt zwar ein Wachstum von gut einen Drittel im Vergleich zum Vorjahr. Für viele Analysten war das aber dann doch eine Enttäuschung, sie hatten mit einem größeren Anteil am Gesamtumsatz kalkuliert.

Das Cloud-Geschäft legte 2019 ein Plus von mehr als 50 Prozent auf 8,9 Milliarden Dollar hin. Das heißt, dass der Abstand zu den Marktführern im extrem schnell expandierenden Metier mit der Datenwolke – Amazon und Microsoft – weiterhin riesig ist. Noch wichtiger dürfte sein, dass sich das Wachstum im hochprofitablen Kerngeschäft mit der Suchmaschine und der damit verknüpften Werbung verlangsamt, das Umsatzplus lag bei 15 Prozent. Hier ist zu erkennen, dass viele Unternehmen ihre Reklame zunehmend in sogenannten sozialen Medien oder direkt auf E-Commerce-Plattformen platzieren. Facebook und Amazon haben zuletzt deutlich stärkere Zuwächse eingespielt. Konzernchef Sundar Pichai versuchte dennoch gute Laune zu verbreiten: „Ich bin sehr zufrieden mit unseren anhaltenden Fortschritten im Suchmaschinengeschäft und beim Aufbau zweier unserer neueren Wachstumsbereiche.“ Als ein vielversprechendes Beispiel für neue Formen der Einbettung von Werbung nannte er Youtube-Videos mit Tests von Puma-Sportschuhen, die unmittelbar mit dem Online-Shop des Sportartiklers verlinkt sind.

Bei genauerem Hinschauen wird indes klar, dass es sich bei der neuen Offenheit bestenfalls um eine Teil-Transparenz handelt. „Suche und anderes“ wird die Sammelkategorie im aktuellen Zahlenwerk bezeichnet, die für fast zwei Drittel aller Umsätze steht. Wie es beim Landkartendienst Google Maps, der E-Mail-Sparte Gmail oder beim Smartphone-Betriebssystem Android läuft, wird nicht verraten. Da macht sich schnell die Vermutung breit, dass es dort mit den Umsätzen und Renditen nicht wirklich gut aussieht und dass Youtube und die Cloud-Dienste nur herausgepickt wurden, weil es sich um die erfolgreichsten Sparten im Konzern handelt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare