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Verkehrswende: Österreich macht es mit Klimaticket vor

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Von: Peter Riesbeck

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Österreich hat bereits 2021 eine Klimakarte eingeführt, die landesweit und dauerhaft gilt. In Deutschland wird um die Nachfolge des Neun-Euro-Tickets noch gerungen.

Berlin – Endstation. Erstmal. In Deutschland ist der Test mit dem Neun-Euro-Ticket ausgelaufen. Über Anschlusslösungen wird noch diskutiert. In Österreich ist man schon weiter. Das Land startete im vergangenen Oktober eine Klimakarte. Das erste Zwischenfazit fällt positiv aus. „Aktuell wurden rund 190.000 österreichweite Klimatickets verkauft“, heißt es auf Nachfrage aus dem Haus von Klimaministerin Leonore Gewessler (Grüne).

Auch in Österreich lief die Einführung des neuen Umwelttarifs nicht gänzlich ohne Streit. Wien kennt bereits seit 2012 ein Klimaticket. 365 Euro für ein Jahr Nahverkehr, macht einen Euro pro Tag für Bus und Trambahn. Der Erfolg lässt sich messen. Die Zahl der Reisenden mit Jahreskarte im Nahverkehr hat sich in zehn Jahren verdreifacht, von rund 360.000 auf 850.000.

Klimaticket statt 9-Euro-Variante in Österreich: Kostenpunkt 1095 Euro im Jahr

Die Grünen wollten die Klimakarte als neue Regierungspartei auch auf Bundesebene durchsetzen. Das klappte, wurde aber etwas teurer. 1095 Euro kostet die landesweite Variante des Klimatickets, das entspricht drei Euro am Tag oder einem guten Kapuziner, wie der Cappuccino in Österreich heißt. Studierende und Ältere über 65 zahlen 821 Euro im Jahr. „Die Menschen in Österreich wollen klimafreundlich und bequem unterwegs sein“, teilt Gewesslers Ministerium mit.

Demo 9-Euro-Ticket: Demonstranten mit Transparent „Verkehrswende = günstiger ÖPNV für alle“
Österreich hat schon vergangenes Jahr eine Klimakarte eingeführt, die landesweit und dauerhaft gilt. (Symbolbild) © IMAGO/Stefan Boness/Ipon

Das Ticket gilt für Busse und Bahnen im ganzen Land, in einzelnen Bundesländern wie Wien gibt es auch Regio-Tarife. Rund 160 Millionen Euro stellt der Bund für die Finanzierung des Klimatickets bereit, die Länder werden für ihre Angebote mit 180 Millionen Euro unterstützt, ein 80-Millionen-Zuschlag wegen steigender Energiekosten inklusive. „Das Klimaticket ist ein zentrales Instrument um den Umstieg auf öffentlichen Verkehr in Österreich noch attraktiver und einfacher zu machen“, heißt es aus dem Umweltministerium.

Österreich: Klimaticket auch in Deutschland gültig?

In Deutschland diskutieren Forschung und Verkehrsbetriebe noch die Lenkungswirkung des Neun-Euro-Tickets. Zwischen drei und zehn Prozent betrage die Umsteigerquote von Auto auf Bus und Bahn, heißt es. Die Bilanz in Österreich klingt allgemein so: „Wir reduzieren den Stau auf Österreichs Straßen und viele Pendlerinnen und Pendler sparen gleichzeitig viel Geld.“

Streng genommen gibt es das Klimaticket auch in Deutschland – wenn auch nur in Randgebieten. Wie schon das Neun-Euro-Ticket gilt auch die Klimakarte für den nächstgelegenen Grenzbahnhof. Bis Passau in Niederbayern und Lindau am Bodensee lässt sich also hierzulande mit der österreichischen Vorzeigekarte reisen. (Peter Riesbeck)

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