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Die Bibi Heybat-Moschee vor Ölfeldkulisse im Hafen von Baku.

CO2-Ausstoß

Ölkonzerne verfeuern Klimaziele

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Eine neue Untersuchung zeigt: Keiner der der großen Öl- und Gasmultis weltweit ist auf 1,5-Grad-Kurs – im Gegenteil.

Klimaexperten haben errechnet: Um das 1,5- bis Zwei-Grad-Limit der Erderwärmung nicht zu überschreiten, muss der Großteil der gegenwärtig technisch und wirtschaftlich förderbaren Reserven an fossilen Energien in der Erde bleiben (Kohle: 80 Prozent, Erdgas: 50 Prozent, Öl: 33 Prozent). Eine neue Untersuchung zeigt nun allerdings: Keiner der großen Erdöl- und Erdgas-Konzerne weltweit ist auf Kurs, um dieses Ziel aus dem Pariser Weltklimavertrag von 2015 einzuhalten. So hat zuletzt jeder der dieser Energiemultis Förderprojekte in einem Umfang bewilligt, das mit dem CO2-Restbudget nicht kompatibel sind.

Der globale CO2-Ausstoß muss ab 2020 sinken und bis 2030 halbiert sein, um das „Sicherheitslimit“ von 1,5 Grad zu halten, das vor dem Auslösen von Kippelementen im Klimasystem schützen soll. Das hat der Weltklimarat in seinem jüngsten Report festgestellt. Auch eine Reihe von Öl- und Gaskonzernen hat sich inzwischen aufgrund des Drucks von internationalen Investorengruppen wie „Climate Action 100+“ dazu verpflichtet, ihr Geschäftsmodell stärker an den Paris-Zielen auszurichten, darunter Shell, BP und Total. In der Praxis folgen sie dieser Vorgabe jedoch nicht, wie die neue Studie des britischen Thinktanks „Carbon Tracker“ (etwa: Kohlenstoff-Verfolger) zeigt.

Für den neuen Bericht hat der Thinktank 71 der größten Konzerne aus dem Öl- und Gasgeschäft analysiert und berechnet, welche Investitionsvorhaben unprofitabel würden, falls die Regierungen weltweit die knappen CO2-Restbudgets umsetzen, die sich aus dem Paris-Vertrag ergeben. Die Untersuchung führt seit Anfang 2018 insgesamt 18 Projekte mit einem Investitionsvolumen von 50 Milliarden US-Dollar (rund 45 Milliarden Euro) auf, darunter eine neue Ölsand-Gewinnung des US-Unternehmens Exxon Mobil, eine Flüssigerdgas-Anlage der britisch-niederländischen Shell, beide in Kanada gelegen, sowie Tiefsee-Ölförderanlagen mehrerer Konzerne im Atlantik vor Angola und im Kaspischen Meer vor Aserbaidschan. Für weitere zwölf Projekte mit einem Volumen von 21 Milliarden Dollar (19 Milliarden Euro) stehen die Investitionsentscheidung nach den Angaben des Thinktanks kurz bevor.

Carbon Tracker hat 2011 den Begriff „Stranded Assets“ (gestrandete Vermögenswerte) geprägt. Damit werden die finanziellen Risiken des Investments in fossile Brennstoffe durch deren plötzliche Entwertung beschrieben – für Investoren, Unternehmen, Regierungen und die Finanzmärkte insgesamt. Laut der neuen Studie könnten die untersuchten Konzerne bis Ende des nächsten Jahrzehnts bis zu 2,2 Billionen US-Dollar (zwei Billionen Euro) verlieren, falls sie ihre Geschäftsmodelle nicht an die künftigen klimapolitischen Vorgaben anpassen. Bisher steuern die Regierungen der Welt mit ihren CO2-Plänen freilich eher auf einem Drei-Grad- statt auf einem Zwei-Grad-Erwärmungskurs.

Das größte Risiko trägt bei einer verschärften Klimapolitik trüge der US-Konzern Exxon Mobil, so die Studie. Mehr als 90 Prozent seiner Projekt-Pipeline bis 2030 überschreite die Paris-Klimaziele, das heißt, dass fast alle Brennstoff-Vorkommen, in die nun investiert wird, eigentlich nicht mehr gefördert werden dürften.

Bei anderen Ölmultis wie Shell, Total, BP, Chevron und Eni liegt der Anteil zwar niedriger, ist mit der Hälfte ihrer Investitionen oder darüber aber immer noch gefährlich hoch. Die Ölindustrie verfolge weiterhin ein Business-as-usual-Modell und werde das wohl auch in Zukunft tun, „solange sie Profite sieht“, kommentierte Carbon Tracker-Experte Andrew Grant. „Sie wettet gegen eine 1,5-Grad-Welt und investiert weiterhin stark in Projekte, die den Paris-Zielen widersprechen.“

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