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„Peak Oil“ womöglich überschritten

Öl und Klima: „Peak Oil“ erreicht - Das Ende einer Ära naht

  • Joachim Wille
    vonJoachim Wille
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Vielleicht wurde der Höchststand beim Ölverbrauch schon 2019 erreicht - das jedenfalls vermutet ein Klima-Thinktank. Für den Grund könnten vor allem Länder wie China und Indien verantwortlich sein.

  • Der Erdölverbrauch könnte bereits jetzt seinen Höchststand überschritten haben.
  • Das zeigen Daten eines renommierten britischen Forschungsinstituts.
  • Grund für den sinkenden Erdölverbrauch könnte der Verkehr in China und Indien sein.

London – „Peak Oil“ – so bezeichnen Energieexperten den Moment, in dem der weltweite Ölverbrauch seinen absoluten Höhepunkt erreicht und dann abnimmt. Je früher er liegt, desto besser – um die Pariser Klimaziele überhaupt noch einhalten zu können. Bisher glaubten Optimisten, der Peak könne im neuen Jahrzehnt erreicht werden. Andere hingegen: wohl erst in den 2030er oder 2040er Jahren. Jetzt aber meint der renommierte britische Klima-Thinktank „Carbon Tracker“: Der Höchststand liegt womöglich schon hinter uns – im Jahr 2019. Grund für diese Einschätzung ist der schnelle Umstieg auf Elektromobilität in Schwellenländern wie China und Indien.

Bisher weiter wachsender Erdölverbrauch vermutet

Bisher geht die Internationale Energieagentur (IEA) von einem weiter wachsenden globalen Erdölverbrauch aus, getrieben von weiterer Zunahme der Motorisierung vor allem in den aufstrebenden Ökonomien im Süden. Laut IEA werden 80 Prozent des prognostizierten Nachfrageanstiegs bis 2030 aus dem Verkehr in Schwellenländern stammen. China und Indien alleine seien für die Hälfte davon verantwortlich.

Vielleicht stehen einige der Öl-Pumpen bald schon still.

Carbon Tracker allerdings erwartet, dass bereits die besonders von China forcierte Umstellung auf Elektrofahrzeuge das globale Wachstum der Ölnachfrage bis 2030 um 70 Prozent senken wird. Hinzu komme, dass auch in den Industrieländern der Verkauf von E-Autos deutlich an Fahrt aufnimmt. Das senkt den Spritabsatz ebenfalls tendenziell. Dies werde dazu beitragen, die Öl-Ära zu beenden. „Es wird immer wahrscheinlicher, dass wir 2019 die Spitzennachfrage nach Öl erlebt haben“, so Thinktank Experte Kingsmill Bond.

Mehr Elektrofahrzeug im Kampf gegen den Erdölverbrauch

China ist der größte Automarkt der Welt, das Land überholte die USA 2009 als Hersteller Nummer eins. Die Regierung in Peking pusht die E-Mobilität, um die Luftqualität in den Städten zu verbessern und den CO2-Ausstoß zu senken. Hinzu kommt, dass das Land auch der größte Ölimporteur ist und 70 Prozent seines Verbrauchs einführt – eine Abhängigkeit, die die Regierung abbauen möchte. Einen Schlusstermin für die Produktion von Verbrennern gibt es allerdings noch nicht. Die IEA erwartet, dass 2030 in China 40 Prozent der Neuwagen und in Indien 20 Prozent elektrisch fahren. Carbon Tracker wiederum rechnet damit, dass E-Autos dank sinkender Batteriepreise in den nächsten Jahren preislich mit Verbrennern gleichziehen. Dies werde den Umstieg weiter beschleunigen.

Erdölverbrauch weitaus teurer als Solarstrom

Der Thinktank rechnet vor, dass die Schwellenländer zusammen bis 2030 durch den Übergang zur E-Mobilität bis zu 250 Milliarden US-Dollar (210 Milliarden Euro) pro Jahr an Ölimporten einsparen könnten. Im Fall China seien es über 80 Milliarden, bei Indien über 35. Das sei mehr als genug Geld, um die neue Infrastruktur für die E-Autos aufzubauen, etwa ein Netz von Ladestationen. Laut Carbon Tracker sind die Kosten für den Import von Öl für ein durchschnittliches Auto zehnmal höher als die Kosten für den Solarstrom, der für den Betrieb eines gleichwertigen Elektrofahrzeugs benötigt wird. (Joachim Wille)

Rubriklistenbild: © AFP

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