Nachschub für deutsche Produzenten von Erdbeermarmelade: Ernte im marokkanischen Kenitra.
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Nachschub für deutsche Produzenten von Erdbeermarmelade: Ernte im marokkanischen Kenitra.

Landwirtschaft

Marmelade bei „Ökotest“: Selbst in Bio-Aufstrichen sind importierte Erdbeeren

  • vonHermannus Pfeiffer
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Früchte aus Marokko und China werden hierzulande zu Marmelade verarbeitet. Das liegt nicht nur am Preisvorteil der Importware.

  • Konfitüre und Marmelade bei „Ökotest“: Selbst in Bio-Aufstrichen sind Früchte aus Marokko und Ägypten
  • Ausgereifte Erdbeeren haben mehr Vitamine und einen besseren Geschmack
  • Erdbeeren und andere Früchte sind in Deutschland ein knappes Gut - und deshalb teurer

Nach der Saison ist vor der Saison. Die letzten frischen Erdbeeren werden gerade noch von Saisonarbeitern aus Rumänien und Bulgarien auf deutschen Plantagen gepflückt, da beginnt in den Lebensmittelläden die Hochsaison für Deutschlands beliebteste Konfitüre. Dabei hat das eine mit dem anderen wenig zu tun: Selbst in Bio-Aufstrichen sind Früchte drin, die in Spanien, Polen oder Serbien, in Bulgarien und der Türkei, in Marokko oder Ägypten geerntet worden sind.

Ökotest untersucht Nachhaltigkeit von Bio-Herstellern

Der einzige Bio-Hersteller in Deutschland, der unter Nachhaltigkeit auch „regional“ versteht, ist laut einer Untersuchung der Zeitschrift „Ökotest“ die Firma Zwergenwiese Naturkost. Das Unternehmen ging aus einer Landkommune auf der Schwäbischen Alb hervor. Seit 1996 produziert man in einem funktionalen Zweckbau im Norden der Republik, im Landkreis Schleswig-Flensburg.

Lange habe man ebenfalls im Ausland Erdbeeren zugekauft, erzählt eine Sprecherin. Dann habe Geschäftsführer Joseph Wilhelm an einer Blindverkostung teilgenommen und fand „die Qualität ganz toll“. Die Erdbeeren stammten von einem benachbarten Bauern, der seine Früchte im Direktvertrieb nicht alle losgeworden war und sich daher an den Marmeladenhersteller gewandt hatte.

Energieintensiv

Was die Lebensmittelindustrie an Erdbeeren verarbeitetet, kommt zum größten Teil von weit her tiefgefroren nach Deutschland. In Müsli oder Joghurt stecken dagegen oft gefriergetrocknete Früchte drin. Das Verfahren ist energieintensiv. Nahezu alle Früchte werden auf dem Weltmarkt eingekauft. Die verarbeitende Industrie wehrt sich daher seit langem erfolgreich gegen eine verpflichtende Herkunftsangabe. Wo also nicht „Erdbeeren aus Deutschland“ draufsteht, ist garantiert keine Erdbeere aus Deutschland drin.

Ausgereifte Erdbeeren haben einen höheren Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen und bioaktiven Substanzen. Kurzum, sie munden Leckermäulern besser als Industrieprodukte. Es empfiehlt sich daher der Kauf von Konfitüren, die örtliche Bauern aus eigenen Früchten angerührt haben. (hape)

„Wir wollen kurze Wege und die regionale Wirtschaft fördern“, heißt es bei Zwergenwiese. Mit den kurzen Wegen ist es allerdings nicht wirklich weit her: Zwar sitzt Zwergenwiese mitten in einer traditionellen Erdbeer-Region, doch um genügend Früchte zu bekommen, bedarf es eines größeren Netzwerkes. Und das umfasst neben Schleswig-Holstein noch Hamburg und Teile Niedersachsens sowie Mecklenburgs.

Frische, regionale Erdbeeren an jeder Straßenecke

Wer es in Frankfurt, München oder Hamburg gewohnt ist, an bald jeder Straßenecke frische regionale Erdbeeren kaufen zu können, mag sich wundern: Erdbeeren sind in Deutschland ein knappes Gut! Die Anbaufläche beträgt gerade mal 13 000 Hektar. Im Nachbarland Polen leben nur halb so viele Menschen – doch Erdbeer-Plantagen bedecken dort rund 50 000 Hektar Land.

„Natürlich sind heimische Früchte teurer“, sagt die Zwergenwiese-Sprecherin. Dass die Konkurrenz für ihre Konfitüren und Aufstriche lieber auf ausländische Früchte zurückgreife, habe wohl Preisgründe, vermutet sie. Dieses Kostenargument zieht ebenfalls in der konventionellen Verarbeitungsindustrie. Mehr als schätzungsweise 150 Hersteller bieten ihre Produkte in Supermärkten und Discountern an. Auch sie beziehen ihre Früchte nahezu vollständig aus dem Ausland.

Import und Export von Erdbeeren.

Warum das so ist, erläutert Simon Schumacher. Er ist Geschäftsführer des Verbandes Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE): Die Pflückkosten machten rund die Hälfte der Gesamtkosten von Erdbeeren aus. Die Pflücker erhalten üblicherweise den gesetzlichen Mindestlohn. 9,35 Euro sind das in Deutschland, in Polen 3,50 Euro und in Marokko und Ägypten noch deutlich weniger. Da scheint es naheliegend zu sein, dass deutsche Hersteller lieber ausländische Früchte in ihre Gläser füllen.

Doch unterm Strich ist der Nutzen für sie minimal: Bei einem Glas, das im Supermarkt 2,50 Euro kostet, macht es gerade mal fünf Cent aus, rechnet Schumacher vor. Bei den Arbeitskosten. Tatsächlich ist der Kostenvorteil noch geringer, da langer Transport und aufwendigere Verarbeitung noch die fünf Cent schmälern.

Freilich erklärt der Preis nicht alles. „Der Anbau von Erdbeeren in Deutschland reicht bei weitem nicht aus, um die Produktion zu decken“, sagt Christoph Freitag, Sprecher des Bundesverbandes der obst-, gemüse- und kartoffelverarbeitenden Industrie (BOGK) in Bonn. Der Verband nennt als traditionelle Hauptlieferländer Polen, Marokko und China.

Durch gezieltes Mischen von Beeren aus verschiedenen Lieferländern erreichten die Hersteller, dass die Erdbeermarmelade „immer gleich schmeckt“, so der BOGK-Sprecher. Außerdem erlaube der Einsatz von tiefgekühlter Rohware eine Produktion, die rund ums Jahr läuft und dadurch eine gleichmäßige Auslastung der Anlagen, konstante Arbeitsbedingungen und Mitarbeiterzahlen ermögliche.

Schadstoffbelastung in Konfitüren und Fruchtaufstrichen

Unberücksichtigt bleiben dabei Kosten, die sich nicht in Cent und Euro beziffern lassen. Generell zählen die empfindlichen Erdbeeren zu den stärker mit Pestiziden belasteten Früchten. Erdbeeren vor allem aus Südeuropa oder Nordafrika werden in großen Monokulturen auf kargen Böden produziert. „Der Wasserverbrauch, der Dünger- und Pflanzenschutzmitteleinsatz sind hoch“, heißt es beim Bundeszentrum für Ernährung in Bonn. Für die Auswahl der Sorten sei besonders ihre Tauglichkeit für den Transport und weniger der Geschmack ausschlaggebend.

Branchenkenner weisen vor diesem Hintergrund auf mögliche höhere Schadstoffbelastungen in Konfitüren und Fruchtaufstrichen hin. Diese Einschätzung erhärten Untersuchungen von frischen Erdbeeren, die das Niedersächsische Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (Laves) zuletzt im April veröffentlichte. In den Proben aus Deutschland wurden kaum sogenannte Höchstgehaltsüberschreitungen festgestellt.

Bei 34 Labortests von Erdbeeren aus Spanien, einem weiteren wichtigen Lieferland für die Industrie, wurde dagegen immerhin 18 Mal der Grenzwert gerissen. Allerdings lagen die Überschreitungen noch gerade im zulässigen Streubereich und wurden daher vom niedersächsischen Landesamt Amt nicht beanstandet.

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