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Erzeuger für Wind- und Sonnenstrom erhalten für jede Kilowattstunde eine festgelegte Vergütung.

Strompreise

Die Ökostrom-Umlage sinkt

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Für die Energiewende müssen die Verbraucher im kommenden Jahr weniger zahlen. Insgesamt dürften die Strompreise 2019 aber trotzdem steigen.

Frohe Kunde für alle Stromkunden: Die EEG-Umlage sinkt im nächsten Jahr deutlich. Künftig muss jeder Haushalt nur noch 6,405 Cent pro verbrauchter Kilowattstunde Strom zahlen. Bislang waren es 6,79 Cent. Damit setzt sich ein Trend fort. Schon im Vorjahr war die Umlage leicht gesunken. Zwischen 2010 und 2016 war sie hingegen teilweise massiv geklettert. Die Abgabe macht gut ein Fünftel des Gesamtpreises der privaten Haushalte für elektrische Energie aus.

Die Bundesnetzagentur teilte als zuständige Behörde mit: „Die in den letzten Jahren umgesetzten Reformen haben die Kostenentwicklung des EEG stark gedämpft.“ Mit der Umstellung auf Ausschreibungen würden die Förderkosten für neue Ökostromanlagen im Jahr 2019 sinken. Der Rückgang sei aber „maßgeblich auf die deutlich gestiegenen Börsenstrompreise zurückzuführen“.

Der Hintergrund: Erzeuger von Wind und Sonnenstrom erhalten für jede Kilowattstunde, die sie ins Netz einspeisen, eine für 20 Jahre festgelegte Vergütung, die früher von der Netzagentur bestimmt wurde. Voriges Jahr wurden im Erneuerbare-Energie-Gesetz (EEG) für große Wind- und Solaranlagen Ausschreibungen eingeführt, bei denen nur die günstigsten Anbieter zum Zuge kommen. Dadurch wurden die Entgelte massiv gedrückt.

Der Öko-Strom wird an der Strombörse verkauft. Die dortigen Preise liegen aber unterhalb der Einspeisevergütungen. Die Differenz wird über die Umlage finanziert. Im vorigen Jahr ist diese Differenz deutlich geringer geworden, weil das allgemeine Preisniveau an der Strombörse gestiegen ist. Das hat einerseits mit höheren Kosten für die Brennstoffe von Kohle- und Gaskraftwerken zu tun und andererseits damit, dass die Betreiber dieser Anlagen auch für CO2-Emissionszertifikate mehr zahlen müssen. Derzeit kosten die Verschmutzungslizenzen um die 20 Euro pro Tonne, das ist mehr als dreimal so viel wie vor zwölf Monaten.

Am Montag wurde auch der Tarif für eine neue Abgabe bekannt gegeben. Die Stromkunden müssen für die sogenannte Offshore-Netzumlage von Januar an 0,416 Cent pro Kilowattstunde zahlen. Das Geld wird einkassiert, um die Kosten für den Anschluss der großen Windmühlen vor den Küsten ans Netz zu schultern. Bislang waren dies ein Teil der allgemeinen Netzentgelte. Das ist die Gebühr, die die Verbraucher dafür zahlen müssen, dass der Strom, den sie verbrauchen, durch die Leitungen transportiert werden muss. Für jedes der bundesweit rund 800 regionalen Netze gelten eigene Tarife. Sie liegen mittlerweile vielfach über der EEG-Umlage. Die Experten des Verbraucherportals Verivox gehen derzeit aber davon aus, dass die Netzentgelte im Bundesdurchschnitt in etwa stabil bleiben. Doch die Unterschiede sind groß. In den östlichen Bundesländern gebe es teilweise Ermäßigungen, so Verivox. Dafür müssen Verbraucher im Norden – etwa in Bremen, Hamburg oder Hannover – deutlich tiefer in die Tasche greifen.

Trotz der Senkung der EEG-Umlage tobt ein heftiger Streit über Steuern und Abgaben für Strom. Sie machen laut Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) mittlerweile im Schnitt mehr als 54 Prozent des Gesamtpreises für Haushaltskunden aus. Den Unternehmen blieben kaum Spielräume: Nur noch gut 20 Prozent des Endkundenpreises seien noch von den Lieferanten direkt beeinflussbar. BDEW-Geschäftsführer Stefan Kapferer macht sich deshalb dafür stark, die umstrittenste Komponente, die Stromsteuer, abzuschaffen. Sie beträgt 2,05 Cent pro Kilowattstunde. Einst wurde sie eingeführt, um die Kasse der Rentenversicherung aufzubessern und um die Verbraucher gleichzeitig zum Stromsparen zu ermuntern. „Das hat sich überlebt“, sagt auch Felix Matthes, Forschungskoordinator für Energie- und Klimapolitik beim Öko-Institut. Die Strompreise seien in der Vergangenheit so stark gestiegen, dass es einen zusätzlichen Anreiz zum Sparen nicht mehr brauche. „Die Stromsteuer hat keine Daseinsberechtigung mehr.“

Lichtblick-Geschäftsführer Gero Lücking fordert indes „effiziente Kostenkontrollen und weniger Bürokratie beim Netzbetrieb“. So könnten die Verbraucher um Milliardenbeträge entlastet werden – inklusive der neuen Offshore-Umlage machten die Netzentgelte 2019 immerhin im Schnitt acht Cent pro Kilowattstunde aus. In der Branche wird immer wieder mangelnde Transparenz bei den Aufwendungen für die Netze beklagt. Dahinter steckt die Vermutung, dass Stadtwerke und andere regionale Netzbetreiber tricksen, um Zusatzgewinne einzuheimsen.

Verbraucher in Deutschland zahlen derzeit im Schnitt knapp 30 Cent pro Kilowattstunde. Offen ist, wie sich das Preisniveau 2019 insgesamt entwickeln wird. Das hängt stark von den Strategien der Versorgungsunternehmen ab. Viele haben sich mit längerfristigen Lieferverträgen abgesichert und beziehen auch 2019 billigen Strom. Anbieter, die eher kurzfristig an der Strombörse einkaufen, müssen mit deutlich höheren Preisen kalkulieren, die sie an die Kunden weitergeben werden.

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