1. Startseite
  2. Wirtschaft

Ökostrom immer günstiger

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Joachim Wille

Kommentare

Nach Zahlen des US-Energieministeriums fielen seit 2009 die Kosten für Windstrom um 40 Prozent.
Nach Zahlen des US-Energieministeriums fielen seit 2009 die Kosten für Windstrom um 40 Prozent. © dpa

Die Kosten für erneuerbare Energien sinken schneller als erwartet. Um den Klimawandel zu bremsen braucht es nach Ansicht von Experten aber weitere Signale.

Die globale Energiewende läuft – und zwar immer schneller. Ermutigende Zahlen dazu finden sich in einem Report, den das Weltwirtschaftsforum jüngst vorgestellt hat. Danach ist Strom aus Windkraft- und Solaranlagen weltweit bereits in mehr als 30 Ländern genauso günstig wie der aus neuen Kohle-, Erdags- oder Atomkraftwerken oder sogar billiger. Die erneuerbaren Energien hätten damit einen „Wendepunkt“ erreicht, argumentiert die Stiftung, die jährlich – diesmal nächste Woche – das einflussreiche Treffen von Managern und Politikern im schweizerischen Davos veranstaltet. Der Kampf gegen den Klimawandel könne nun ein profitables Geschäftsmodell für Energieunternehmen werden.

Tatsächlich sind die Kosten für Ökostrom besonders im vergangenen Jahrzehnt schneller gesunken als erwartet. Nach Zahlen des US-Energieministeriums fielen seit 2009 die Kosten für Windstrom um 40 Prozent und die für große Photovoltaik-Anlagen gar um 60 Prozent. Zu den Ländern, in denen erneuerbare Energien nun billiger als fossile sind, zählen Marokko, Dubai oder Chile. Die Experten erwarten, dass Photovoltaik in weniger als einem Jahrzehnt überall die Erzeugungsart mit den geringsten Kosten sein wird.

Bei Wind ist derzeit Marokko der Spitzenreiter, der Gastgeber des letztjährigen UN-Klimagipfels. Dort hat ein Windpark-Projekt einen Zuschlag bekommen, bei dem der Strom mit umgerechnet nur 2,8 Eurocent pro Kilowattstunde vergütet wird. Das entspricht etwa der Hälfte der Kosten von Kohlestrom. Bei der Solarenergie liegen Länder wie Dubai, die Vereinigten Arabischen Emirate und Chile vorn. Dort werden derzeit Solarkraftwerke gebaut, deren Strom ebenfalls weniger als drei Cent kostet. Welche Revolution das tatsächlich bedeutet, zeigt ein Vergleich mit der Situation bei der Einführung des deutschen Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) anno 2000. Damals erhielten Investoren, die Solaranlagen bauten, rund 50 Eurocent pro Kilowattstunde.

Und der Ökostrom wird noch billiger werden. Experten der Agentur Bloomberg schätzen, dass jede Verdopplung der installierten Anlagenkapazität eine Senkung der Windkraft-Kosten um ein Fünftel und der Solarstrom-Kosten um ein Viertel bringt. Das hat vor allem zwei Ursachen: Die Stromausbeute steigt dank verbesserter Technik, zudem werden die Komponenten in Großfabriken effizienter hergestellt. Sogar die aufwendige Offshore-Windkraft wird langsam konkurrenzfähig. So baut der dänische Windkraft-Konzern Dong vor der holländischen Küste einen Windpark, dessen Strom mit noch knapp 7,3 Eurocent pro Kilowattstunde vergütet wird.

Dank der Kostendegression wird global inzwischen mehr Geld in Ökostrom-Anlagen investiert als in konventionelle Kraftwerke. Leuchtendes Beispiel ist China, das jüngst angekündigt hat, Investitionen in erneuerbare Energien bis 2020 auf 340 Milliarden US-Dollar hochzuschrauben – das ist mehr als die 286 Milliarden Dollar, die alle Staaten zusammen 2015 in dem Sektor investierten.

Doch obwohl der Trend in die richtige Richtung läuft, sehen die Davos-Experten sich gezwungen, Wasser in den Öko-Wein zu schütten: Um den Klimawandel beherrschbar zu halten, reiche das längst noch nicht aus. Investoren bräuchten zusätzliche Signale, um komplett auf klimafreundliche Technologien umzusteigen – darunter eine angemessene Bepreisung des Treibhausgases CO2.

Auch interessant

Kommentare