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Die Kasse klingelt

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Von: Joachim Wille

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Montage eines Solarpanels: Der Strom vom eigenen Dach lohnt sich bei den aktuellen Energiepreisen.
Montage eines Solarpanels: Der Strom vom eigenen Dach lohnt sich bei den aktuellen Energiepreisen. © dpa

Dank der rapide gestiegenen Energiepreise können sich die Betreiber von Ökostrom-Anlagen über satte Zusatzgewinne freuen. Das DIW fordert, das EEG-Vergütungssystem umzustellen.

Die Strompreise sind im vergangenen Jahr in ungeahnte Höhen gestiegen. Kundinnen und Kunden, die in der Grundversorgung sind, und solche, die jetzt neue Jahres- oder Zwei-Jahres-Verträge abschließen, spüren das schmerzlich. Umgekehrt spült das den Stromproduzenten satte Extragewinne in die Kassen. Dabei profitieren nicht nur die Betreiber von Kohle- und Atomkraftwerken, sondern auch die von Solar- und Windkraft-Anlagen. Das trifft auf Kritik beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW). Es moniert, die Erneuerbaren-Betreiber hätten „satte Zusatzgewinne“ gemacht, und zwar „auf Kosten der Verbraucher:innen, die kräftig draufzahlen mussten“.

Hintergrund ist das Vergütungsmodell, nach dem fast alle Windräder und etwa ein Drittel der Solaranlagen gefördert werden, die „gleitende Marktprämie“. Dabei müssen die Betreiber ihren Ökostrom selbst oder über Vermarkter im Strommarkt unterbringen. Bleiben die Erlöse dort wie fast immer in den letzten Jahren unter der im EEG festgelegten respektive in Ausschreibungen ermittelten Einspeisevergütung, werden diese über das von den Stromkund:innen per Umlage gefüllte EEG-Konto entsprechend aufgestockt. Sind die erzielten Einnahmen jedoch höher als die garantierte Vergütung, winken den Betreibern laut DIW „unverhoffte Gewinne, die sie behalten dürfen“.

Solarstrom: Von fünf Cent Börsenpreis pro Kilowattstunde auf 27 Cent

Letzteres ist derzeit der Fall. Die Großhandels-Strompreise für Wind- und Solarstrom stiegen wie der allgemeine Börsen-Strompreis 2021 rasant an, vor allem im zweiten Halbjahr. Lagen sie laut DIW im Januar noch bei rund fünf Cent pro Kilowattstunde, so waren es im Dezember etwa 16 Cent für Windkraft an Land und rund 27 Cent für Solarstrom. Die Erlöse überstiegen damit deutlich die Garantievergütungen, die zum Beispiel bei Wind an Land rund neun Cent betragen. Das EEG-Konto wurde in diesem Fall nicht mehr belastet, bis zum Dezember häufte sich darauf sogar ein Überschuss von rund zehn Milliarden Euro an. Teuer wir es für die Stromverbraucherinnen und -verbraucher aber trotzdem, denn wegen der generell hohen Großhandelspreise steigt deren Rechnung.

Das DIW kritisiert, die Konsument:innen hätten das Nachsehen. „Obwohl sie bei niedrigen Strompreisen regenerative Energien über die EEG-Umlage über Jahre hinweg gefördert haben, sind sie im Gegenzug nicht gegen hohe Strompreise abgesichert“, heißt es in einer aktuellen Veröffentlichung des Instituts. Es berechnet die Zusatzkosten, die die Stromkund:innen im Jahr 2021 beim Ökostrom über die gesetzlich garantierte Vergütung hinaus draufzahlen mussten, auf rund 1,7 Milliarden Euro. Alleine im Dezember seien es 750 Millionen Euro gewesen. Für 2022 könnten es laut DIW etwa sechs Milliarden Euro werden.

Verbraucherinnen und Verbraucher gegen die hohen Stromkosten absichern

Das Institut fordert daher, das Vergütungssystem für Neuanlagen auf sogenannte Differenzverträge (Contracts for Difference) umzustellen, um auch die Verbraucher:innen gegen hohe Stromkosten abzusichern. Das Modell hierbei: Liegen die Börsenpreise unter der Garantievergütung, werden sie wie bei der gleitenden Marktprämie aus dem EEG-Konto aufgestockt. Liegen sie jedoch darüber, müssen die Wind- und Solaranlagen-Betreiber den Zusatzerlös an das EEG-Konto abführen. Damit käme er denen zugute, die die EEG-Umlage zahlen.

Die Windkraft-Industrie lehnt eine generelle schnelle Umstellung auf Differenzverträge ab. Der Co-Geschäftsführer des Bundesverbandes Windenergie, Wolfram Axthelm, begrüßte laut dem online-Magazin „klimareporter.de“ zwar die Absicht der Ampel-Bundesregierung, solche Verträge zur Versorgung der Industrie zu erwägen. Für die „aktuellen Herausforderungen“ am Strommarkt seien sie aber „nicht die kurzfristige Lösung“. Die Ursache für die aktuelle Strompreiskrise sei in den hohen Preisen für fossile Brennstoffe, speziell Erdgas, zu suchen.

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