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Neue Volkswagen.

Umweltprämie

Ökologisch wertlos

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Ein "Maßnahmenpaket" der Bundesregierung soll die Luft in Städten sauberer machen. Jetzt zeigt sich aber: Es ist nur ein Konjunkturprogramm für die Autoindustrie. Ein Kommentar.

Die Bundesregierung hat Anfang Oktober ein „Maßnahmenpaket“ auf den Weg gebracht, das angeblich die Luft in Städten sauberer machen und die Gesundheit der Bewohner fördern soll. Jetzt zeigt sich, worum es sich in Wirklichkeit handelt: um ein Konjunkturprogramm für die Autoindustrie. Eine maßgebliche Komponente ist ein Umtauschprogramm, das die deutsche Pkw-Flotte erneuern und umweltfreundliche Dieselautos auf die Straße bringen soll. Daraus wird nichts. Ein großer Teil der neuen Autos, die bald durch die Städte fahren, werden mit Abgasreinigungsanlagen ausgestattet sein, die nur im Labor das Reizgas Stickstoffdioxid (NOX) eliminieren, im Alltagsbetrieb werden sie enorme Mengen NOX in die Luft blasen.

Mit tatkräftiger Unterstützung der Bundesregierung können die Autobauer diesen Fahrzeugen nun das Etikett „ökologisch wertvoll“ anhängen. Diese Verkaufsförderung kommt zur rechten Zeit. Denn von diesen Autos, die zur Schadstoffklasse Euro 6c gehören, haben Hersteller und Händler wegen Umstellung des Abgastestverfahrens auf die neue WLTP-Norm im Sommer noch viele Tausend Exemplare schnell zugelassen, um sie nun als junge Gebrauchte verkaufen zu können. Das kann den Automarkt, der in schwere Turbulenzen geraten ist, vielleicht etwas stabilisieren. Für Käufer, die sich ohnehin einen Neuen zulegen wollen und die über einigermaßen Verhandlungsgeschick verfügen, sind jetzt echte Schnäppchen möglich.

Aber Reduzierung der NOX-Belastung werden die Umtauschaktionen kaum beitragen. So löst sich das Maßnahmenpaket sehr schnell in heiße Luft auf – von der viel wichtigeren Nachrüstung von Diesel-Pkw mit Zusatzkatalysatoren auf Kosten der Hersteller ist nichts mehr zu hören.

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