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Ein Elektro-Auto wird auf der Rastanlage „Demminer Land“ an der A20 an einer Schnellladesäule betankt.

Elektro-Mobilität

Schnell mal laden

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Die Bundesregierung dringt mit einem Masterplan auf mehr Zapfsäulen für E-Autos. Ein Gipfel mit Kanzlerin, Minister und Branchenvertretern soll den Durchbruch für eine flächendeckende Infrastruktur bringen.

Ein weiterer Autogipfel im Kanzleramt soll die Elektromobilität voranbringen. Dabei wird es vor allem um den Ausbau des Ladenetzes gehen. Er erwarte, „dass am Montagabend konkrete Maßnahmen beschlossen und nicht nur unverbindliche Prüfbitten formuliert werden“, sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD), der auch im Volkswagen-Aufsichtsrat sitzt. Porsche-Chef Oliver Blume hatte zuvor bereits eine „klare Agenda“ gefordert – bisher verzettele man sich.

Das lückenhafte Ladenetz gilt seit Jahren als größtes Hindernis für die Verbreitung von Elektroautos. Inzwischen hat die Bundesregierung zwar mehrere Förderprogramme aufgelegt, doch die wirken nur langsam. Experten kritisieren zudem, dass es keinen koordinierten Ausbauplan gebe und zu viel Geld in normale Ladestationen fließe, statt das Schnellladen zu fördern.

Weniger Bürokratie

An dem abendlichen Treffen mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) sollen mehrere Bundesminister, Ministerpräsidenten, Gewerkschafter, Topmanager und der scheidende Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA),Bernhard Mattes, teilnehmen. Merkel verwies am Wochenende auf das jüngst beschlossenen Klimapaket festgelegte Ziel: Bis 2030 sollen eine Million Ladepunkte aufgebaut werden. Das bezeichnet die Zahl der Anschlussmöglichkeiten, von denen jede Ladestation mehrere hat – die Zahl der Standorte ist also deutlich geringer.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) geht mit einem „Masterplan Ladeinfrastruktur“ in das Spitzentreffen. Damit will er nicht nur Ladestationen fördern, sondern auch Gastankstellen. Außerdem soll Bürokratie beseitigt werden, um den Bau von Stationen an Wohnhäusern oder auf Supermarkt-Parkplätzen zu erleichtern. Eine zentrale Leitstelle soll den Aufbau koordinieren.

Schwierig dürfte allerdings die Lastenverteilung werden, denn es geht erneut um Investitionen in Milliardenhöhe. Die Bundesregierung hat seit 2009 nach eigenen Angaben rund fünf Milliarden Euro für die Förderung der Elektromobilität bereitgestellt, davon 300 Millionen für die Ladeinfrastruktur. Die Industrie werde sich am Ausbau beteiligen, sagte Merkel am Wochenende.

Die Hersteller machen allerdings geltend, dass sie ein Vielfaches in die Entwicklung neuer Elektroautos investieren – wegen schlechter Rahmenbedingungen aber um den Verkaufserfolg fürchten müssen. BMW, Daimler, Ford und VW bauen inzwischen gemeinsam ein Netz von 400 Schnellladestationen an europäischen Autobahnen auf. Doch sie wollen nicht die komplette Infrastruktur in die Hand nehmen. Stromversorger und Mineralölkonzerne wiederum zögern, weil mit den Ladestationen noch lange kein Geld zu verdienen ist.

Mittlerweile drängt jedoch die Zeit, denn ab 2020 gelten strengere CO2-Grenzwerte, die nur mit einem schnell wachsenden Anteil Elektroautos einzuhalten sind. Die Industrie will deshalb vom nächsten Jahr an im großen Stil Elektroautos verkaufen. Den größten Ehrgeiz entwickelt dabei der VW-Konzern, der am Dienstag in Zwickau offiziell die Produktion des Elektromodells ID.3 startet – in Anwesenheit der Kanzlerin. Allein von diesem Modell sollen dort jährlich 100 000 Stück vom Band rollen.

Mit Blick auf den Umbruch in der Branche fordert Ministerpräsident Weil eine „politisch aktive“ Begleitung. Dazu gehöre auch, den Zugang zum Kurzarbeitergeld zu erleichtern, weil die Herausforderungen der Branche „extrem anspruchsvoll“ seien. In die gleiche Richtung denkt offenbar auch Merkel: „Wir werden darüber reden, wie Menschen die Transformation von dem klassischen Verbrennungsmotor hin zur Elektromobilität schaffen können.“

Beim Ladenetz will Weil Ziele nicht erst für 2030 setzen: „Ich plädiere für ein klares Commitment für 100 000 öffentliche Ladepunkte bis spätestens 2021.“ Bisher gibt es rund 20 000 öffentlich zugängliche Ladepunkte, verteilt auf knapp 10 000 Stationen.

„Wir brauchen vor allem verbindliche Vereinbarungen und verlässliche Finanzierungszusagen für den Ausbau der Ladeinfrastruktur“, sagt Weil. Außerdem seien Änderungen im Mietrecht und im Wohneigentumsrecht überfällig, um den Bau von Ladestationen zu erleichtern. Auch dieser Punkt steht bereits auf der Agenda, seit vor fast zehn Jahren – ebenfalls bei einem Autogipfel – die „Nationale Plattform Elektromobilität“ gegründet wurde. Damals nahm man sich vor, 2020 eine Million E-Autos auf den deutschen Straßen zu haben.

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