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Nutzen statt besitzen

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Von: Andreas Bangemann

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Wie Geld in Umlauf kommen kann

Wäre es Ihnen sechs Euro im Jahr wert, falls Sie auf diese Weise dazu beitragen würden, dass schwarze Kassen aufgelöst und kriminelle Geschäfte verhindert werden könnten? Soviel müsste man bezahlen, wenn man ein deutscher Durchschnittsbürger ist, der gemäß Statistik 103 Euro in Scheinen und Münzen im Portemonnaie trägt. Zugrunde liegt die Idee, eine Nutzungsgebühr von sechs Prozent pro Jahr auf im Umlauf befindliche Euroscheine zu erheben. Lange von Kapitalmarkt-Experten und Wissenschaftlern ignoriert, erfährt der Vorschlag aktuell Interesse.

Antrieb ist aber nicht die Bekämpfung von Kriminalität, sondern eine geldpolitische Notlage. Die ins Negative tendierenden Zinserträge für Einlagen werden vom Bargeld nach unten begrenzt. Zur „Anlageform“ Geldscheine unter der Matratze kann man wechseln und wird nie weniger als null Prozent Zinsen „bekommen“. Das führt zu der Forderung nach kompletter Abschaffung des Bargelds, wobei unterschiedliche Motive dahinterstehen.

Die einen haben das Ziel, im Rahmen der Geldpolitik die Zinsen ins Negative sinken zu lassen. Die anderen profitierten, wenn die unbaren Zahlungsmittel wie Geld- und Kreditkarten oder Banktransfers stärker genutzt würden. Alternative zur Abschaffung könnte eine geringe Gebühr sein, dessen Begleichung angesichts heutiger technischer Möglichkeiten umsetzbar wäre.

Geld auf diese Weise in Bewegung zu bringen, macht aus vielerlei Gründen Sinn. Steuerhinterziehung und Kriminalitätsbekämpfung sind zwei triftige. Der Schutz von persönlicher Freiheit im Zahlungsverkehr ein weiterer. Die Stärkung des Geldes in seiner Funktion als Tauschmittel ist mit einer sogenannten Umlaufsicherung ebenfalls verbunden. Nicht zuletzt hätten die Währungshüter ein effektives Werkzeug zur Erhaltung einer stabilen Währung ohne Inflation. Eine unscheinbare Maßnahme mit weitreichenden Folgen.

Gemäß EZB laufen von der einen Billion Euro ausgegebenen Bargelds 850 Milliarden nicht um, sondern dienen der Wertaufbewahrung. Sie blockieren ein geordnetes Marktgeschehen.

Geld als öffentliche Einrichtung wahrgenommen, mit dessen gleichmäßiger Nutzung als oberste Priorität, ist ein Zukunftsbild mit Veränderungskraft. Nutzen statt besitzen heißt die Devise. Die Umlaufsicherungsgebühr ist eine Lösung.

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