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Findet den Nutri-Score jetzt doch gut: Ministerin Klöckner. imago

Farbenlehre im Supermarkt

Nutri-Score: Farblogo auf Lebensmittel soll anzeigen, wie gesund das Produkt ist

  • vonWolfgang Mulke
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Der Weg für die Einführung des neuen Lebensmittel-Logos ist frei. Doch noch ist der Aufdruck des Nutri-Score nicht verpflichtend.

  • Eine Farbmarkierung soll anzeigen, wie gesund oder ungesund Lebensmittel sind.
  • Der Nutri-Score befindet sich bereits auf einigen Tiefkühl-Produkten.
  • Nach anfänglicher Skepsis befürwortet auch Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner das System.

Den umständlichen Blick auf die kleingedruckte Zutatenliste auf der Verpackung von Lebensmitteln können sich Verbraucherinnen und Verbraucher wohl bald sparen. Denn von November an werden in den Regalen zunehmend Produkte mit einem Farblogo zu finden sein. Der sogenannte Nutri-Score zeigt an, wie gesund und ausgewogen ein Produkt ist. Die Farbpalette reicht vom dunkelgrüne „A“ für eine besonders gute Zusammensetzung bis zum roten „E“ für eine eher ungünstige.

Vereinzelt gibt es diese Kennzeichnung schon, zum Beispiel auf mancher Tiefkühlkost. Doch erst am vergangenen Freitag hat der Bundesrat für Rechtssicherheit der Hersteller gesorgt. „Je besser der Score, desto mehr könnte das Lebensmittel zur ausgewogenen täglichen Ernährung beitragen“, erläuterte die Länderkammer, „während Lebensmittel mit einer ungünstigen roten Bewertung nur in Maßen verzehrt werden sollten“.

Nutri-Score auf Lebensmitteln: Mehrere Inhaltsstoffe werden bei der Punktevergabe berücksichtigt

Damit endet ein jahrelanger Streit um die Einführung einer leicht verständlichen Kennzeichnung. Ärzte und Verbraucherschützerinnen fordern schon lange eine auf den ersten Blick verständliche Information. Vor allem Kinderärzte weisen immer wieder auf die bei Kindern grassierende Übergewichtigkeit und die Gefahr späterer Krankheiten durch eine falsche Ernährung hin. Auch Volkskrankheiten wie Diabetes und Bluthochdruck hängen häufig mit einer ungesunden Ernährung zusammen. Doch die Industrie sperrte sich lange gegen eine Ampel. Die Hersteller befürchten eine Diskriminierung von einzelnen Produkten, obwohl diese in geringen Mengen konsumiert nicht gesundheitsgefährdend sind.

Der Nutri-Score ist ein Kompromiss, den französische Wissenschaftler ausgetüftelt haben. Im Gegensatz zur Ampel berücksichtigt dieses Punktesystem nicht nur den Gehalt an Salz, Fetten und Zucker, sondern bezieht weitere Elemente wie Eiweiß, Ballaststoffe oder Obst ein. Für jeden Anteil wird ein Punktwert ermittelt. Aus der Gesamtpunktzahl resultiert schließlich die Einordnung in eine der fünf Farben.

Nutri-Score auf Lebensmitteln: Industrie zeigt sich bisher reserviert

Die große Frage ist nun, wie viele Hersteller bei der Kennzeichnung mitmachen werden. Denn noch ist der Aufdruck des Logos freiwillig. Für eine Verpflichtung bedarf es einer europaweiten Regelung. Bisher haben nur Frankreich und Belgien den Nutri-Score eingeführt. Doch der Druck auf die Hersteller dürfte zunehmen, wenn sich gekennzeichnete Produkte besser verkaufen lassen als Gerichte ohne den Aufdruck. „Wir gehen davon aus, dass der Nutri-Score in den kommenden Wochen und Monaten vermehrt auf Eigenmarken der Handelsunternehmen zu finden sein wird“, sagt Franz-Martin Rausch vom Branchenverband des Lebensmittelhandels.

Die Industrie zeigt sich dagegen noch reserviert gegenüber der Ampel. Sie bemängelt eine ausreichende Berücksichtigung grundsätzlich gesunder Zutaten wie Pflanzenölen oder Vollkornprodukten. Auf rund 1000 Produkten wird die Farbskala jedoch bereits eingesetzt. Das hat eine Marktbeobachtung der Hamburger Verbraucherzentrale ergeben.

Lange hat sich Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner gegen eine Ampel auf der Vorderseite der Verpackung gesträubt. Im vergangenen Jahr ließ sie schließlich verschiedene Kennzeichnungsmodelle von Verbrauchern testen. Am verständlichsten fanden die Konsumenten den Nutri-Score. Damit war auch der Widerstand der Ministerin gebrochen. Heute findet sie das Logo gut. „Die Einführung ist ein wichtiger Schritt hin zu einem stärkeren Bewusstsein beim Lebensmitteleinkauf und gegen versteckte Dickmacher“, sagt Klöckner, die sich nun auch für eine europaweit einheitliche Regelung einsetzen will. (Wolfgang Mulke)

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