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Johannes Beermann mit dem Scanner des Fraunhofer-Instituts fürs Scheine-Puzzeln. bundesbank
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Johannes Beermann mit dem Scanner des Fraunhofer-Instituts fürs Scheine-Puzzeln.

Beschädigte Banknoten

„Nur mit Asche wird’s schwierig“

  • Friederike Meier
    vonFriederike Meier
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Verbrannt, verrottet, geschreddert: Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann über die schwierige Rekonstruktion beschädigter Geldscheine und eine neue Puzzle-Maschine, die auch die schwierigsten Fälle zu lösen hilft.

Der sogenannte Darmstädter Schnipselfall sorgte vor fünf Jahren für Aufregung: Eine unbekannte Person hatte 90 000 Euro in kleinen Schnipseln über die ganze Stadt verteilt. Johannes Beermann, bei der Bundesbank für Bargeld zuständig, erzählt im Interview, warum der Fall für die Bank so schwierig war und wie er ihr zu einem neuen Gerät verholfen hat.

Herr Beermann, wenn ich einen kaputten Geldschein habe, kann ich in bestimmten Fällen den Wert von der Bundesbank erstattet bekommen. Wann ist das so?

Die Bundesbank leistet kostenlos Ersatz für beschädigte Euro- und DM-Noten, wenn mehr als die Hälfte des Geldscheins vorgelegt wird. Bei Geldscheinen, von denen die Hälfte oder weniger vorgelegt wird, muss nachgewiesen werden, dass die fehlenden Teile vernichtet wurden. Wenn Banknoten eingereicht werden, die mit chemischen oder anderen gesundheitsgefährdenden Substanzen behandelt wurden, benötigen wir außerdem Informationen zur Kontamination, zum Beispiel bei Chemikalien ein Sicherheitsdatenblatt. Ohne dieses kann in solchen Fällen das beschädigte Geld nicht bearbeitet werden. Grundsätzlich ausgeschlossen sind Banknoten, die vorsätzlich beschädigt wurden.

Zur Person

Johannes Beermann , 60, ist seit Anfang 2015 Vorstand bei der Deutschen Bundesbank und dort unter anderem für Bargeld zuständig. Von 2008 bis 2014 war der promovierte Jurist und CDU-Politiker Chef der Sächsischen Staatskanzlei. Das Nationale Analysezentrum für beschädigtes Bargeld in Mainz ersetzt verbranntes oder verrottetes Bargeld kostenlos, sofern es nicht absichtlich beschädigt wurde. Jedes Jahr gehen etwa 30 000 Erstattungsanträge ein, im Jahr 2019 wurde beschädigtes Bargeld in Höhe von 42 Millionen Euro ersetzt.

Wie weise ich denn nach, dass der Rest eines Scheines zerstört ist?

Wenn Geldscheine zum Beispiel durch einen Hausbrand teilweise verbrannt sind, kann man die Asche mit einreichen, möglichst so, dass diese beim Transport nicht weiter beschädigt wird. Dann können wir anhand der Aschereste den ursprünglichen Wert der Banknoten feststellen. Ein Bericht der Feuerwehr kann helfen, die Zerstörung nachzuweisen. Dies lässt sich aber immer nur im Einzelfall beantworten.

Was sind die häufigsten Ursachen für zerstörte Scheine?

Es gibt Fälle, wo Scheine verbrannt sind. Oder aber man hat sich ein Versteck ausgesucht, das sehr feucht ist. Häufig passiert es auch, dass Haustiere Geldscheine zerstören. Wenn der Hund mal Geldscheine ins Maul bekommt, fängt er natürlich an, darauf herumzukauen. Es kommt auch vor, dass Kinder Geldscheine zerreißen und damit spielen, weil sie nicht wissen, was die für einen Wert haben. Wir bekommen auch zunehmend Scheine, die von Demenzkranken zerschnitten oder geschreddert worden, weil sie es sichern wollten. In diesem Fall ist die Frage nach einer vorsätzlichen Beschädigung natürlich vor diesem Hintergrund zu bewerten.

Erinnern Sie sich an einen besonders kuriosen Fall?

In Darmstadt hat im Jahr 2015 jemand rund 90 000 Euro in Schnipseln an verschiedenen Stellen in der Stadt ausgelegt. Es hat gedauert, bis wir herausgefunden haben, dass das alles von einer Person kam, denn die Finder haben die Banknotenfragmente einzeln bei uns eingereicht. Neulich hatten wir auch einen Fall, bei dem Leute alte D-Mark-Bestände in der Nähe eines Abflusses in einem geerbten Haus gefunden haben. Die Scheine waren nahezu vollständig zerstört. Man konnte aber unter anderem aufgrund der Sicherheitsfäden herausfinden, welche und wie viele Scheine es waren.

Wie haben Sie in dem Darmstädter Fall herausgefunden, dass die Scheine von einer Person kamen?

Normalerweise bekommen wir Scheine von einer Person, die sie zum Beispiel in ihrem Haus gefunden hat. Aber hier hatten wir eben einen Schein oder mehrere Scheine, die von mehreren Personen eingereicht wurden, weil die Schnipsel überall in Darmstadt ausgelegt wurden. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind angesichts der etwa 8000 Fragmente schier verzweifelt und kamen nicht mehr weiter. Durch den Fall kam der Kontakt zum Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik zustande, die einen ePuzzler entwickelt hatten. Dieses digitale System gab es schon vorher, weil damit Unterlagen der Staatssicherheit rekonstruiert wurden.

Wie funktioniert der ePuzzler?

Mit dem ePuzzler werden Teile von Banknoten über einen Computer eingescannt und dann virtuell zusammengesetzt. Das Gerät scannt Banknotenfragmente von beiden Seiten ein – 100 Teile pro Scan ab einer Größe von zwei Quadratmillimetern. Das System schätzt dann, wie viele Banknoten es sind und errechnet anhand der Risskanten und der Bildinformationen, wie wahrscheinlich es ist, dass bestimmte Teile zusammengehören. So wird Stück für Stück anhand der Vorschläge des Systems eine Banknote virtuell gepuzzelt. Im Darmstädter Fall konnten wir überhaupt erst durch den ePuzzler weitermachen. So haben wir herausgefunden, dass das Geld tatsächlich von ein und demselben Menschen kam, weil von einer einzigen Banknote an verschiedenen Stellen Schnipsel auftauchten.

Wie viel Zeit spart Ihnen das?

Das ist im Moment schwierig zu sagen, weil wir erst seit Oktober 2019, also etwas über ein Jahr mit dem ePuzzler arbeiten, aber es ist in etwa eine Halbierung der Arbeitszeit bei den besonders schwierigen Fällen mit vielen Fragmenten. Vor allem ist es aber auch für die Menschen wichtig, die Banknoten einreichen. Die bekommen dadurch auch in sehr komplexen Fällen recht schnell ihr Geld ersetzt.

Und wann kann sogar der ePuzzler nicht helfen?

An dem Darmstädter Schnipselfall kann man erkennen, dass es für uns keine hoffnungslosen Fälle gibt, sondern nur Herausforderungen. Es ist unser gesetzlicher Auftrag, dass wir beschädigtes Geld ersetzen müssen, egal ob es zehn Cent sind oder ein alter 500 Euro-Schein. Wenn wir allerdings nur Asche bekommen, aus der wir überhaupt nichts mehr erkennen können, wird es schwierig.

Interview: Frederike Meier

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