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Die EZB hat künftig mehr geldpolitischen Spielraum. Imago Images
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Die EZB hat künftig mehr geldpolitischen Spielraum. Imago Images

EZB

Notenbank zeigt mehr Toleranz

Europäische Zentralbank ändert Strategie und erhöht Inflationsziel auf zwei Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihr Inflationsziel erhöht und sich damit mehr Spielraum bei geldpolitischen Entscheidungen verschafft. Wir erläutern, was das bedeutet.

Warum hat die EZB ihre Strategie überhaupt überprüft?

Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatte dies schon kurz nach ihrer Amtseinführung im Herbst 2019 angestoßen. Der Hauptgrund: Die Modelle der EZB beruhten darauf, dass die Höhe der Preissteigerung und das Zinsniveau unmittelbar miteinander verknüpft sind. Demnach müssten niedrige Zinsen die Inflation beschleunigen. Seit 2013 ist aber zu erkennen, dass dieser Mechanismus nicht mehr funktioniert.

Obwohl die Leitzinsen auf null herabgesetzt wurden und damit das gesamte Zinsniveau massiv gesunken ist, zog die Teuerung über Jahre nicht an. Zeitweise waren sogar deflationäre Tendenzen zu erkennen, also Preissenkungen. Die Gründe dafür sind noch nicht endgültig geklärt.

Wie war das bisherige Ziel der Notenbank definiert?

Bislang galt ein relativ starres Regime: Ziel der EZB war, eine Inflation „unter, aber nahe zwei Prozent“ zu erreichen. Das führte einerseits zu der gegenwärtigen extrem lockeren Geldpolitik. Andererseits entstand daraus der Zwang einzuschreiten, wenn die Marke von zwei Prozent in der Eurozone überschritten wird. Was mutmaßlich im Juni der Fall sein wird. Die geldpolitischen Zügel hätten also angezogen werden müssen, was Lagarde vermeiden wollte.

Woran orientiert sich die EZB nun?

Die neue Vorgabe lautet: mittelfristig zwei Prozent Inflation. Wobei das Ziel als „symmetrisch“ bezeichnet wird. Es bleibt bei dem Bestreben, die zwei Prozent Inflation zu erreichen. Abweichungen in beide Richtungen will die Notenbank aber tolerieren. Liegt die Inflation zu niedrig, muss es nicht sofort Lockerungen in der Geldpolitik geben. Die EZB betont aber ausdrücklich, dass auch Werte, die moderat oberhalb des Ziels liegen, in einer Übergangszeit akzeptiert werden können.

Gibt es weitere Änderungen?

Die Währungshüter:innen empfehlen, die Berechnung der Inflation zu modifizieren: Künftig sollen auch selbst genutzte Wohnimmobilien einbezogen werden. Das ist umstritten. Denn nur beim Kauf eine Immobilie macht sich der Preis bemerkbar. Wer eine Wohnung oder ein Haus schon lange besitzt, „spürt“ Veränderungen des Werts nicht. Und bei der Inflation soll es um Verbraucherpreise, nicht um den Wert von Vermögensgegenständen gehen. Die Statistikbehörde Eurostat muss entscheiden, wie künftig mit Immobilien umgegangen wird.

Zudem lässt Lagarde prüfen, wie die Notenbank mehr umweltfreundliche Unternehmensanleihen kaufen kann, um den Klimaschutz zu fördern. Allerdings bleibe der „detaillierte Fahrplan für klimawandelbezogene Maßnahmen“ ziemlich schwammig, so die Bürgerbewegung Finanzwende.

Was ist konkret für die nächsten Monate zu erwarten?

Viele Fachleute rechnen damit, dass die Inflation in der Eurozone über mehrere Monate deutlich über der Zweiprozentmarke liegen wird. Zugleich sieht es danach aus, dass die EZB an ihrer ultralockeren Geldpolitik festhält, was nicht nur Leitzinsen am Nullpunkt bedeutet, sondern auch das Aufkaufen von Anleihen in großem Stil, wodurch Geld in gigantischer Menge in die Volkswirtschaften gepumpt wird. Zudem müssen Banken Negativzinsen zahlen, wenn sie Geld kurzfristig bei der EZB parken.

Was bedeutet das für die Verbraucherinnen und Verbraucher?

Wer Geld auf konventionelle Weise sparen will, muss weiter akzeptieren, dass es kaum Guthabenzinsen geben wird. Und gleichzeitig müssen Verbraucher:innen wegen der hohen Inflation eine stärkere Entwertung des Geldes, das auf ihren Girokonten liegt, hinnehmen. Wer hingegen eine Immobilie kaufen will, der kann sich weiterhin über niedrige Zinsen freuen.

Was folgt für die Unternehmen?

Die niedrigen Zinsen sind primär dazu gedacht, dass Unternehmen sich billiges Geld für Investitionen leihen – das soll die Wirtschaft ankurbeln. Banken beklagen sich schon seit geraumer Zeit über die niedrigen Zinsen. Die Spanne zwischen Guthaben- und Kreditzinsen ist zusammengeschrumpft, deshalb verdienen Banken, die vor allem vom Kreditgeschäft leben, weniger. Daran dürfte sich auf absehbare Zeit wenig ändern.

Leitartikel Seite 13

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