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Lebensmittelknappheit

Nordkorea: Hungersnot verschlimmert sich - und Kim Jong-un geht das Geld aus

  • VonFelix Lill
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Nordkorea leidet unter einer Versorgungs- und Währungskrise. Selbst Staatschef Kim Jong-un wird kleinlaut.

Seit einem Dreivierteljahr erleben die Menschen in Nordkorea einen neuen Regierungschef. Kim Jong-un, einst nur als starker Typ zu sehen, zeigt sich von seiner schwachen Seite. Im vergangenen Oktober sagte er in einer Rede zum 75-jährigen Staatsjubiläum unter Tränen: „Unser Volk hat Vertrauen auf mich gesetzt, so hoch wie der Himmel und so tief wie die See, aber ich bin dabei gescheitert, die Erwartungen zu erfüllen.“ Anfang dieses Jahres kritisierte der 37-jährige Kim dann die eigenen Fünf-Jahrespläne. In „fast allen Sektoren“ sei Nordkorea „extrem deutlich“ hinter den zuvor gesteckten Entwicklungszielen zurückgeblieben.

Dieser Tage dürften sich viele im Land an solche Worte erinnern. Denn im abgeschotteten Land sind die beschriebenen Probleme offenbar gerade bitter zu spüren. Mitte Juni ließ Kim Jong-un durchblicken, dass Nordkorea akut unter Nahrungsmittelmangel leidet. Verantwortlich hierfür seien Ernteausfälle durch starke Stürme sowie Überschwemmungen. Die schwierige Lage durch die Pandemie habe die Situation verschlimmert. Schon im März hatte der UN-Sonderberichterstatter für die Menschenrechtslage in Nordkorea vor einer Krise gewarnt, einen Monat später hatte auch Kim Jong-un „harte Zeiten“ angekündigt.

Nordkorea: Kim Jong-un kündigt Maßnahmen gegen Hungersnot an

Zwar hat der Regierungschef des Einparteienstaates Maßnahmen angekündigt, um die Probleme einzudämmen. Dabei ließ er aber offen, wie diese aussehen. Ebenso unklar ist bisher, wie stark der Nahrungsmittelmangel derzeit ist. Nach offiziellen Angaben betragen die Ernteausfälle 15 bis 20 Prozent. Die meisten Vertreter ausländischer Hilfsorganisationen, die eine unabhängige Einschätzung geben könnten, haben das Land inmitten der strikten Regeln gegen die Corona-Pandemie vorübergehend verlassen.

Offiziell zählt Nordkorea bis heute keinen einzigen Infektionsfall in der Pandemie. Mit dem Argument des Infektionsrisikos lehnt Nordkorea bis heute auch die meisten Hilfslieferungen aus dem Ausland ab. Seit Anfang letzten Jahres, als die Pandemie von China ausgehend ihre Kreise zog, schloss das benachbarte Nordkorea seine Grenze zu Russland und eben China. So wurden die wichtigsten Verbindungen gekappt, über die Nordkorea trotz der UN-Sanktionen wegen Menschenrechtsverletzungen noch an Güterlieferungen kommen konnte.

Nordkorea: Kim Jong-un gehen die Devisen aus

Dies macht sich mittlerweile bemerkbar. Denn Nordkorea fungiert auch als günstige Werkbank für produzierende Unternehmen aus den nördlichen Nachbarländern. Durch strikt geschlossene Grenzen fehlt es also nicht nur an diversen Produkten, sondern auch an Geldflüssen. Dies führt zu verstärkter Währungsinstabilität im Land. Das betrifft neben dem nordkoreanischen Won auch die inoffiziellen Währungen, den US-Dollar und den chinesische Yuan.

Feldarbeit gegen die Lebensmittelknappheit im nordkoreanischen Bezirk Uiju.

Die Analyseplattform „38 North“ berichtet von besonders starker Inflation für Reis und Mais. Seit Anfang des Monats sind die Preise demnach um 67 und rund 100 Prozent gestiegen. Auch Treibstoffe wie Benzin und Diesel seien deutlich teurer geworden. Eine Flasche Shampoo soll derzeit sogar um die 200 Dollar kosten, ein Kilo Bananen 45 Dollar. Verantwortlich für die derzeitigen Preissprünge und Währungsfluktuationen könnten laut der südkoreanischen Plattform „Daily NK“ auch Spekulationen nordkoreanischer Händler gewesen sein, die davon ausgegangen waren, dass die Grenzen bald geöffnet würden und sich deshalb mit Dollars eingedeckt hätten. Ein Versuch des Gegensteuerns durch die Regierung führe nun zu einem Auf und Ab der Kurse.

Hungersnot in Nordkorea: Kim Jong-un will keine Hilfe aus dem Ausland

Das passt zu einem Bericht der UN-Agrarorganisation FAO, wonach die Erntebedingungen in diesem Jahr nicht schlecht, sondern „günstig“ sind. Sofern es nicht zu Hilfsleistungen aus dem Ausland komme, rechnet die FAO mit Lebensmittelengpässen in Höhe 860 000 Tonnen, was der Versorgung für zwei Monate entspreche.

LandNordkorea
Bevölkerung25,67 Millionen (laut Weltbank)
HauptstadtPjöngjang
StaatschefKim Jong-un
WährungNordkoreanischer Won

Sich für Hilfe aus dem Ausland zu öffnen wäre wiederum für den Regierungschef Kim Jong-un ein schlechtes Signal. Die Staatsphilosophie „Juche“, was so viel wie Subjekt oder Autarkie bedeutet, erklärt die Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zu Stützpfeilern des nordkoreanischen Staates und deren Anführer als Garanten hierfür. Und mit dieser Ideologie meint man es durchaus ernst. Laut dem Historiker Leonid Petrov von der Australian National University in Canberra habe „Juche“ den Status einer Staatsreligion. Denn andere Glaubensrichtungen würden im Land weder geduldet noch erwähnt, die Regenten der Kim-Dynastie aber verehrt.

Außer in Regierungskreisen scheinen viele Menschen kaum noch dran zu glauben. Laut Schätzungen der UN lag die Reproduktionsrate zwischen 2015 und 2020 bei 1,9 Kindern pro Frau, was über dem benachbarten Südkorea und auch Deutschland liegt, aber unter der Zahl, bei der die Bevölkerung konstant bliebe. Der Sender Radio Free Asia aus den USA berichtet mit Bezugnahme auf Quellen aus dem Land, dass inmitten der Versorgungskrise immer mehr Frauen zögern, Kinder zu bekommen – ein Zeichen der Sorge, diese nicht ernähren zu können.

Rubriklistenbild: © imago images/Kyodo News

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