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Die Bahnhofsbaustelle.
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Die Bahnhofsbaustelle.

Stuttgart 21

Noch später und teurer

  • Thorsten Knuf
    VonThorsten Knuf
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Stuttgart 21 soll nun 8,2 Milliarden Euro kosten. Außerdem wird das umstrittene Bahnprojekt wohl doch erst 2025 fertig.

Das umstrittene Bahnprojekt Stuttgart 21 wird noch teurer als bisher veranschlagt. Außerdem ziehen sich die Bauarbeiten länger hin. Der Aufsichtsrat der Deutschen Bahn billigte am Freitag einen Vorschlag des Konzernvorstands, den Finanzrahmen für das gesamte Vorhaben auf 8,2 Milliarden Euro zu erhöhen. Darin enthalten ist ein Kostenpuffer für „unvorhergesehene Ereignisse“ von knapp einer halbe Milliarde Euro, wie das bundeseigene Unternehmen in Berlin mitteilte. Mit einer Inbetriebnahme des neuen unterirdischen Durchgangsbahnhofs in Stuttgart sei jetzt erst im Jahr 2025 zu rechnen.

Ursprünglich sollte der neue Hauptbahnhof mitsamt den dazugehörigen Strecken bereits 2021 ans Netz gehen. Die erste Kostenplanung sah Ausgaben von 4,5 Milliarden Euro vor. Diese Werte mussten im Laufe der Zeit aber mehrfach nach oben korrigiert werden. Zuletzt war die Bahn davon ausgegangen, dass das Projekt 6,5 Milliarden Euro kosten wird. Vor wenigen Monaten hatte es noch geheißen, dass der Bahnhof voraussichtlich erst 2024 ans Netz gehen könne.

Bahn verweist auf Steigerung der allgemeinen Baupreise

Zur Begründung für die Kostenexplosion verwies die Bahn am Freitag auf die „erhebliche“ Steigerung der allgemeinen Baupreise. Hinzu komme, dass beim Bau selbst auf aufwendigere Verfahren zurückgegriffen werden müsse. Auch umfangreiche Genehmigungsverfahren, unter anderem infolge des Artenschutzes, trügen zu den Kostensteigerungen bei. Das Gleiche gelte für die verspätete Inbetriebnahme.

Teurer wird jetzt auch die Neubaustrecke Wendlingen-Ulm, die Teil des Stuttgarter Bahnhofsprojekts ist. Sie soll nun 3,7 Milliarden Euro kosten, bisher war die Bahn von rund 3,3 Milliarden ausgegangen. Die Fertigstellung verschiebe sich um ein Jahr auf 2022, teilte das Unternehmen mit.

Nach Auffassung des Fahrgastverbandes Pro Bahn kommen die Kostensteigerungen bei Stuttgart 21 alles andere als überraschend. „Da wundert einen nichts“, sagte der Ehrenvorsitzende Karl-Peter Naumann der Frankfurter Rundschau. Wie üblich bei umstrittenen Großprojekten sei von Seiten der Bahn und der Politik von Anfang an nicht mit ehrlichen Zahlen gearbeitet worden.

Die ursprünglich kalkulierten Ausgaben von 4,5 Milliarden Euro seien ein „politischer Preis“ gewesen. Der Nutzen des gesamten Projekts für den Verkehr sei nach wie vor fraglich. „Die Mehrkosten gehen zu Lasten der Verkehrsetats, nicht der Stadt Stuttgart“, vermutete Naumann. Wahrscheinlich müsse der Bund den größten Teil tragen. Angesichts der fortgeschrittenen Bauarbeiten sei es aber keine Option mehr, das Projekt ganz zu stoppen.

Wer für die Mehrkosten am Ende aufkommen wird, steht noch nicht fest. Die Deutsche Bahn betonte am Freitag, dass andere Bauprojekte des Konzerns nicht in Mitleidenschaft gezogen würden. „Etwaige von der DB zusätzlich zu tragende Kosten haben keine negativen Auswirkungen auf andere Investitionsvorhaben“, hieß es in einer Mitteilung.

Die Beschlüsse der Bahn fußen auf einem externen Gutachten der Beratungsfirmen PwC und Emch+Berger. Offenbar wurde jetzt auch diskutiert, das gesamte Bahnhofsprojekt zu beenden. In der Mitteilung der Bahn hieß es nach der Aufsichtsratssitzung: „Der Vorstand hat – bestätigt durch die Gutachter – glaubhaft dargelegt, dass die Fortführung des Projekts Stuttgart 21 wirtschaftlicher ist als ein Abbruch.“

Das gesamte Projekt soll den Bahnknoten Stuttgart ertüchtigen. Bislang ist der Stuttgarter Hauptbahnhof ein Sackbahnhof, künftig werden Tunnelröhren einen Durchgangsverkehr ermöglichen. Damit verbunden sind diverse Aus- und Neubauten von Bahnstrecken im Großraum Stuttgart sowie die genannte Verbindung nach Ulm. Durch die Tieferlegung des Bahnhofs werden auch große Flächen in der Stuttgarter Innenstadt frei.

Die erste Finanzierungsvereinbarung für Stuttgart 21 datiert von 2009, die Bauarbeiten begannen Anfang 2010. Danach kam es zu massiven Protesten der Bevölkerung. Ende 2011 fand auf Initiative der damaligen rot-grünen Landesregierung eine Volksabstimmung über das Projekt statt. Dabei sprachen sich knapp 60 Prozent der Abstimmenden dafür aus, dass das Land Baden-Württemberg als Financier an Bord bleiben soll.

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