Rossmann Drogeriemarkt.

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Und noch ein Rossmann

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Die Drogeriekette Rossmann eröffnet weitere Läden. Die Branche boomt, jedoch zum Schaden kleiner Drogerien. 

Wer glaubt, nun gebe es wohl genug Möglichkeiten, Kosmetikartikel, Klopapier und Putzmittel zu kaufen, der irrt sich. Der Drogerie-Riese Rossmann will dieses Jahr im In- und Ausland 200 neue Filialen eröffnen. Allerdings würden auch einige Geschäfte geschlossen, so dass netto 160 zusätzliche Läden übrig blieben, sagte Geschäftsführer Peter Dreher am Donnerstag in Burgwedel. In Deutschland sollten 90 Millionen Euro in 110 neue Märkte fließen. Insgesamt werden bundesweit 140 Millionen Euro investiert.

Im vergangenen Jahr konnten die Deutschen in mehr als 4500 Drogeriemärkten einkaufen. Mit mehr als 2000 Filialen liegt Rossmann vor dem Konkurrenten und Marktführer nach Umsatz DM mit rund 1950. Auf Platz drei folgt Müller mit nur knapp 550 Geschäften. Marketing- und Handelsexperte Martin Fassnacht von der WHU in Düsseldorf ist erstaunt, dass immer noch so viele Drogerie-Läden eröffnen. Er glaubt aber, dass sie dabei bald an eine Grenze stoßen werden.

Junge Menschen verbringen viel Zeit im Rossmann und DM

Dass Rossmann und vor allem DM so erfolgreich sind, wundert Fassnacht nicht. „Die Geschäfte haben Wohlfühlatmosphäre, da geht man gerne rein.“ Vor allem junge Menschen verbrächten dort viel Zeit. Die Unternehmen seien zudem sehr nah am Verbraucher. Die Drogerien bieten vegane Produkte, Superfood und starke preiswerte Eigenmarken an. Bei einer Befragung nach den beliebtesten Einzelhändlern der Unternehmensberatung OC&C im Jahr 2018 landete DM auf Platz eins und auch Rossmann und Müller unter den ersten zehn.

Nicht zu vergessen, lassen sich mit der Schönheit gute Geschäfte machen, die Kosmetikbranche boomt. Das betrifft nicht nur junge Frauen, auch Männer und ältere Kundinnen sind bereit, mehr Geld auszugeben. „Alle Generationen wollen gut und gepflegt aussehen“, sagt Fassnacht.

Um mehr Auswahl anzubieten und sich möglichst kundenfreundlich zu präsentieren, werden die Läden der Ketten zudem immer größer. Neueröffnungen seien fast durchweg um 700 Quadratmeter groß, sagte Rossmann-Chef Dirk Roßmann am Donnerstag.

Dass immer mehr Menschen im Internet bestellen, beunruhigt ihn nicht. Das Drogeriegeschäft sei davon kaum berührt. Der „ängstliche Blick“ auf den Handelsriesen Amazon beschäftige Rossmann ebenfalls nicht, betonte das Unternehmen. Allerdings werde das Geschäft im Netz wachsen. „Der Drogeriebereich wird online stark zunehmen“, ist sich Fassnacht sicher.

Kleine Parfümerien und Drogerien können mit den Giganten nicht mithalten. Inhabergeführte Geschäfte haben es im Einzelhandel nicht leicht, sagt Michael Bastian vom Verband der Drogisten. Sie könnten aber mit zusätzlichen Dienstleistungen wie Kosmetikbehandlungen oder Fußpflege punkten. „Um zu bestehen, müssen sie ihr Sortiment am Standort auf die Kundschaft zuschneiden.“

Rossmann peilt im laufenden Jahr einen Umsatz von 9,9 Milliarden Euro an – nach 9,5 Milliarden Euro 2018. Detaillierte Angaben zum Ergebnis macht das Familienunternehmen traditionell nicht, Dirk Roßmann erklärte aber, unter dem Strich stünden „gut über 200 Millionen Euro“.

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