Girokonten

Nur noch bedingt kostenlos

  • vonTheresa Dräbing
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Immer mehr Direktbanken schränken den Zugang zu gebührenfreien Girokonten ein - dahinter steckt eine paradoxe Strategie: Die Institute wollen die Kunden enger an sich binden

Reine Onlinebanken konnten lange damit punkten, Girokonten komplett kostenlos anzubieten. Im Gegensatz zu Filialbanken unterhalten Direktbanken keine Niederlassungen vor Ort, bieten häufig keine persönliche Beratung an und haben auch nur wenige eigene Geldautomaten. Sie sparen sich diese zusätzlichen Kosten. Während Deutsche Bank, Sparkassen oder Postbank schon lange ein Kontoführungsentgelt von Giro-Kunden verlangen, war dies bei Direktbanken lange ausgeschlossen.

Doch das ist jetzt vorbei. Mittlerweile gibt es erste Institute unter den Direktbanken, die Gebühren einführen. Paradoxerweise gerade deshalb, um Kunden enger an sich zu binden.

So will die ING, vormals ING Diba, von Mai an von Kunden, die älter als 27 Jahre sind und keinen monatlichen Geldeingang von mindestens 700 Euro vorweisen können, eine Gebühr von 4,90 Euro monatlich verlangen. Auch die Fidorbank, ebenfalls eine Direktbank, hat die Gebührenschraube angesetzt. Das Kontoführungsentgelt beträgt jetzt fünf Euro monatlich, es sei denn, der Kunde tätigt in diesem Zeitraum mindestens zehn Transaktionen. Anfang des Jahres hat außerdem die Netbank eine monatliche Kontoführungsgebühr von 4,85 Euro eingeführt – und zwar für alle Kunden.

Doch mit Gebühren unterschiedslos für alle Kunden bleibt die Netbank unter den Direktbanken die Ausnahme. Hinter den neuen Richtlinien von ING und Fidorbank steht eine andere Strategie. Nämlich die, Kunden komplett an sich zu binden.

„Ein Teil der Kunden von Direktbanken nutzt die Girokonten dort nur, um von der kostenlosen Bargeldversorgung zu profitieren, das eigentliche Gehaltskonto haben sie aber bei anderen Banken“, sagt Horst Biallo, Betreiber des gleichnamigen Portals, das unter anderem Girokonto-Vergleiche vornimmt. „Das wollen die Banken ändern, sie wollen selbst erster Ansprechpartner für die Kunden sein.“

Das bestätigt auch die ING. Bei der jüngsten Bilanzpressekonferenz sagte der Vorstandsvorsitzende der ING Deutschland, Nick Jue, dass man vermehrt zum Ansprechpartner in sämtlichen Finanzfragen werden wolle. Die Anzahl der Hausbank-Kunden soll steigen. Unter denen, die von der neuen Gebühren-Richtlinie betroffen sind – immerhin ein Viertel aller Girokonto-Besitzer bei der ING – werden zum Großteil Zweitkonto-Kunden sein. „Selbst der Sozialhilfesatz liegt über 700 Euro, die neue Richtlinie wird also weniger ärmere Menschen treffen als tatsächlich Kunden mit Zweitkonto bei der ING“, so Biallo.

Vergleichen

Die Bundesregierungist verpflichtet, eine kostenlose und objektive Vergleichswebseite für Girokonten zu schaffen, um Verbrauchern einen Durchblick im Gebührendschungel zu ermöglichen. Eine solche Vorschrift ist mit einer EU-Richtlinie bereits am 31. Oktober 2018 in Kraft getreten.

Das Zulassungsverfahrenist allerdings noch nicht abgeschlossen. Erst im Dezember 2019 hat mit dem TÜV Saarland die erste Prüforganisation das Akkreditierungsverfahren erfolgreich durchlaufen. Doch Portalbetreiber, die einen Girokonto-Vergleich stellen könnten, sind noch nicht gefunden. thd

Mit Kunden, die ihr Konto nur als Zweitkonto nutzen, verdienen Banken kein Geld. Sondern nur dann, wenn das Konto rege genutzt wird. Denn immer wenn mit der Karte im Handel bezahlt wird, geht ein kleiner Prozentsatz des Zahlbetrags an die Bank. „Dann verdienen Direktbanken auch bei kostenfreien Girokonten im Hintergrund mit“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Solche Beträge fallen natürlich viel öfter an, wenn die EC-Karte regelmäßig eingesetzt wird. Und nicht, wenn nur Geld abgehoben wird. Im Gegenteil: Bei jedem Abheben wird der Bank Geld berechnet. Bei Benutzung einer Visa-Karte sind das jedes Mal 1,70 Euro.

„Eine Strategie, diese Kosten zu senken, gab es bei der ING schon vor einer Weile“, sagt Biallo. Seit Juli 2018 müssen am Automaten mindestens 50 Euro gezogen werden. So will das Unternehmen kleinere, dafür häufigere Abhebungen vermeiden. Und die Richtlinie der Fidorbank, mindestens zehn Transaktionen im Monat tätigen zu müssen, um vom Entgelt verschont zu bleiben, geht in die gleiche Richtung.

Eine weitere und zudem größere Einnahmenquelle sind andere Bankprodukte wie Ratenkredite, Wertpapiere oder Versicherungen. Und auch die schließen Kunden vorwiegend mit ihren Hausbanken ab.

Direktbanken wollen sich das Geschäft aber nicht nehmen lassen. Die Frage bleibt trotzdem, ob das Girokonto für Hausbank-Kunden kostenlos bleibt. Schließlich gibt es mit der Netbank bereits ein Online-Institut, das durchweg Gebühren verlangt.

„Bei einem Geldeingang von 700 Euro bleibt das Girokonto kostenlos“, sagt ein Sprecher der ING. In die Zukunft könne man aber nicht schauen, sagt er auch. Auch die große Direktbank DKB lässt sich auf Nachfrage zu keiner anderen Formulierung hinreißen, als dass es weiterhin ein kostenfreies Girokonto gibt. Ein Versprechen für die Zukunft wird allerdings nicht gegeben.

Nach einer Erhebung des Portals Biallo von Anfang Februar gibt es in Deutschland derzeit noch 45 Banken und Fintechs, die ein kostenloses Girokonto bieten. Wobei bei der Auswertung auch solche Banken gezählt wurden, die wie ING und Fidorbank nur mit Nebenbedingungen kostenfrei sind. Die größte Gruppe von Gratis-Anbietern sind demnach Smartphone-Banken oder auch die Bankengruppe PSD.

Ob bald noch mehr Institute Gebühren erheben, hänge allein von der Geschäftspolitik der Institute ab, sagt Verbraucherschützer Nauhauser. Die Bankenlobby verbreite das Narrativ, dass sich die Geldhäuser wegen der allgemeinen Geldpolitik und der niedrigen Zinsen gezwungen sähen, neue Entgelte einzuführen, sagt er. „Das überzeugt nicht. Genauso gut könnten sie auch Kosten senken, etwa die Vorstandsbezüge. Mit dem Narrativ wollen sie Akzeptanz für Preissteigerungen erzeugen, um ihre Gewinne zu maximieren.“

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