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Der Nachtzug (Nightjet) der ÖBB fährt auch in Deutschland.

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Comeback des Nachtzugs: Im Schlaf durch Europa

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Eine Reise im Nachtzug ist ein Erlebnis. Und sie schont das Klima. Die Österreichischen Bundesbahnen setzen mit dem Nightjet voll auf den Markt. Kommt es zu einer Renaissance?

Karl-Peter Naumann ist Fan der Bahn – wie sollte es anders sein bei Deutschlands oberstem Fahrgastvertreter. Als Vorsitzender von Pro Bahn beobachtet er auch die heftiger werdende Klimadebatte. „Das ist Wasser auf unsere Mühlen“, sagt Naumann, der sich seit Jahrzehnten für eine Stärkung des hiesigen Schienenverkehrs einsetzt.

Und dafür, dass wieder mehr Fahrgäste die Bahn nehmen, was sich bei Deutschlands Nachbarn bereits abzeichnet. So vermeldeten die schwedischen Eisenbahnen jüngst, dass sich mehr Fahrgäste wegen Flugscham – also der Scham für die Klimafolgen des Fliegens – für den Zug entscheiden würden. Doch wird das zum Trend?

Mit dem Nachtzug (Nightjet) bequem reisen

Von Frankfurt nach Mailand oder Marseille zu fahren, dauert mit dem Zug sieben bis acht Stunden und kann sogar ein Vergnügen sein. Schließlich führen die Strecken durch eindrucksvolle Landschaften und entlang bezaubernder Seen. Liegt das Ziel noch weiter entfernt, wird die Fahrt mit dem Zug für den Passagier aber unerquicklich. Wer aus Berlin in den Urlaub nach Norditalien will, braucht mit dem Flugzeug knapp zwei Stunden – mit dem Zug sind es bis zu 17. Für das Sitzfleisch eine Zumutung.

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Es sei denn, es gibt Liegeplätze und richtige Betten, die ein bequemes Reisen ermöglichen. So wie in den Nightjet genannten Nachtzügen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die in Deutschland, Österreich, Italien und der Schweiz unterwegs sind.

In Deutschland fährt der Nachtzug (Nightjet) vor allem gen Süden

Das Klima schont das jedenfalls: Weil sie zu 100 Prozent mit „grünem“ Strom fahren, produziere der Fahrgast im Nightjet nur ein Bruchteil des klimaschädlichen CO2, das bei einem Flug entstehen würde, betont ÖBB-Sprecher Bernhard Rieder.

„Die ÖBB sind überzeugt, dass Nachtzüge Zukunft haben, daher haben wir im Sommer 2018 13 neue Nightjet-Züge bestellt“, sagt Rieder. Auf Interesse könnte das auch in der Schweiz stoßen. Dort deuten Umfragen des Schweizer Verkehrsclubs (SVC) auf ein wachsendes Interesse der Kunden an Nachtzügen hin. Prompt kündigten die Schweizer Bahnen an, nun eine vertiefte Kooperation mit den österreichischen Nightjets zu prüfen.

Mit dem Nachtzug oder Nightjet von Berlin bis Wien, von München nach Rom

In Deutschland fahren die Nightjets vor allem gen Süden und verbinden unter anderem Berlin mit der österreichischen Hauptstadt Wien und München mit Rom. Zudem gibt es Partnerschaften mit osteuropäischen Anbietern, die von München aus unter anderem Zagreb und Budapest ansteuern.

Fahrgastvertreter Naumann ringt das Engagement der ÖBB mittlerweile einigen Respekt ab. „Die sind dabei, sich als europäischer Nachtzuganbieter zu etablieren“, glaubt der Pro-Bahn-Vorsitzende. Wichtig ist aus seiner Sicht, die Nachtzugfahrten komfortabler zu machen. Den ÖBB attestiert er dabei viel Geschick. „Die bieten alle möglichen Komfortklassen in unterschiedlichen Preisstufen“, lobt Naumann das Angebot. In den neuen Nightjets gebe es Angebote vom klassischen Sitzplatz über das Vierer-Schlafabteil bis hin zur teuren Single-Suite mit Bad.

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Die Deutsche Bahn hat hingegen das klassische Nachtzugangebot 2016 eingestellt, weil es nicht rentabel war. Nun gibt es zwar ein Netz aus nachts verkehrenden ICs und ICEs – Liegeplätze haben diese allerdings nicht. „Wir haben dabei die wachsende Gruppe der Nachtzugkunden im Auge, denen eine Liegemöglichkeit weniger wichtig ist“, erklärt eine Sprecherin der Bahn das Kalkül.

Österreichischer Nachtzug: Komplizierte Buchungen und eigene Fahrscheine

Zugleich versicherte sie aber, dass die Deutsche Bahn die österreichischen Nachtzüge in vielerlei Hinsicht unterstütze. Die Nightjets seien über die DB-Homepage buchbar, auch stelle die Bahn Lokführer bereit und organisiere die Nutzung von Trassen und Bahnhöfen durch die ÖBB.

Fahrgastvertreter Naumann hat mit dieser Arbeitsteilung kein Problem: „Nachtverkehr ist schon ein ganz spezielles Fahren. Wenn die Österreicher das gut können, sollen sie es machen.“ Wichtig sei allerdings, dass die Nightjets in das Tarifsystem der DB aufgenommen würden. Bislang seien eigene Fahrscheine und etwas komplizierte Buchungen nötig.

Problematischer sind aus seiner Sicht aber die Hürden, die andere Länder dem Nachtzugangebot in den Weg legen. Aufgrund unterschiedlicher Stromsysteme könne in Europa längst nicht jede Lokomotive in jedem Land einen Nachtzug ziehen. „In Westeuropa haben einige Länder nicht einmal die Lokomotiven, um einen Nachtzug der ÖBB zu ziehen“, beklagt Naumann. „Oder sie verlangen absurd hohe Preise für die Trassennutzung“.

Der Nachtzug leidet unter der Konkurrenz der Billigflieger

Zugleich leiden die Nachtzüge unter der Konkurrenz der Billigflieger: „Der Umweltgedanke ist bei vielen noch eher theoretisch da und zeigt sich nicht ganz im Buchungsverhalten“, sagt Rieder. Während die teuersten Plätze im Schlafwagen stets schnell ausverkauft seien, merke man im günstigen Segment der Sitzwagen sofort, wenn auf einer Strecke zwischen zwei Metropolen eine Billig-Airline fliege. „Sofort gehen die Buchungen runter.“

Dabei profitiert der Flugverkehr aber auch vom geltenden Steuerrecht: Bei einer Zugfahrt fallen 19 Prozent Mehrwertsteuer an, internationale Flugreisen sind hingegen von der Mehrwertsteuer befreit – ebenso wie der Flugzeugtreibstoff Kerosin. Unter anderem die deutschen Grünen fordern deshalb höhere Abgaben auf Flugreisen.

„Da ist mehr drin“, sagt Naumann auch über das Reisen per Nachtzug. Er selbst ist davon aber schon jetzt begeistert – und zwar auch auf Businesstrips. „Da kann ich Abends noch essen gehen, um 23 Uhr in den Zug steigen und bin am nächsten Morgen ausgeruht zu Hause“, sagt der Hamburger beispielsweise über Fahrten von München aus.

Kein neues Angebot

Trotz intensiver Debatten über möglichst klimaschonendes Reisen will die Deutsche Bahn ihren Ausstieg aus dem Geschäft mit klassischen Nachtzügen von 2016 nicht revidieren. „Ein eigenes Angebot mit klassischen Schlaf- und Liegewagen ist aktuell nicht geplant“, sagte eine Bahn-Sprecherin vor zwei Wochen in Berlin. 

Anders ist es in den deutschsprachigen Nachbarländern. Die Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), die mit ihren Nightjets klassische Nachtzüge auch auf deutschen Strecken anbieten, haben bereits 13 neue Züge mit Schlaf- und Liegewagen bestellt. Die Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) prüfen nach dem Ausstieg 2009 eine Rückkehr zum klassischen Nachtzuggeschäft. Alle Bahnen erkennen in Kundenbefragungen ein wachsendes Umweltbewusstsein der Kunden und steigende Passagierzahlen. 

Die Deutsche Bahn will nachts das Angebot der ICE- und Intercity-Züge mit Sitzwagen aber ausbauen. „Nachtzüge sind ein Nischengeschäft, das nur von einem Prozent unserer Kunden genutzt wird“, sagte die Sprecherin des Staatskonzerns. „Um es rentabel betreiben zu können, wären große Investitionen in neue Züge vonnöten. Da unsere Mittel begrenzt sind, stecken wir das Geld lieber in neue Fernverkehrszüge im Tagesbetrieb. Davon haben dann 99 Prozent unserer Fahrgäste etwas.“ 

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