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Nigerias Präsident Muhammadu Buhari will die Einfuhr von Lebensmitteln ein für allemal beenden.

Präsident Muhammadu Buhari

Nigeria will Einfuhrstopp für Lebensmittel - während Millionen Kinder unterernährt sind

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Nigerias Präsident Muhammadu Buhari will die Einfuhr von Lebensmitteln stoppen. Das ist kurzsichtig und fahrlässig - und erinnert an Trumps Wirtschaftsstrategie. Die Analyse.

Endlich mal einer, der zeigt, wie es geht. Könnte man denken. Nigerias Präsident Muhammadu Buhari will die Einfuhr von Lebensmitteln ein für allemal beenden. Die Zentralbank des Landes – nach Südafrika die zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents – wies Buhari jetzt an, keine Nahrungsmittel-Importe mehr zu finanzieren. Kein Cent solle künftig für Produkte aus dem Ausland ausgegeben werden, sagte Buhari laut einem Bericht der nigerianischen Zeitung „Business Day“.

Gibt Buhari mit solch markigen Ankündigungen zur nationalen Handelspolitik nur mal affektiv den Trump Afrikas? Oder steckt dahinter eine langfristige, kluge Entwicklungsstrategie?

Zunächst: Auch in der Vergangenheit schon haben nigerianische Regierungen den eigenen Markt für einzelne Produkte dichtgemacht. Im Jahr 2000 etwa für Hühnerfleisch. Erlassen wurde der Importstopp vom damaligen Präsidenten Olusegun Obasanjo - nebenbei selbst einer der größten Geflügelzüchter Westafrikas. Auch seine Nachfolger bestätigten das Einfuhrverbot.

Nigeria ist das größte Armenhaus der Welt

Eine solche Politik auf alle Nahrungsmittel auszudehnen - das muss man sich leisten können. Nigeria ist zwar reich an Öl und Afrikas größter Exporteur des Schmierstoffs. Doch in absoluten Zahlen ist das westafrikanische Land mit fast 200 Millionen Einwohnern auch das größte Armenhaus der Welt. Laut World Poverty Clock müssen fast 90 Millionen Menschen mit weniger als 1,90 Dollar pro Tag auskommen. Der Welthunger-Index stuft die Lage in Nigeria in die Kategorie „ernst“ ein. Mehr als zwei Millionen Kinder sind laut Unicef akut unterernährt.

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Wer den Hunger der eigenen Bevölkerung nicht aus eigener Kraft stillen kann, handelt fahrlässig und unverantwortlich, die Grenzen für Lebensmittel im Hauruck-Verfahren zu schließen. Klug und weitsichtig wäre es hingegen, langfristig massiv in die heimische Landwirtschaft zu investieren, Kleinbauern zu fördern, den Anbau zu diversifizieren und die Erträge mittels agrarökologischer Methoden nachhaltig zu steigern. Flankiert werden müsste das durch eine entschlossene Einfuhrpolitik, die Billig-Importe verteuert und heimische Produkte damit konkurrenzfähig macht.

Nigeria könnte Zölle von bis zu 150 Prozent auf Nahrungsmittel erheben

Möglich wäre das auch nach den Regeln der Welthandelsorganisation, deren Mitglied Nigeria ist. Auf Nahrungsmittel-Importe könnte das Land Zölle bis zu einer Höhe von 150 Prozent erheben, wie Francisco Marí, Agrarhandels-Experte von Brot für die Welt, erläutert. Sogar saisonale Zölle sind erlaubt. Wenn also heimische Produkte auf dem Markt sind, könnten Importe für die Zeit, in der die eigenen Hersteller genug liefern, flexibel mit Aufschlägen belegt werden.

Das ist allemal erfolgversprechender als eine rigide und planlose Abschottung. Nigeria könnte da sogar aus eigener Erfahrung lernen. 2015 verbot das Land die Einfuhr von Reis. Die Folge: Weil die heimischen Bauern den Bedarf nicht decken konnten, gingen die Preise in die Höhe und der Schmuggel blühte. 2017 musste die Regierung die Import-Restriktion wieder lockern.

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Buhari wäre also gut beraten, ein Programm aufzusetzen, das einzelne Sektoren der Landwirtschaft gezielt fördert und gleichzeitig daran angepasst die Einfuhren stufenweise zurückfährt. Wenn dann noch in die Weiterverarbeitung von exportfähigen Agrarprodukten investiert wird, könnte das Nigeria in ein Zukunft führen, in der nicht mehr alles am Öl hängt.

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