Umwelt

Nichts tun hat seinen Preis

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Die Folgekosten, die durch Luftschadstoffe entstehen, sind gigantisch. Mehr Umweltschutz würde der Gesellschaft Milliarden ersparen.

Preise sollten die ökologische Wahrheit sagen. Diese Forderung, vor vielen Jahren so eingängig vom Umweltforscher Ernst Ulrich von Weizsäcker formuliert, wird nicht erfüllt. Neue Berechnungen des Umweltbundesamtes (UBA) machen jetzt deutlich, wie hoch die Kosten der Schäden sind, die durch Treibhausgase, Luftschadstoffe und andere Umweltbelastungen entstehen – weil sie nicht, wie die Ökonomen sagen, im Preis internalisiert und folglich über kurz oder lang von der Gesellschaft zu tragen sind, etwa durch Krankheitskosten.

Da kommen ganz schöne Summen zusammen. Am beeindruckendsten ist diese Berechnung bei den Treibhausgasen, von denen in Deutschland pro Jahr über 900 Millionen Tonnen in die Atmosphäre gepustet werden. Der Ausstoß einer Tonne Kohlendioxid (CO2) verursacht laut UBA Schäden von rund 180 Euro. Umgerechnet auf die Gesamtfracht von CO2, Methan, Lachgas und die anderen Klimagase entspricht das Gesamtkosten von mehr als 160 Milliarden Euro – und damit fast der Hälfte des Bundeshaushalts von 2018.

Die Folgewirkungen der Umweltbelastungen sind vielfältig. Sie schädigen die Gesundheit der Bürger, wie seit Dieselgate wieder heftig diskutiert. Sie beeinträchtigen Ökosysteme und führen zu wirtschaftlichen Einbußen, etwa durch Produktionsausfälle, Ernteverluste oder Schäden an Gebäuden und Infrastruktur. Um die so entstehenden Kosten zu ermitteln, haben die UBA-Experten zum Beispiel die Aufwendungen zur Wiederherstellung beschädigter Gebäude und Infrastrukturen sowie den Marktwert von Ernteverlusten und Produktionsausfällen kalkuliert. Ebenso fließt der Betrag ein, den Menschen für die Vermeidung von Gesundheitsschäden zu bezahlen bereit wären.

Besonders interessant wird das, wenn aufgrund dieser Daten berechnet wird, welche Umweltkosten bei verschiedenen Arten der Strom- und Wärmeerzeugung oder beim Personen- und Güterverkehr entstehen. So verursacht zum Beispiel eine Kilowattstunde (kWh) Braunkohle-Strom im Schnitt Kosten von 20,81 Cent; pro Jahr erzeugt der Sektor in Deutschland damit rund 31 Milliarden Euro an Schäden. Zum Vergleich: Bei Windkraft-Strom sind es nur 0,28 Cent pro kWh. Beim Verkehr kalkuliert das UBA die Tonne Feinstaub auf Folgekosten von 59.700 Euro und die Tonne Stickoxide auf 15.000 Euro. Hochgerechnet auf die Gesamtemissionen des Verkehrs ergeben sich so Umweltschäden pro Jahr von rund 1,5 Milliarden Euro beim Feinstaub und rund 7,3 Milliarden bei den Stickoxiden.

Die Zahlen zeigen unzweideutig: Die Schäden sind auch fast fünf Jahrzehnte nach Beginn von „Umweltpolitik“, die Luft und Gewässer spürbar sauberer machte, immer noch gigantisch. UBA-Präsidentin Maria Krautzberger betonte bei der Vorstellung der Zahlen, es handle sich um „reale Schäden“, die enorme volkswirtschaftliche Kosten verursachten – „auch wenn sie sich nicht sofort als finanzielle Belastung zum Beispiel im öffentlichen Haushalt niederschlagen“. Und sie machte auch den Bezug zu den aktuellen Debatten klar: „Maßnahmen für den Umwelt- und Klimaschutz sparen uns und kommenden Generationen viele Milliarden Euro durch geringere Umwelt- und Gesundheitsschäden. Das sollten wir auch bei der Diskussion um Luftreinhaltung oder den Kohleausstieg nicht vergessen.“

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