Für die Rückabwicklung eines Kaufvertrags für einen defekten Neuwagen im Wert von 37 000 Euro werden rund 8300 Euro für Anwälte und Gericht fällig.
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Für die Rückabwicklung eines Kaufvertrags für einen defekten Neuwagen im Wert von 37 000 Euro werden rund 8300 Euro für Anwälte und Gericht fällig.

Rechtsschutzversicherung

Nichts für alle Fälle

  • vonWolfgang Mulke
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Beim Rechtsschutz kommt es auf das Kleingedruckte an. Verbraucher sollten Policen auch wegen der Kosten vergleichen.

Einen Hinweis heben Anwaltskanzleien oder Rechtsdienstleister besonders hervor, wenn sie um Kläger gegen VW oder für eine Staatshaftung bei der Pleite des Reiseveranstalters Thomas Cook werben. „Sofern Sie eine Rechtsschutzversicherung haben, übernimmt diese die Kosten zur Forderung Ihrer Ansprüche“, erklärt die Kanzlei Gansel, die Schadensersatz für Kunden durchsetzen will, deren Autos mit illegaler Abgasreinigung ausgestattet wurden. Ein gutes Argument für unentschlossene Autobesitzer. Geht der Prozess verloren, kostet es nichts. Wird er gewonnen, erhalten die Klienten des Sammelklägers den kompletten Schadensersatz. Die Kanzlei begnügt sich mit den von der Versicherung zu tragenden Anwaltskosten.

Niemand zieht gerne vor Gericht. Der Aufwand ist hoch, das Verfahren teuer, wie Beispiele des Verbraucherportals Finanztip.de zeigen. Für die Rückabwicklung eines Kaufvertrags für einen defekten Neuwagen im Wert von 37 000 Euro werden rund 8300 Euro für Anwälte und Gericht fällig. Reisemängel mit einem Streitwert von 2700 Euro ziehen Kosten von 1747 Euro nach sich. Ohne Rechtsschutzpolice bleibt der Kläger auf diesen Kosten sitzen, wenn das Verfahren verloren geht.

Immerhin hat die Hälfte der Haushalte in Deutschland eine Police abgeschlossen. In vielen Fällen deckt der Rechtsschutz aber nur ein Thema ab. „Beruf, Wohnen, Verkehr, Privates – die Versicherer unterscheiden zwischen verschiedenen Rechtsbereichen“, erläutert Finanztip-Expertin Kathrin Gotthold. Das Portal hat Angebote untersucht, die alle Bausteine enthalten. „In der Untersuchung schnitten die Tarife Arag Komfort und Auxilia Jurprivat in allen Bereichen besonders gut ab“, stellt Finanztip fest.

Als besonders gut im Familien- und Arbeitsrecht erwies sich der Tarif PBV Plus der HUK24. Etwas weniger bietet bei einem geringfügig höheren Selbstbehalt der Tarif Optimal der WGV. Die Kosten lohnen den Vergleich der Angebote vor dem Abschluss einer Police. Der Siegertarif der Arag schlägt mit 302 Euro im Jahr bei einem Selbstbehalt von 250 zu Buche. Auxilia Jurprivat ist mit 289 Euro preiswerter. Das Angebot der HUK24 kostet zwischen 279 und 317 Euro, das der WGV 259 Euro.

„Löchriger Schutz“ betitelte die Stiftung Warentest eine Untersuchung der Konditionen der Anbieter, „Klagen rund um den Bau oder Kauf einer Immobilie sind über die Rechtsschutzversicherung oft nicht versichert“. Da Streitigkeiten zwischen Bauherren und Architekten oder Handwerkern oft lange dauern und teuer sind, schließen viele Verträge diesen Bereich aus. Allerdings rät die Stiftung zu einem genauen Blick in die Konditionen. Denn dort finden sich dann doch wieder Bestandteile, die versichert sind. Auch hier nennen die Verbraucherschützer den Tarif Arag Premium als Beispiel, der einen Mini-Bauherren-Rechtsschutz beinhaltet, der eine maximale Kostenübernahme von 10 000 Euro beim Streit um den Kauf von Bauland vorsieht. Der Vergleich der Tarife von fünf großen Anbietern lässt sich auf der Internetseite www.test.de abrufen.

Nicht nur beim Bau gilt häufig ein Haftungsausschluss. Auch bei Streit in Familien zahlen die Anbieter meist nicht. Es gibt weitere Stolpersteine beim Abschluss einer Police. „Läuft ein Rechtsstreit bereits, und ich schließe dann einen Versicherungsvertrag ab, zahlt die Rechtsschutzversicherung nicht“, warnt Expertin Gotthold. Häufig gelten nach der Unterschrift auch noch Wartezeiten von zwei bis drei Monaten.

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