Analyse

Nicht so mächtig wie gedacht

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Der Vermögensverwalter Blackrock ist gigantisch groß. Das macht vielen Menschen Angst. Doch so einflussreich ist er dann doch nicht.

Ein Gespenst geht um in Deutschland. Nein, nicht Friedrich Merz ist gemeint, der Möchtegern-Kanzlerkandidat und 19fache Aufsichtsrat. Doch eines seiner Mandate hat es den Geisterbeschwörern besonders angetan: Blackrock. Links von Herrn Merz erkennen viele in der amerikanischen Fondsgesellschaft das neue „Superhirn“ des Kapitalismus. „Wenn Blackrock wollte, könnte es Italien allein retten“, ist da zu lesen, „wenn Blackrock wollte, könnte es Italien allein vor die Hunde gehen lassen.“

Zweifellos verwaltet der 1988 in New York gegründete und durch Fusionen und Übernahmen groß gewordene Vermögensverwalter ein riesiges Portfolio. Ende September waren es laut Firmenangaben umgerechnet fast sechs Billionen Euro. Das ist drei Mal so viel wie die Wirtschaftsleistung Italiens. Blackrock ist an Ratingagenturen beteiligt, ist Miteigentümerin der Börse in Frankfurt und hält Beteiligungen an allen deutschen Dax-Konzernen sowie an weiteren 17.000 Unternehmen weltweit.

Damit ist Blackrock ein Schwergewicht. Über Hegemonie und Dominanz gegenüber Industrie und Wirtschaft, wie sie ehedem die Deutsche Bank in der Deutschland AG ausübte, verfügt Blackrock damit aber nicht. So wirft etwa der Aktienbesitz an allen Dax-Konzernen zwar wettbewerbsrechtliche Fragen auf, aber er pendelt jeweils lediglich um die fünf Prozentpunkte, hat Werner Rügemer für sein neues, erkenntnisreiches Buch „Die Kapitalisten des 21. Jahrhunderts“ ermittelt.

Doch solche Beteiligungen ergeben sich quasi wie von selbst, wenn Finanzdienstleister Aktienmärkte weltweit abbilden. Mit seinen wenigen Prozentpunkten ist Blackrock jedoch weit entfernt von der Sperrminorität über 25 Prozent – wie sie einst die Deutsche Bank zu nutzen wusste.

Und für eine aktive Industriepolitik reicht es bei Blackrock und seinen kooperierenden Konkurrenten in der US-Vermögensverwaltung nur selten: Mit gerade mal 2500 Beratern lassen sich keine 17.000 Unternehmensbeteiligungen aktiv managen.

Das moderate Angeben der Blackrock-Ikone „Larry“ Fink dient vielleicht der Selbstinszenierung, jedenfalls der Einwerbung von Kundengeldern. Der Quartalsbericht weist aus, dass über 60 Prozent des verwalteten Vermögens von institutionellen Anlegern stammen, also von Banken und Unternehmen, Pensionsfonds und Stiftungen, kurzum, dem „alten“ Kapital. Der Rest geht weitgehend auf marktübliche Finanzprodukte wie börsengehandelte Aktienfonds (ETF) zurück, wie sie international zuhauf angeboten werden. Die Investoren hinter Blackrock suchen Rendite, nicht Machtspielchen.

Neue Spieler auf den Finanzmärkten, wie Blackrock, wurden groß, weil immer mehr Kapital immer internationaler nach Anlage sucht – die es in der Realwirtschaft nicht mehr hinreichend findet. Die harte Regulierung der Banken nach der Finanzkrise hat solche Schattenbanken wie Blackrock zusätzlich befördert.

Vor einigen Jahren ermittelten die Forscher der ETH Zürich, dass 1300 Konzerne 80 Prozent der Weltwirtschaft beeinflussen. Inzwischen dürften weitere hinzugekommen sein. Das sind immer noch wenige, aber für Verschwörungstheorien zu viele. Das Gespenst heißt Kapitalismus, nicht Blackrock.

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