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Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender von Fraport.

Soziale Verantwortung

"Nicht am kurzfristigen Gewinn orientieren"

Die Vorstandschefs von Fraport und Eon, Wilhelm Bender und Wulf Bernotat, beantworten uns die Frage: "Wie hat sich Ihre Einstellung zur sozialen Gerechtigkeit durch die Krise verändert?"

Soziale Verantwortung funktioniert nur, wenn sie auch von Top-Managern ernst genommen und in den Unternehmen gelebt wird - gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten. Wir haben zwei Vorstandsvorsitzende großer Unternehmen gebeten, uns folgende Frage zu beantworten: "Wie hat sich Ihre Einstellung zur sozialen Gerechtigkeit durch die Krise verändert?" Hier sind ihre Antworten:

Wilhelm Bender, Vorstandsvorsitzender von Fraport: Ein innerer Kompass für unternehmerische Verantwortung, die mit starker Führung immer verbundene Fürsorgepflicht und ein menschliches Miteinander ist krisenunabhängig. Eine solche Haltung, die Werte setzt und dem Handeln Richtung gibt, bewährt sich im Alltag. Auch in der Krise gilt es, Kurs zu halten und zu seinen Grundsätzen zu stehen, auch wenn die Herausforderungen größer werden.

Große Krisen gehen immer auf Erschütterungen des Vertrauens zurück. Was mich bei selbstkritischer Betrachtung aus dem Unternehmerlager am meisten schmerzt, ist die Tatsache, dass durch selbstsüchtiges Verhalten mancher Manager Vertrauen zerstört wurde. Kompass heißt für Unternehmer auch überzeugendes Vorleben von Werten, Wahrnehmung einer Vorbildrolle. Verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen gehört zu den schwersten Aufgaben.

Dabei bin ich dem Schicksal dankbar, dass ich in 17 Jahren Führungsverantwortung zwar viele Krisen durchlebt und in unseren Arbeitnehmern immer vernünftige Partner zur Überwindung schwieriger Situationen hatte, nie aber Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit entlassen musste. Sozialpartnerschaft habe ich immer als eine besondere Errungenschaft in unserer sozialen Marktwirtschaft empfunden. Der Jobmotor Frankfurter Flughafen hat über Jahrzehnte hinweg Zehntausende neuer Arbeitsplätze geschaffen und auch in Krisenzeiten immer auf betriebsbedingte Kündigungen verzichtet. Meine Hoffnung ist, dass dies auch künftig so bleibt und der von mir genannte Kompass zeitlos Gültigkeit hat.

Wulf Bernotat, Vorstandsvorsitzender von Eon: Wie in einer Marktwirtschaft soziale Gerechtigkeit erreicht wird, hat niemand treffender gesagt als John F. Kennedy mit seinem bekannten Ausspruch: "Wenn die Flut kommt, steigen alle Boote." Wenn sich eine Marktwirtschaft auch noch das Prädikat "sozial" verdienen will, sorgt sie außerdem dafür, dass auch alle Boote schwimmfähig sind, also Lecks gestopft werden.

So lässt sich ein pragmatisches Verständnis von sozialer Gerechtigkeit umschreiben, das in Deutschland bisher im Ganzen gut funktioniert hat und das ich teile. Für mich muss aber noch eines hinzukommen: Ein Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung bei denjenigen, die mehr als andere wirtschaftlich erfolgreich sind.

Der kurzfristige Gewinn und schnelle Erfolg, womöglich noch auf Kosten anderer oder zukünftiger Entwicklungen, darf keine Orientierung sein, weder für Manager noch für Politiker. Entscheidungsträger aus Wirtschaft und Politik stehen in der Pflicht, Vorbild zu sein und das Vertrauen der Menschen in die soziale Marktwirtschaft zu rechtfertigen.

Für Unternehmer und Manager heißt das vor allem: Den eigenen Job gut zu machen, gerade in einer Krise, damit bald alle Boote wieder steigen können. Deshalb ist es wichtig, dass Unternehmen wie Eon in der Krise besonnen handeln, weiter investieren und unumgänglichen Anpassungen nicht ausweichen, aber für die Mitarbeiter so schonend wie möglich vornehmen. Eon wird trotz Weltwirtschaftskrise in den nächsten drei Jahren rund 30 Milliarden Euro investieren. Mit positiven Effekten für Konjunktur, Beschäftigung und Klimaschutz - und damit nicht zuletzt auch für soziale Gerechtigkeit.

Hat sich meine Einstellung zur sozialen Gerechtigkeit in der Krise geändert? Nein. Wer in dieser Gesellschaft außerordentliche Leistungsprämien erhält, der muss auch außerordentliches Verantwortungsbewusstsein für diese Gesellschaft zeigen. Dies war und bleibt meine Überzeugung - gerade in der Krise.

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