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Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (links), und Verteidiger Hanns Feigen auf dem Weg in den Gerichtssaal.
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Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen (links), und Verteidiger Hanns Feigen auf dem Weg in den Gerichtssaal.

Deutsche Bank

„Nicht der Hauch einer Belastung“

  • Thomas Magenheim-Hörmann
    VonThomas Magenheim-Hörmann
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FitschensVerteidiger rechnet im Deutsche-Bank-Prozess mit der Anklage ab.

Eigentlich sind Plädoyers von Verteidigern in Strafprozessen ein letzter Versuch, das Gericht von der Unschuld eines Angeklagten zu überzeugen. Aber im Münchner Verfahren gegen Jürgen Fitschen als scheidenden Co-Chef der Deutschen Bank und vier Kollegen ist vieles anders. Insgesamt sechsmal haben deren Rechtsanwälte und die des nebenbeteiligt auf der Anklagebank sitzenden Geldhauses zwar Freisprüche gefordert. Im Zentrum ihrer Ausführungen standen aber heftige Angriffe auf die Staatsanwaltschaft, die ihrerseits Gefängnisstrafen fordert. „Nicht der Hauch einer Belastung bleibt zurück“, findet dagegen Fitschen-Anwalt Hanns Feigen. 34 Verhandlungstage hätten keinen Hinweis, keinen Zeugen und kein Dokument ans Licht gebracht, das die Anklage stützt.

Niemand habe in einem Vorgängerprozess um Schadenersatz für Pleitier Leo Kirch vor dem Oberlandesgericht (OLG) München gelogen. Deshalb könne sich kein Banker des in der Anklage behaupteten versuchten Prozessbetrugs schuldig gemacht haben.

Die Staatsanwaltschaft wollte im fast einjährigen Mammutprozess beweisen, dass sich Fitschen und seine Vorgänger Rolf Breuer und Josef Ackermann sowie Ex-Aufsichtsratschef Clemens Börsig und Rechtsvorstand Tessen von Heydebreck zur gemeinschaftlichen Falschaussage vor dem OLG verschworen haben, um der Deutschen Bank eine hohe Schadenersatzforderung zu ersparen.

Am Ende musste sich das Geldhaus mit den Erben des inzwischen verstorbenen Kirch vergleichen und ihnen 925 Millionen Euro zahlen. Das OLG sah es 2012 als erwiesen an, dass die Deutsche Bank Kirch kurz vor dessen Pleite 2002 in die Enge treiben wollte, um ein lukratives Mandant zur Sanierung seines Medienimperiums zu erzwingen. Das hatten Breuer & Co. stets bestritten und damit nach Ansicht der Ermittler gelogen.

Bewiesen sei aber nun, dass Fitschens Erklärung, vor dem OLG weder gelogen noch betrogen zu haben, der Wahrheit entspreche, konterte Feigen. Vor einem Scherbenhaufen stehe dagegen die Staatsanwaltschaft, die ihr jetziges Fiasko vor dem Landgericht München einfach nicht wahrhaben wolle. Sie ignoriere bis heute deutlichste Hinweise von Richter Peter Noll, wonach der Prozess „mausetot“ sei und keine Beweise für eine Schuld erbracht wurden.

Dessen ungeachtet hatte die Staatsanwaltschaft im eigenen Plädoyer zuvor wegen erwiesener Schuld für Breuer und Ackermann mehrjährige Haftstrafen gefordert sowie Gefängnis auf Bewährung für Fitschen und Börsig. Lediglich im Fall von Heydebreck wollen sich die Ankläger mit einer Geldbuße zufriedengeben.

So etwas nach dem Verlauf der Hauptverhandlung zu fordern sei eine „glatte Unverschämtheit, der Vorwurf erbärmlich“, ereiferte sich Staranwalt Feigen. Nicht einmal für eine Geldbuße wegen angeblicher Verletzung der Aufsichtspflichten reiche es. Die Anwälte der Deutschen Bank selbst sprachen von einer „Scheinlogik der Anklage“, die entlarvt worden sei. Spätestens im Herbst vorigen Jahres sei klar gewesen, dass sich nichts beweisen lässt, betonte auch Heydebrecks Verteidiger Klaus Volk. Aber die Staatsanwaltschaft habe den Prozess mit immer neuen sinnlosen Beweisanträgen systematisch verlängert. Das sei in etwa so, als beharre Bayern München bei einem verlorenen Fußballspiel darauf, dass bis zu einem Sieg weitergespielt wird. Auch Richter Noll musste bei diesen Worten schmunzeln.

Er wird voraussichtlich kommenden Montag sein Urteil verkünden. Das hängt davon ab, ob das OLG München bis dahin über eine Beschwerde der Staatsanwaltschaft negativ entschieden hat. Die Ermittler wollen Einblick in Rechtsgutachten der Deutschen Bank, was Noll aber mangels Beweispotenzial für seinen Fall abgelehnt hat.

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