Volle Wartezimmer

Nicht gleich in die Klinik

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Gesundheitsminister Spahn will die Notfallversorgung reformieren.

An Wochenenden, Feiertagen sowie in den Abend- und Nachtstunden bietet sich überall in den Rettungsstellen der Krankenhäuser ein ähnliches Bild: Die Wartezimmer sind voll, die Ärzte überlastet, die Betten reichen oft nicht aus. Bereits seit mehreren Jahren wird über Ursachen und mögliche Lösungen diskutiert. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat jetzt ein Konzept für den Umbau der Notfallversorgung vorgelegt. 

Damit die Patienten je nach Schweregrad des Problems besser gesteuert werden, sollen neue Notfallleitstellen eingerichtet werden, die gemeinsam von der Krankenhausseite und der ambulanten Ärzteschaft eingerichtet werden. Sie sind bundesweit erreichbar unter den Nummern 112 und 116117. Bei einem Anruf wird durch einen einheitlichen Fragenkatalog festgestellt, ob der Patient einen Rettungsdienst benötigt, in ein Notfallzentrum einer Klinik geschickt oder an einen ambulanten Arzt vermittelt werden muss. Diese Notfallleitstelle soll für jeden Patienten im Akutfall die erste Anlaufstelle sein.

In bestimmten Kliniken – ausgewählt nach Ausstattung und Erreichbarkeit – soll es künftig sogenannte Integrierte Notfallzentren (INZ) geben, die ebenfalls gemeinsam von Krankenhäusern und Kassenärztlichen Vereinigungen betrieben werden. In ihnen werden die bisherigen Rettungsstellen und die ambulanten Bereitschaftsdienste vereint. Patienten werden von dort entweder zur Untersuchung oder zur Aufnahme ins Krankenhaus oder zu einem ambulanten Arzt geschickt.

Rettungswagen zum Arzt

Auch für die Rettungsdienste soll es Neuerungen geben. Bisher werden die Kosten eines Transportes beispielsweise nur dann von den Kassen übernommen, wenn der Patient in ein Krankenhaus eingeliefert wird. Das führt nach Ansicht von Experten zu unnötigen Einweisungen. Künftig sollen die Kassen bei der Organisation der Rettungsdienste, für die originär die Länder zuständig sind, mehr Mitwirkungsrechte erhalten. 

Was schon klar ist: Ab dem 1. April 2019 sind die bei den 17 Kassenärztlichen Vereinigungen eingerichteten Terminservicestellen rund um die Uhr bundesweit unter der einheitlichen Rufnummer 116117 erreichbar. Sie vermitteln Termine für Haus- und Fachärzte. Außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten verweisen sie Patienten an den ärztlichen Bereitschaftsdienst. 

Ab 1. Juli 2019 können Patienten die Terminservicestellen auch tagsüber in akuten Fällen anrufen und sich eine passende ärztliche Versorgung vermitteln lassen. Die Rettungsleitstellen unter der Nummer 112 für Notfälle bleiben zunächst parallel erhalten. Voraussichtlich ab 2021 werden diese Einrichtungen dann zu den neuen gemeinsamen Notfallleitstellen zusammengelegt.

Der Plan einer engeren Verknüpfung ambulanter und stationärer Versorgung entspricht im Wesentlichen den Forderungen unabhängiger Experten. Sie hatten dafür plädiert, die Trennung des ambulanten und stationären Sektors bei der Notfallversorgung aufzuweichen und gemeinsame Anlaufstellen zu schaffen. Für die Umsetzung des Konzepts ist allerdings eine Grundgesetzänderung nötig, weil die Kompetenzen der Länder beschnitten werden. Offen ist, ob die Länder mitspielen. 

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