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Wie der GCX legt auch der Dachs Wert auf Artenvielfalt. Sein Speiseplan: Regenwürmer, Insekten, Kleinsäuger und Beeren.

GCX

Nicht nur den Dax geschlagen

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Der Global Challenges Index ist ein kleines aber sehr helles Licht im Reigen der Nachhaltigkeitsindizies. Im September vor zehn Jahren wurde er aufgelegt ? Zeit für eine Bilanz.

Das Jahr 2007 war im wahrsten Wortsinne stürmisch. Bei Orkanen, Überschwemmungen und Erdrutschen kamen in Asien mehr als 11.000 Menschen ums Leben. Über Europa wütete Kyrill, der allein in Deutschland zwölf Menschen das Leben kostete und einen gesamtwirtschaftlichen Schaden von rund 8,4 Milliarden Euro verursachte. Kaum ein Tag verging, an dem nicht von einer drohenden Klimakatastrophe die Rede war. Klimakatastrophe wurde zum Wort des Jahres gewählt. Der US-Klimaaktivist und Ex-Vizepräsident Al Gore erhielt gemeinsam mit dem UN-Klimarat den Friedensnobelpreis – und im beschaulichen Hannover wurde der Global Challenges Index (GCX) aufgelegt. 

Anfang September 2007 fiel bei den Verantwortlichen an der Börse Hannover die Entscheidung, sich im Bereich der nachhaltigen Anlageprodukte zu positionieren; in Zusammenarbeit mit der Nachhaltigkeitsratingagentur Oekom Research wurde der GCX als internationaler Nachhaltigkeitsindex mit 50 weltweit tätigen Großunternehmen sowie kleinen und mittleren Firmen konzipiert und auf den Weg gebracht. 

Die Bilanz nach zehn Jahren Indexgeschäft könnte kaum besser sein: Mit einer Performance von rund 114 Prozent seit seiner Auflegung lässt der GCX führende Leitindizes deutlich hinter sich – und das in Zeiten der Finanzkrise. Der Dax konnte im gleichen Zeitraum nur 60 Prozent, der Euro Stoxx 50 lediglich zehn Prozent zulegen. „Die Wertentwicklung des GCX zeigt einmal mehr, dass nachhaltig wirtschaftende Unternehmen sich besser entwickeln, weil sie sich bereits heute für die Herausforderungen der Zukunft aufstellen und grundsätzlich weniger Risiken haben. Das macht sie wettbewerbsfähiger und zu einem interessanten Investment“, kommentiert Hendrik Janssen, Geschäftsführer der Börse Hannover und Vorstand der BÖAG Börsen AG, die Entwicklung. Kurz gesagt: Nachhaltigkeit lohnt sich – für Unternehmen und Anleger.

Allerdings gibt es bislang nur wenige Anlagemöglichkeiten. Private Investoren haben hierzulande die Wahl zwischen zwei den GCX abbildenden Investmentfonds, den NORD/LB AM Global Challenges-Index-Fonds (WKN: A1T756) und den Prima – Global Challenges A (WKN: A0JMLV). Gehandelt werden die an den Börsen Düsseldorf, Hamburg und Hannover. Anlegern in Österreich bietet die Privatbank Schelhammer & Schattera ein Produkt auf den GCX. Und Menschen, die eine Mindestanlagesumme von 100 000 Euro nicht schreckt, werden beim Hamburger Vermögensmanager Geneon fündig. 

Dieses relativ schmale Anlageangebot spiegelt sich im investierten Volumen wider: Im August 2017 erreichte es rund 360 Millionen Euro. Zum Vergleich: Nach Angaben des Forums Nachhaltige Geldanlage betrug der in nachhaltige Produkte investierte Betrag in Deutschland, Österreich und der Schweiz am 31. Dezember 2016 rund 419,5 Milliarden Euro – wobei aber die Definition von Nachhaltigkeit von Produkt zu Produkt höchst unterschiedlich ausfällt. 

Keine Aktivitäten in der Rüstungsindustrie

In Bezug auf den GCX haben seine Initiatoren eine sehr enge Definition gewählt. Die 50 gelisteten Unternehmen dürfen keine Aktivitäten im Bereich der Atom- und Rüstungsindustrie sowie der Gentechnik vorweisen, sie müssen den strengen Nachhaltigkeitsanforderungen von Oekom Research genügen und sie müssen durch ihre Produkt- und Dienstleistungspalette substanzielle und richtungweisende Beiträge zur Bewältigung der sieben globalen Herausforderungen leisten: Klimawandel, Sicherung der Trinkwasserversorgung, Erhalt der Artenvielfalt, nachhaltige Waldwirtschaft, Lösungen für Probleme der Bevölkerungsentwicklung, Armutsbekämpfung und Kampf gegen Korruption. Insbesondere mit dem Handlungsfeld Biodiversität, das die Vielfalt an Genen, Arten und Biotopen schützen soll, hebt der GCX sich deutlich von anderen Nachhaltigkeitsindizes ab. 

Alle sechs Monate wird die Index-Zusammensetzung routinemäßig einer Prüfung unterzogen. Erfüllt eines der Unternehmen die strengen Auswahlkriterien nicht mehr, wird an seine Stelle ein neuer Titel in den Index aufgenommen. Dieser als Rebalancing bezeichnete Plätzetausch erfolgt immer im März und im September.

Trotz des strengen Auswahlverfahrens zeichnet sich der GCX durch eine hohe Kontinuität aus: 42 Prozent der Aktien sind seit Auflage des GCX im September 2007 immer noch enthalten. Dazu zählen Unternehmen wie SAP, AMD, Henkel, Nordex, Vestas Wind und Union Pacific. Das sei „ein Beleg dafür, dass ein aktives und nachhaltiges Engagement bei gleichzeitiger Einhaltung von hohen ethischen, sozialen und ökologischen Standards in diesen Unternehmen konsequent weiterverfolgt wird“, sagt Kristina Rüter, Head of Research von Oekom Research. 

Die beste Performance seit der ersten Stunde des GCX erzielten Coloplast mit plus 397 Prozent, Shimano mit plus 395 Prozent und Union Pacific mit plus 342 Prozent. Dominierende Branchen bei den GCX-Unternehmen sind Erneuerbare Energien, Technologie, Software und IT, Gesundheit und Pharma sowie der Bereich Transport und Logistik.

Anfang des Jahres wurde vom GCX-Beirat im Einvernehmen mit der Börse Hannover und Oekom Research beschlossen, die Definition von Nachhaltigkeit noch einmal enger zu fassen und die 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen in den Auswahlprozess für den GCX zu integrieren. Dabei wird untersucht, inwieweit Produkte und Dienstleistungen der Unternehmen zur Erreichung der UN-Ziele förderlich sind oder diesen widersprechen. Außerdem wurde beschlossen, Tätigkeiten von Unternehmen im Bereich der Förderung, Aufbereitung und Verwendung fossiler Brennstoffe als hartes Ausschlusskriterium für den GCX aufzunehmen. 
Eine Veränderung der Zusammensetzung des GCX beim aktuellen Rebalancing an diesem Freitag ergibt sich dadurch nicht.

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