Regel 6

Wer nicht darstellt, was er kann, sollte nicht überrascht sein, von Darstellern in den Schatten gestellt zu werden

"Mein Chef müsste eigentlich merken, was ich alles leiste." Müsste er wirklich? Kann er das überhaupt? Mancher ist bitter enttäuscht, dass sein Engagement

"Mein Chef müsste eigentlich merken, was ich alles leiste." Müsste er wirklich? Kann er das überhaupt? Mancher ist bitter enttäuscht, dass sein Engagement keinem so recht auffällt. Die Strategie, morgens als Erster zu kommen und abends als Letzter zu gehen, geht nur in den seltensten Fällen auf. Vielleicht kommt stattdessen eher der Verdacht auf, man könne sich nicht organisieren, sei umständlich oder kleinkrämerisch.

Wer sich nicht zeigt, wird nicht gesehen! Wer nicht auffällt, kann nicht auffallen. Und wer nicht wahrgenommen wird, wird schnell überrannt. In einer Zeit der Flut von Bildern, Nachrichten und Informationen ist es unerlässlich, die persönliche Präsenz zu pflegen und nicht nur durch viele E-Mails aufzufallen (und zu nerven), nicht nur Aktennotizen zu schreiben oder Berichte abzuliefern. Im Vordergrund muss der ganzheitliche Auftritt einer Person stehen, sichtbar in ihrer Kombination aus Kommunikationsfähigkeit, Kompetenz und Überzeugungskraft. Wer etwa "Reporting" nicht als lästige Einmischung in eigene Angelegenheiten, sondern als Hilfe für den Vorgesetzten versteht, seinerseits "nach oben" auskunftsfähig zu sein, hat einem auf den ersten Blick lästigen Ritual einen positiven Charakter gegeben.

Viel zu selten fragen sich Mitarbeiter: "Wie führe ich meinen Chef?" Mancher Konflikt wäre nie entstanden, eskaliert und am Ende zum Bruch geworden, wenn der Mitarbeiter "Chefpflege" betrieben hätte. Eine langjährige Führungskraft sagte mir einmal, in 25 Jahren nie Probleme mit den Vorgesetzten gehabt zu haben. Auf meine erstaunte Rückfrage, wie so etwas möglich sei, antwortete er: "Ich habe immer dafür gesorgt, dass mein Chef erfolgreich ist, dadurch hatte ich den Rücken frei, selbst erfolgreich zu sein - und wenn nötig jede Unterstützung." Ein Chef, der nicht weiß, was sein Mitarbeiter gerade tut, muss mit Mutmaßungen und Spekulationen leben - ist er gerade selbst unter Druck, empfindet er das Vakuum schnell als mangelnde Kooperation und fehlendes Verständnis.

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