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Jobs

Nicht alle jubeln

  • VonEva Roth
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Politiker jubeln wieder über tolle Arbeitsmarkt-Zahlen. Doch nicht alle Bürger jubeln mit. Denn viele sind immer noch arbeitslos Es werden zwar auch Stellen geschaffen, doch die sind meist auf Zeit und schlecht bezahlt.

Politiker jubeln wieder über tolle Arbeitsmarkt-Zahlen. Doch nicht alle Bürger jubeln mit. Denn viele sind immer noch arbeitslos – und viele sind mit ihrem Job ganz und gar nicht zufrieden. Das ist verständlich, denn nicht alle neuen Stellen sind gute Stellen.

Welche Jobs sind entstanden? In den vergangenen zwölf Monaten sind 692000 sozialversicherungspflichtige Jobs entstanden. Das klingt super. Allerdings haben viele Firmen Leiharbeiter eingestellt, die oft 20 Prozent weniger Geld erhalten als vergleichbare Festangestellte. 23 Prozent der neu geschaffenen Stellen entfielen in den letzten zwölf Monaten auf die Zeitarbeit. Das ist ein sehr hoher Anteil. Immerhin stellen Unternehmen mittlerweile öfter neues Personal direkt an statt Leihkräfte anzuheuern. So entfielen im Dezember 34 Prozent der neuen Arbeitsplätze auf Zeitarbeit.

Gibt es mehr Vollzeitstellen? Ja. Dank des kräftigen Wirtschaftswachstums haben Unternehmen in jüngster Zeit 440000 zusätzliche Vollzeitjobs geschaffen. Die Zahl der Teilzeitjobs ist im Jahresvergleich um 250000 gestiegen. Das ist eine erfreuliche Entwicklung – in den vergangenen zwei Jahrzehnten ist Vollzeitbeschäftigung stark zurückgegangen.

Wie sieht es bei Minijobs aus? Diese Beschäftigungsform hat sich in den letzten Jahren rasant verbreitet. Inzwischen gibt es über 4,8 Millionen Menschen, die ausschließlich einen 400-Euro-Job haben. Ihre Zahl ist seit 1999 um mehr als eine Million gestiegen. Die Minijobs haben einen ordentlichen Beitrag zur hohen Erwerbstätigkeit geleistet – und der neue Wirtschaftsminister Philipp Rösler kann verkünden: „Seit der Wiedervereinigung waren in Deutschland in einem April niemals mehr Menschen in Beschäftigung.“ Den Betroffenen ist aber oft nicht nach Jubeln zumute.

Was ist das Problem? Minijobber erhalten maximal 400 Euro im Monat, viele verdienen noch weniger. Davon kann kein Mensch leben. Zudem sind die Stundenlöhne oft sehr niedrig: 86 Prozent der Minijobber erhalten Niedriglöhne von weniger als 9,50 Euro pro Stunde im Westen und weniger als 6,07 Euro im Osten. Das hat das Institut für Arbeit und Qualifikation an der Uni Duisburg-Essen herausgefunden. Die Einkommen sind also meist mini – für die Arbeitszeit gilt das nicht unbedingt. Die Arbeitszeit der Minijobber beträgt im Schnitt ein Drittel einer Vollzeitstelle, so das Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit (IAB). Die meisten Minijobber sind Frauen, viele arbeiten im Einzelhandel, in der Gebäudereinigung oder in der Gastronomie.

Aber gerade Mütter wollen doch oft nur eine 400-Euro-Stelle! Für manche mag das stimmen, nicht jedoch für die Mehrheit. Zwei Drittel der Minijobberinnen würden gern länger arbeiten – und mehr verdienen. Bei den Frauen mit einem regulären Teilzeit-Job möchte jede zweite ihre Arbeitszeit aufstocken. Dies gilt für Ungelernte wie für höher Qualifizierte. Angesichts der drohenden Fachkräfteknappheit schlummert hier ein riesiges Potenzial. Damit Frauen ihren Erwerbswünschen näher kommen, müssten Politik und Firmen in Weiterbildung investieren und mehr gute Kinderbetreuungs-Einrichtungen anbieten.

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