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Rente für alle – ohne Einzahlung: So funktioniert es in den Niederlanden

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Von: Patricia Huber

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Deutschland schneidet im internationalen Vergleich der Altersvorsorgesysteme eher mittelmäßig ab. Die Niederlande belegt dagegen den zweiten Platz. Was unser Nachbar besser macht.

Amsterdam – Das deutsche Rentensystem wird immer wieder stark kritisiert. Experten befürchten, dass es auf Dauer nicht mehr finanzierbar sei, da zu viele Rentner auf zu wenige Beitragszahler kommen würden. Darüber hinaus sind viele Ruheständler in Deutschland von Altersarmut betroffen.

Rente: Deutschland im internationalen Vergleich nur mittelmäßig

Auch im Vergleich mit anderen Ländern schneidet Deutschland eher mittelmäßig ab. Das zeigt der sogenannte Global Pension Index der Mercer Unternehmensberatung, der 43 Altersvorsorgesysteme auf der ganzen Welt miteinander vergleicht. Dort liegt das deutsche Rentensystem auf dem 14. Platz.

Aber was machen die Länder auf den vordersten Plätzen besser? Ein gutes Beispiel ist hier eines unserer Nachbarländer. Die Niederlande belegt im Renten-Ranking den zweiten Platz. Noch besser ist laut Index nur das isländische System. Besonders am niederländischen Rentensystem ist der Aufbau auf drei verschiedene Säulen. Diese sind das Allgemeine Rentenversicherungsgesetz (AOW), der Aufbau einer Zusatzrente über den Arbeitgeber (Betriebsrente) und die zusätzliche individuelle Rentenversicherung, wie merkur.de berichtet.

Erste Säule: Allgemeines Rentenversicherungsgesetz

Wer in den Niederlanden lebt oder arbeitet, ist nach dem Allgemeinen Rentenversicherungsgesetz versichert. Damit erhält jeder, der das gesetzliche Rentenalter erreicht, einen Anspruch auf diese Rente. Die Höhe dieser Rente hängt jedoch – anders als in Deutschland – nicht davon ab, wie viel man in seinem Arbeitsleben verdient hat. Auch die Staatsangehörigkeit ist dabei unerheblich.

Diese erste Säule bildet also eine Art Grundsicherung im Alter, welche mithilfe der anderen beiden Säulen aufgestockt werden kann. Die Höhe der Beiträge zu dieser Versicherung hängt vom zu versteuernden Einkommen ab – es gibt jedoch auch einen Jahreshöchstbetrag. Vom zu versteuernden Einkommen werden laut Angaben der Deutschen Rentenversicherung (DRV) automatisch 17,9 Prozent an das zuständige Finanzamt abgeführt.

Rentner in der Stadt
imago0165849244h.jpg © IMAGO/Michael Gstettenbauer

Zweite Säule: Arbeitnehmerversicherung

Wer in den Niederlanden arbeitet, ist zudem auch über den Arbeitgeber Renten-Pflichtversichert. Dieser legt die Beiträge in Fonds an. Dadurch erhalten Arbeitnehmer später also noch eine zusätzliche Auszahlung aus der Versicherung durch den Arbeitgeber.

Dritte Säule: Individuelle Rentenversicherung

Wer sich noch zusätzlich absichern möchte, kann auch in den Niederlanden in eine individuelle, private Rentenvorsorge investieren. Solche Leibrenten, Kapitalversicherungen oder Lebensversicherungen werden sogar staatlich gefördert.

Altersvorsorge für alle: In den Niederlanden erhält jeder die Grundrente

Aber was macht die niederländische Rente nun so besonders? Der wohl größte Unterschied zum deutschen Rentensystem: Jeder erhält eine Grundrente – und dabei spielt die Höhe der gezahlten Beiträge überhaupt keine Rolle. Lediglich die Versicherungszeit ist von Bedeutung. Heißt also: Ein Spitzenverdiener, der 50 Jahre lang in der gesetzlichen allgemeinen Rentenversicherung versichert war, erhält genauso viel, wie jemand mit sehr geringem Einkommen oder sogar jemand, der sein Leben lang arbeitslos war.

Wer ab seinem 15. Lebensjahr 50 Jahre in den Niederlanden gelebt oder gearbeitet hat, hat Anspruch auf die volle Altersrente. Für jedes Jahr ohne Versicherung reduziert sich der Anspruch um zwei Prozent. Wie hoch diese ausfällt, hängt vom Nettomindestentgelt ab. Der Rentenanspruch für Alleinstehende beträgt dann 70 Prozent dieses Entgelts. Das ergibt schließlich rund 1.250 Euro Rente – wenn man nur die erste Säule betrachtet.

Im Durchschnitt: Niederländische Rentner erhalten 80 Prozent des Nettolohnes

Hinzu kommen dann noch die individuellen Beträge aus den beiden anderen Renten-Säulen. Das führt dazu, dass ein Rentner in den Niederlanden heute im Durchschnitt 80 Prozent seines früheren Nettolohnes erhält, berichtet die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Zum Vergleich: In Deutschland sind es gerade einmal mehr als 50 Prozent des früheren Nettogehalts. (ph)

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