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New Work im Installationshandwerk

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Von: Tobias Schwab

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Viktoria Krastel führt das seit 65 Jahren bestehende Familienunternehmen Krastl GmbH in die nächste Generation. Die promovierte Ingenieurin hat klare Vorstellungen für die Zukunft des noch männer-dominierten Sanitärhandwerks.
Viktoria Krastel führt das seit 65 Jahren bestehende Familienunternehmen Krastl GmbH in die nächste Generation. Die promovierte Ingenieurin hat klare Vorstellungen für die Zukunft des noch männer-dominierten Sanitärhandwerks. © Maximilian von Lachner

Die Frankfurter Rundschau präsentiert die Nominierten des Hessischen Gründerpreises 2022 mit Kurzinterviews: Viktoria Krastel ist Finalistin in der Kategorie Zukunftsfähige Nachfolge.

Wer braucht Sie?
Die Krastel GmbH ist ein Familienunternehmen aus der Sanitär, Heizung und Klima (kurz SHK) Branche. Seit über 65 Jahren installieren wir im Kreis Bergstraße moderne Haus- und Anlagentechnik, wie effiziente Heizungen, Solar- und PV-Technik oder Wohlfühlbäder. Dabei bieten wir alles aus einer Hand: von der Planung über die Ausführung sowie den technischen Service danach. Unser Handwerk macht Gebäude bewohnbar und setzt die Energiewende aktiv um.

Warum haben Sie sich für die Nachfolge entschieden?
Die Krisen unserer Zeit, Energiekrise und Klimawandel, zeigen es ganz deutlich: Wir alle brauchen die Energiewende. Und diese Energiewende braucht ein starkes SHK-Handwerk. Ein starkes SHK-Handwerk wiederum braucht mutige Nachfolger:innen, die gute Antworten auf den Fachkräftemangel finden und den digitalen Wandel auf unseren Baustellen aktiv mitgestalten. In der Krastel GmbH führe ich als dritte Generation handwerkliche Tradition in eine digitale Zukunft. Ich möchte fürs Handwerk begeistern und trotz aller Digitalität das Wichtigste im Handwerk nicht aus den Augen verlieren: den Menschen. Begeistert vom Hebel auf die Energiewende, der Chance, handwerkliches Know-how mit akademischem Wissen zu verbinden und dabei gleichzeitig das Handwerk diverser zu machen, entschied ich mich 2021 für die Nachfolge.

Was war die größte Hürde?
Als junge, promovierte Frau war mein Start im männerdominierten Handwerk eine Herausforderung. Um es im New-Work-Jargon auszudrücken: Mein Einstieg in unser Familienunternehmen führte zu gelebter Diversität und Vielfalt. Mit allen Höhen und Tiefen, die dazugehören. So hieß es zu Beginn, sich begegnen und sich gegenseitig kennenlernen – ich das Team, aber das Team eben auch mich, meine Vision und meine Art, dieses Unternehmen in die Zukunft zu führen.

Wo brennt es im Betrieb?
Neben allen fast schon alltäglich gewordenen Herausforderungen, wie Corona, gestörten Lieferketten und enormen Preisanstiegen sind es insbesondere die Weiterentwicklung unserer Organisationsstrukturen sowie die konsequente Digitalisierung unserer Prozesse.

Was ist der große Traum?
In der nahen Zukunft möchte ich die Planung vor Baubeginn noch stärker digitalisieren und im kommenden Jahr die erste weibliche Auszubildende einstellen. Aber aktiver Klimaschutz braucht mehr und so ist mein langfristiges Ziel, unser Unternehmen zu skalieren, zu einem digitalen Handwerksunternehmern zu transformieren und auf dieser Reise immer mehr Menschen vom und für das Handwerk zu begeistern.

Was muss eine Auszubildende mitbringen, um sich im immer noch männerdominierten SHK-Handwerk durchzusetzen?
Sie muss Mut und Vertrauen in die eigene Person, Spaß und Begeisterung für Technik sowie Freude am hauptberuflichen Klimaschutz mitbringen, um sich im SHK-Handwerk durchsetzen zu können. Mut und Vertrauen sind notwendig, um sich im ersten Schritt für die Ausbildung zu entscheiden. Und um sich trotz allen möglichen Hindernissen nicht einschüchtern und vom eigenen Weg abbringen zu lassen. Spaß an Technik und Neugierde sind im SHK-Handwerk unabdingbar, ganz unabhängig vom Geschlecht. Und nicht zuletzt braucht es Freude daran, hauptberuflich Klimaschutz zu betreiben, denn das ist es, was Frauen und Männer im SHK-Handwerk tun.

Das sagt die Jury:
„Eine promovierte, starke junge Frau als Nachfolgerin im Sanitärhandwerk? Zusammenführung von New Work und Old Economy? Digitalisierung der Baustelle – basierend auf einem starken handwerklichem Fundament? Jede Nachfolge bietet die Chance, ein Unternehmen auf die nächste Entwicklungsstufe zu heben. Viktoria Krastel bringt alles mit, damit dies erfolgreich gelingt und eine gerade im Hinblick auf den Klimawandel so wichtige Branche neue Impulse erfährt. Aus Jurysicht also eine würdige Finalistin in der Kategorie „Zukunftsfähige Nachfolge“ für den Hessischen Gründerpreis 2022.“

Partnerschaft: Die FR unterstützt den Hessischen Gründerpreis. Bis zum Finale am 4. Novemberstellen wir die zwölf nominierten Gründerinnen und Gründer vor. fr.de/gruenderpreis

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