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Neun Tonnen Rauschgift

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Von: Tim Stinauer

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Der Bundesfinanzminister mit sichergestelltem Elfenbein.
Der Bundesfinanzminister mit sichergestelltem Elfenbein. © dpa

Die deutsche Zollverwaltung stellt ihre Jahresbilanz vor. Die Abteilung gegen Geldwäsche wurde aufgestockt.

Mit dem Stoßzahn aus Elfenbein hat Wolfgang Schäuble kein Problem. Den nimmt er auf Bitten der Pressefotografen gerne für ein Bild in die Hand. Vor dem Tisch mit den beschlagnahmten Drogen muss er die Fotografen enttäuschen. „Ich nehme jetzt kein Ecstasy“, scherzt Schäuble.

Im militärischen Sicherheitsbereich am Flughafen Köln/Bonn hat der Bundesfinanzminister am Dienstag die Jahresbilanz der deutschen Zollverwaltung vorgestellt. Für gewöhnlich tut er das in Berlin, diesmal aber nutzt er den Anlass, um zugleich die Neuausrichtung der „Financial Intelligence Unit“ (FIU) anzukündigen – eine Spezialabteilung des Bundeskriminalamts (BKA), die Finanzströme untersucht, um Geldwäsche und Terrorfinanzierung aufzudecken.

Aber auch auf seinen traditionellen Arbeitsfeldern habe der Zoll im Vorjahr „gute Arbeit“ geleistet, berichtete Uwe Schröder, Präsident der Generalzolldirektion. Mit 131,9 Milliarden Euro hat der Zoll etwa die Hälfte der Steuern des Bundes eingenommen. Fast 40 000 Beamte kümmern sich bundesweit um die Kontrolle des Warenverkehrs, um die Bekämpfung von Schwarzarbeit oder um die Fahndung nach Produktpiraten und Drogenschmugglern. „Es ist unser Beitrag zu 1,9 Prozent Wachstum in Deutschland, aber auch zu Wachstum im europäischen Binnenmarkt.“ Die aktuellen Entwicklungen im Überblick:

Drogenhandel nimmt zu: Knapp zwei Millionen Ecstasy-Tabletten und damit das Zehnfache des vorvergangenen Jahres haben Zöllner 2016 sichergestellt. Außerdem landeten insgesamt fast neun Tonnen anderes Rauschgift in den Asservatenkammern des Zolls – vor allem Kokain, Marihuana und Amphetamine. Um Ecstasy vor allem für junge Kunden attraktiv zu machen, können die Pillen grelle Farben oder Formen von Fußball-Topklubs haben. Zoll-Chef Schröder: „Ecstasy feiert gerade ein großes Comeback im Schmuggel.“

Illegale Waffen und Pyrotechnik stark gefragt: Der Zoll beschlagnahmte 8193 Waffen, die zumeist illegal über das Internet geordert wurden. Auch im Bereich Pyrotechnik sei die Entwicklung „besorgniserregend“, sagte Schröder. Seine Behörde führe derzeit 1400 Ermittlungsverfahren nur gegen Kunden eines einzigen Internetshops aus Polen. In einem Mehrfamilienhaus mitten in einem Wohngebiet in Berlin fanden die Fahnder im Vorjahr 300 Kilo Sprengstoff. „Es braucht nicht viel Fantasie, um sich eine verheerende Explosion vorzustellen“, sagte Schröder. „Denken Sie an die Sprengung eines Fahrkartenautomaten vor zwei Wochen in Dortmund, bei der der Täter ums Leben kam.“ Eingesetzt werden illegale Knallkörper oder Leuchtfackeln auch in Fußballstadien.

Gepanschter Alkohol: Nie stellten die deutschen Zollfahnder so viel illegal gepanschten Wodka sicher wie 2016 – Zehntausende Flaschen, bei denen der zulässige Methanol-Wert um das 300-Fache überschritten war. Wer nur 300 Milliliter davon trinkt, riskiere, dauerhaft zu erblinden, warnen Chemiker. Die Flaschen sehen teilweise sehr hochwertig aus, manche sind Fälschungen beliebter osteuropäischer Marken, andere sind Eigenkreationen.

Produktpiraten auf dem Vormarsch: Der Trend geht hin zu teurer Markenware. Allein am Flughafen Frankfurt stellten die Fahnder im vorigen Frühjahr innerhalb weniger Wochen fast 16 Tonnen gefälschter Waren mit einem Marktwert von 25 Millionen Euro sicher – vor allem Schuhe, Kleidung und Luxusartikel, aber auch Elektronik und Spielzeug, hergestellt häufig aus giftigem Billigmaterial. Insgesamt stieg der Wert beschlagnahmter Fälschungen von 132 Millionen Euro 2015 auf 180 Millionen Euro 2016.

Exotische Tiere und Pflanzen: Zwar griffen die Zöllner im Vorjahr insgesamt weniger geschmuggelte Tiere und Pflanzen auf, die unter Artenschutz stehen. Von besonderer Bedeutung aber war der Fund von 1,2 Kilo Elfenbein. Beim Zoll war ein Teil der Ware als Kaminuhren angemeldet.

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