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Glanzpunkt der Edag-Entwicklung: das Konzeptauto "Light Cocoon" mit leuchtender Karosserie
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Glanzpunkt der Edag-Entwicklung: das Konzeptauto "Light Cocoon" mit leuchtender Karosserie

Autobeleuchtung

Neues Licht für Autos

  • Martin Brust
    VonMartin Brust
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Edag entwickelt für die Autobranche Beleuchtungskonzepte.

Im neuen Lichtlabor, das im April 2016 am Standort Wolfsburg des hessischen Entwicklungsdienstleisters Edag seine Arbeit aufgenommen hat, herrscht tiefste Dunkelheit. Das muss so sein, der Raum ist komplett in mattem Schwarz gestrichen und ist damit frei von Reflektionen. Das ist nötig, damit die knapp 30 Ingenieure optimale Messbedingungen für ihre Tests haben. Im Labor entwickelt Edag Bauteile im Bereich Lichttechnik zuerst virtuell, dann als Muster und testet schließlich auch die „Funktionsfähigkeit im Versuch“, erklärt Franziska Lange aus dem Licht-Team von Edag. Das Unternehmen ist nun seit gut einem Jahr an der Börse.

Licht, das sieht jeder täglich auf den Straßen, ist in der Autoindustrie zum wichtigen Thema geworden. Seit Jahren nehmen gestaltete Lampen an Autos zu, LED-Technik ermöglicht das. Der Blinker blinkt nicht mehr nur, sondern zeigt die Richtung durch laufende Lichter an, verschiedenste Heckleuchtenvarianten sind möglich und nicht nur Audi gibt Auto-Fronten per Tagfahrlicht ein eigenes „Gesicht“.

Neuester Glanzpunkt ist der vor Kurzem präsentierte Lexus LIT IS, dessen Karosserie mit 42 000 LEDs bestückt ist, die sich programmieren lassen und auf Musik oder Gesten reagieren können. Man kann drauf wetten, dass irgendjemand so etwas kaufen möchte, aber wohl nicht darauf, dass es dafür dann eine Straßenzulassung gibt.

Edag geht da konservativer vor: Im Lichtlabor wird Design von Edag-Kunden in technische Lösungen überführt, werden Scheinwerfer und Rückleuchten sowie Ambiente- und Funktionsbeleuchtungen entwickelt und getestet. „Ambiente-Beleuchtung ist ein Trendthema und wird durch das autonome Fahren weiter an Bedeutung gewinnen“, glauben Franziska Lange und ihre Kollegen Martin Fiege sowie Philip Schatz.

Bei seinen Konzeptautos setzt Edag schon seit Längerem auch auf Licht als Gestaltungselement: So wurde 2009 auf dem Genfer Automobilsalon ein Fahrzeug gezeigt, bei dem Fahrer mittels LEDs die Kontur der Scheinwerfer nach Wunsch gestalten und so dem Fahrzeug ein individuelles Aussehen verleihen können.

Auch ob der Drehzahlmesser links, rechts oder in der Mitte erscheinen soll, konnte individuell konfiguriert werden. Die aktuellen Fahrzeugkonzepte „Soulmate“ und „Light Cocoon“ kommen auch mit wechselfarbiger Hülle daher. „Die LED-Beleuchtungstechnik soll die skelettartige, organische Fahrzeugstruktur hinter der Stoffaußenhaut sichtbar machen,“ sagt Pressesprecher Christoph Horvath. Ende November erhielt „Light Cocoon“ den begehrten Red Dot Design Award.

Die Konzeptmodelle werden von den rund 8300 Edag-Mitarbeitern – überwiegend Ingenieure, der Anteil der Designer ist verschwindend klein – zu Marketingzwecken gebaut, um die Leistungsfähigkeit zu demonstrieren. Denn die tatsächlichen Innovationen, die schon im Serieneinsatz sind und von Edag kommen oder an denen die Firma beteiligt war, „können wir erst mit Verzögerung kommunizieren“, so Horvath. Natürlich hat der jeweilige Auftraggeber da die Hand drauf. Beim Konzept „Cocoon“ etwa ging es darum, Fähigkeiten im Bereich Leichtbau, bionische Strukturen und 3D-Druck zu demonstrieren.

Der Autoentwickler wurde 1969 als Ingenieurbüro in Südhessen gegründet, ist dann nach Fulda gezogen und hat aktuell seine Zentrale in Wiesbaden, während die seit Dezember 2015 börsennotierte AG in der Schweiz registriert ist. Edag arbeitet an rund 70 Standorten in Europa, Nordamerika und Asien und zwar immer mit eigenen Niederlassungen, nicht mit Arbeitnehmerüberlassung, wie andere Ingenieurgesellschaften, betont Horvath.

Von den Wettbewerbern will sich Edag auch dadurch abheben, dass nicht nur Teile entwickelt werden, sondern auch Produktionsanlagen. „Es hat Vorteile, wenn Design, Konzeption und Entwicklung nicht in unterschiedlichen Händen liegen“, so Horvath. Reine Designer etwa hätten die technische Umsetzung oft nicht im Blick, was die Kosten erhöhe.

Mit dem Börsengang wollte Edag zwei Ziele verfolgen: Die Attraktivität für Mitarbeiter erhöhen sowie sich gut für die erwartete Branchenkonsolidierung positionieren. Die Mitarbeiterzahl ist seither gestiegen, im Herbst 2015 waren es noch 7600 – rund 700 sind nun hinzugekommen. „Der Börsengang hat insbesondere bei der Werbung von neuen Mitarbeitern positive Auswirkungen, da Edag einen gesteigerten Bekanntheitsgrad besitzt“, bilanziert Investor-Relations-Chef Sebastian Lehmann. In Sachen Branchenkonsolidierung hat Edag weniger vorzuweisen. Anfang April wurde zwar der niederländische Engineering-Dienstleister Duvedec übernommen. Mit 18 Mitarbeiter war das aber keine gewaltige Akquisition. Aber ein weiterer Schritt in Richtung Nutzfahrzeugindustrie, in der sich Edag seit 2014 verstärkt engagiert.

Aus Anlegersicht war der Börsengang bislang kein Erfolg: Um rund 30 Prozent gefallen ist der Kurs seit der Erstnotiz. In den ersten neun Monaten (30. September) des Geschäftsjahres 2016 konnte Edag zwar seinen Umsatz von rund 534 Millionen Euro stabil halten, das bereinigte operative Ergebnis (Ebit) lag mit 32,4 Millionen Euro allerdings deutlich unter Vorjahreswert (knapp 55 Millionen), die Ebit-Marge sank von 10,3 auf 6,1 Prozent.

Mit der Entwicklung des Aktienkurses „können wir sicherlich nicht zufrieden sein“, so Lehmann. Man sei Ende 2015 noch von einer deutlich positiven Gesamtlage ausgegangen, ab dem ersten Quartal 2016 etwa hätten sich dann „bei einem unserer größten Kunden überraschend die Auftragsvergaben verzögert“.

Für die Zukunft geht Edag wieder von positiveren Rahmenbedingungen aus, „da die großen Automobilhersteller weiterhin hohe Investitionen in Forschung und Entwicklung tätigen“. Umsatz und Ergebnis sollen sich deshalb 2017 wieder deutlich verbessern.

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