Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Dax-Bosse

Ein neuer Gehalts-König

  • Nina Luttmer
    VonNina Luttmer
    schließen

Daimler-Chef Dieter Zetsche war 2015 der Topverdiener unter den Dax-Bossen. Ingesamt sanken die Bezüge leicht.

Jahrelang führte der ehemalige Volkswagen-Chef Martin Winterkorn das Ranking der bestverdienenden Vorstandschefs von Unternehmen im Deutschen Aktienindex (Dax) an. Mit seinem unrühmlichen Abgang im vergangenen Jahr gibt es nun die Wachablösung: Der „neue König“ der Dax-Chefs ist Dieter Zetsche vom Autobauer Daimler. Er erhielt im vergangenen Jahr laut Berechnungen der Unternehmensberatung HKP wie schon ein Jahr zuvor 14,4 Millionen Euro. Dicht auf den Fersen war ihm der Chef des Gesundheitskonzerns Fresenius, Ulf Schneider. Der konnte sich bereits 2014 über einen Gehaltssprung von 70 Prozent freuen, nun kamen noch einmal 52 Prozent obendrauf – macht eine Summe von 13,9 Millionen Euro.

Damit verdienten die beiden weit mehr als der Durchschnitt der anderen ganzjährig amtierenden Dax-Chefs. Der lag bei 5,9 Millionen Euro – und damit etwa ein Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. 2014 war jedoch auch ein Rekordjahr für die Geldbeutel der Topmanager gewesen. Den letzten Platz im aktuellen Ranking belegt Commerzbank-Chef Martin Blessing mit einer Gesamtvergütung von 1,1 Millionen Euro, vor ihm liegen Lufthansa-Manager Carsten Spohr und K+S-Boss Norbert Steiner mit jeweils 2,6 Millionen Euro. Seit 2013 sind die Bezüge der Vorstandschefs im Schnitt um neun Prozent gestiegen.

Ein langfristiger Vergleich der Gehaltsentwicklungen ist nur auf der Basis einer anderen Berechnungsmethode für die Vorstandsgehälter möglich (nach Handelsgesetzbuch, HGB). Demnach liegt der Zuwachs seit 2006 bei 15,1 Prozent. Zum Vergleich: Laut Berechnungen des „Handelsblatts“ wuchs die Bezahlung der Tarifangestellten der Dax-Konzerne zwischen 2005 und 2015 stärker, nämlich um 27 Prozent. Die öffentliche Empörung über die Höhe der Managergehälter dürfte das aber nicht dämpfen. Wenig verwunderlich, zieht man einen anderen Maßstab heran: Laut Fraunhofer-Institut für angewandte Informationstechnik lag das durchschnittliche Brutto-Jahreseinkommen je Arbeitnehmer in Deutschland 2014 bei 31 981 Euro. Das war im Vergleich zu 2006 zwar auch noch ein Anstieg von 19,5 Prozent, die absolute Summe verdeutlicht aber das Problem.

Schwarze Schafe ziehen nach unten

Zudem sanken die Gewinne der Unternehmen laut HKP nach dem Rechnungslegungsstandard HGB zwischen 2006 und 2015 um 4,4 Prozent. Von 2014 auf 2015 lag der Rückgang gar bei 8,8 Prozent – wobei dies natürlich Durchschnittswerte sind und daher einzelne „schwarze Schafe“ wie etwa 2015 die Deutsche Bank oder Eon den Schnitt stark nach unten ziehen können. Für die Aktionäre der Dax-Unternehmen ging es 2015 immerhin tendenziell bergauf: Insgesamt schütten die 29 Dax-Unternehmen, die bislang dazu Angaben gemacht haben, 29,2 Milliarden Euro aus – das sind sechs Prozent mehr als im Vorjahr, so eine Untersuchung der Unternehmensberatung E&Y.

„Die Vorstandsvergütung liegt auf hohem Niveau, das ist keine Frage. Aber es gibt definitiv keine Explosion der Bezüge“, sagte am Mittwoch Michael Kramarsch, Managing Partner bei HKP. Er verwies auch darauf, dass es oftmals Unternehmen „aus der zweiten und dritten Reihe“ seien, die – weitgehend unbeobachtet von der Öffentlichkeit – die höchsten Gehälter zahlten. Als Beispiele nannte er die britische Werbeholding WPP, die ihrem Chef Martin Sorrell für 2015 umgerechnet fast 90 Millionen Euro zahlt, oder in Deutschland Pro-Sieben-Sat1-Chef Thomas Ebeling, der 2014 knapp 29 Millionen Euro kassiert hatte.

Im internationalen Vergleich zahlten die deutschen Unternehmen zwar angemessen, jedoch nicht ausgesprochen gut, so Kramarsch. Da die Managergehälter im Ausland anders ausgewiesen werden, muss zum Vergleich jedoch eine andere Berechnungsmethode nach HGB herhalten (siehe Infobox): Demnach verdienten die deutschen Dax-Chefs 2015 im Schnitt fünf Millionen Euro, die Chefs der größten europäischen börsennotierten Unternehmen (soweit die Geschäftsberichte schon vorliegen) 7,3 Millionen Euro und die Topmanager von im US-Index Dow Jones gelisteten Unternehmen 15,8 Millionen Euro.

Topverdiener in Europa war der Chef des Brauereiriesen Anheuser-Busch Inbev, Carlos Brito, mit rund 14 Millionen Euro, in den USA bekam Walt-Disney-CEO Robert Iger umgerechnet 38 Millionen Euro. „Unternehmen wie in den USA vergüten nach wie vor wie auf einem anderen Stern“, sagte Kramarsch. Das bereite ihm aber keine Sorgen. „Mir ist keine Flüchtlingswelle von deutschen Vorständen in die USA bekannt“, witzelte er. Deutsche Unternehmen verteidigen hohe Gehälter immer wieder mit dem Argument, dass ihre Toptalente sonst ins Ausland abwandern würden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare