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Neuer Gegenspieler

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Von: Thorsten Knuf

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Die Finnen berufen einen der renommiertesten Europa-Politiker zum Notenbank-Chef. Das wird einen besonders interessieren: Bundesbanker Jens Weidmann. Denn nun hat er neue Konkurrenz im Rennen um den Chefposten bei der EZB.

Ein alter Bekannter meldet sich auf der europäischen Bühne zurück. Die Rede ist vom ehemaligen EU-Kommissar Olli Rehn. Der 56-Jährige soll Mitte Juli Chef der Notenbank in Finnland werden, am Freitag hat ihn der Staatspräsident nominiert. Damit wird Rehn auch Mitglied des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB). Wenn dort künftig Entscheidungen über die Geldpolitik in der Eurozone gefällt werden, ist Rehn mit von der Partie. Er folgt auf Erkki Liikanen, dessen zweite Amtszeit endet.

Bei der Bundesbank werden sie mit besonderem Interesse das Treiben der Finnen beobachten. Denn es könnte gut sein, dass deren Chef Jens Weidmann gerade ein weiterer Konkurrent im Rennen um den EZB-Chefsessel erwächst. Der Top-Job bei Europas Währungshütern wird bekanntlich im Herbst 2019 frei. Es ist ein offenes Geheimnis, dass Kanzlerin Angela Merkel ihren Ex-Wirtschaftsberater Weidmann zum Nachfolger des amtierenden EZB-Präsidenten Mario Draghi machen möchte. Wenn er sich denn durchsetzen lässt.

Grundsätzlich hat Deutschland gute Argumente, den Posten für sich zu beanspruchen. Der Spanier Luis de Guindos wird in Kürze das Amt des EZB-Vizes übernehmen. Nach dem üblichen Regionalproporz müsste der Draghi-Nachfolger aus Nordeuropa kommen. Zum Beispiel aus Deutschland, das bisher auch noch keinen EZB-Chef stellte. Weidmann allerdings ist mäßig populär, er gilt als geldpolitischer Hardliner. Also könnten andere zum Zuge kommen. Der Niederländer Klaas Knot zum Beispiel. Oder eben Olli Rehn.

Rehn ist ein Liberaler, Volkswirt und Doktor der Uni Oxford. Seine politische Erfahrung ist beträchtlich. Als EU-Kommissar war er für die Erweiterung und später, während der Eurokrise, für Wirtschaft und Währung zuständig. Ausgabendisziplin und Strukturreformen, das war stets sein Mantra. Seit 2016 sitzt er im Vorstand der finnischen Notenbank. Die gilt als mäßig orthodox. Mit einem wie ihm könnten die Südeuropäer leben. Und die Deutschen eigentlich auch.

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