Zahlungsdienstleister

Neue Vorwürfe gegen Wirecard

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Die britische Finanzzeitung „Financial Times“ lässt nicht locker. Erneut stellt sie das Bilanzgebahren des Dax-Konzerns in Frage.

Die Reaktion der Börse ist klar und eindeutig. Um zeitweise fast ein Viertel ist die Aktie des Dax-Konzerns Wirecard am Dienstag eingebrochen. Auslöser dafür ist ein neuerlicher Artikel der britischen Finanzzeitung „Financial Times“ (FT), die zum wiederholten Male die Bilanzierungspraktiken des Zahlungsdienstleisters aus Aschheim bei München in Frage stellt. Weniger klar ist, ob die dort geäußerten Vorwürfe, Umsätze und Gewinne seien in großem Stil erfunden und der Wirecard-Wirtschaftsprüfer EY getäuscht worden, wirklich zutreffen. Der Konzern jedenfalls dementiert heftig. „Wirecard weist diese Anschuldigung von Fehlverhalten kategorisch zurück“, erklären die Aschheimer ohne auf Details einzugehen.

Der FT-Artikel sei verleumderisch sowie eine Zusammenstellung falscher und irreführender Behauptungen, die Wirecard bereits früher widerlegt habe. Anfang Februar hatte das Blatt eine Reihe von Artikeln mit ähnlichen Vorwürfen veröffentlicht, was ebenfalls Kursstürze verursacht hatte. Sowohl die deutsche Finanzaufsicht Bafin als auch Staatsanwälte in München hatten daraufhin Ermittlungen aufgenommen. Die Bafin hatte zwei Monate lang Spekulationsgeschäfte auf fallende Wirecard-Kurse verboten. Wirecard wiederum hat sowohl die FT als auch deren Reporter Dan McCrum vor Gericht gezerrt. Der Konzern verdächtigt McCrum illegal mit Spekulanten kooperiert und die Finanzmärkte manipuliert zu haben, was wiederum dieser und die FT bestreiten.

Umsätze einfach erfunden?

Im Zentrum der neuen FT-Vorwürfe steht der selbst in Fachkreisen so gut wie unbekannte Wirecard-Partner Al Alam aus Dubai. Dazu muss man wissen, wie das Geschäft von Zahlungsdienstleistern funktioniert: Sie sorgen dafür, dass Zahlungen zwischen Verbrauchern und Unternehmen bargeldlos und elektronisch abgewickelt werden. Dafür erhalten sie Gebühren, die sich bei Wirecard & Co. als Umsätze niederschlagen. Die Aschheimer wickeln solche Zahlungen für Fluggesellschaften, Handelsfirmen und andere Branchen nicht immer selbst sondern auch über Partnerfirmen ab.

Als einen wesentlichen Partner will die FT Al Alam identifiziert haben. Der sei zumindest auf dem Papier so bedeutend gewesen, dass Wirecard über diesen Dritten 2016 die Hälfte aller Gewinne und 2017 ein Viertel aller Konzernumsätze sowie erneut mehr als die Hälfte aller operativen Profite generiert habe. Mit internen Wirecard-Dokumenten, Emails und Chatprotokollen will die FT aber belegen können, dass über Al Alam vermittelte Transaktionen schlichtweg erfunden worden sind. All das „scheint auf Versuche hinzudeuten, Umsätze und Gewinne von Wirecard betrügerisch aufzublähen“, schreibt die FT. Das Blatt hat die angeblich 34 Firmenkunden von Al Alam kontaktiert. 15 davon wollen noch nie von Al Alam gehört haben. Nur sechs haben bestätigt, Wirecard-Kunden zu sein. Al Alam wolle unter anderem 2016 für einen Firmenkunden Umsätze vermittelt haben, der bereits 2012 liquidiert worden sei, sagt die FT. In einem anderen Fall seien Geschäfte für 2017 behauptet worden, obwohl die betreffende Firma nach eigenen Angaben Mitte 2016 die Zusammenarbeit mit Al Alam beendet habe.

Geschäfte seien einfach erfunden und Scheinumsätze verbucht worden, folgert die FT. Auf diese Weise könnten auch die Wirecard-Wirtschaftprüfer in die Irre geleitet worden sein.

Mit dem postwendenden Dementi von Wirecard zu den neuen Vorwürfen steht nun wie schon im Februar Wort gegen Wort.

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