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Am Wochenende müssen neue Fahrpläne ausgehängt werden.

Fahrplanwechsel

Neue Strecken, höhere Preise

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Die Deutsche Bahn ändert am Sonntag ihren Fahrplan. Für Kunden hat das gute wie schlechte Seiten.

Die Bahn baut zum Fahrplanwechsel am Sonntag ihr Angebot aus. Doch zugleich wird die Kritik am Staatskonzern und am zuständigen Verkehrsministerium massiver. Es geht nicht nur um Ticketpreise, sondern um Grundsätzliches.

Auf der neuen ICE-Strecke von Berlin nach München sollen täglich in jede Richtung künftig fünf statt bisher drei Sprinterzüge unterwegs sein. Fahrgäste dürfen sich zudem darüber freuen, dass dort die neueste Version des Intercity-Express auf die Schiene kommt. Die Verbindung zwischen den beiden Metropolen ist eine Erfolgsgeschichte geworden: Mit 4,4 Millionen Fahrgästen seit der Eröffnung vor knapp einem Jahr sind deutlich mehr Passagiere eingestiegen als die Bahn erwartet hatte.

Auch der Frankfurter Flughafen wird mit dem Fahrplanwechsel häufiger angefahren, nämlich täglich von jeweils 14 statt elf Zügen je Richtung. Mit dem ICE gibt es zudem eine neue Direktverbindung von Berlin nach Wien. Hinzu kommt eine Ausweitung des Angebots für eine ganze Reihe der langsameren Intercity-Verbindungen – etwa von Nordrhein-Westfalen in Richtung Osten. Im Regionalverkehr in mehreren Metropolregionen fahren S-Bahnen sehr bald in einer höheren Frequenz.

Die Bahn reagiert mit all dem auf steigende Fahrgastzahlen. An Nachfrage nach Beförderung auf der Schiene hapert es also offenbar nicht. Jedenfalls scheut sich der Staatskonzern auch nicht, höhere Preise von seinen Kunden zu verlangen. Im Fernverkehr werden die regulären Tickets im Durchschnitt 1,9 Prozent teurer, wie die Bahn mitteilte. Wegen Sonderangeboten und Rabatten gebe es aber rechnerisch nur einen Aufschlag von 0,9 Prozent.

Im Regionalverkehr werden 1,5 Prozent aufgeschlagen – das gilt für Fahrten über die Grenzen von Verkehrsverbünden hinweg. Vielfahrer werden stärker zur Kasse gebeten. Die Bahncard 100 verteuert sich um fast drei Prozent. Die Preise für Platzreservierungen sowie für die Bahncard 25 und die Bahncard 50 verändern sich nicht. Wer aber sein Ticket im Zug kauft, muss künftig 19 Euro statt bislang 12,50 Euro berappen – ein Aufschlag um sage und schreibe mehr als 50 Prozent.

Das Bündnis „Bahn für Alle“ kritisiert, dass die Preise grundsätzlich zu hoch seien, besonders in Anbetracht der vielen Verspätungen und Zugausfälle. Zudem wird bemängelt, das Nebeneinander von Normal-, Spar- und Supersparpreisen und sonstigen Vergünstigungen mache die Bahn nicht attraktiver, sondern wirke abschreckend. Die Bahn brauche ein einfacheres und preiswerteres Tarifsystem.

Das Bündnis, zu dem unter anderem Fahrgastverbände und Umweltschützer gehören, macht überdies darauf aufmerksam, dass das Bahnfahren sich in den vergangenen 15 Jahren doppelt so stark wie die allgemeine Inflation verteuert habe. Besonders heftig fällt der Zuschlag bei der beliebten Bahncard 50 aus, für die ein Aufschlag von 85 Prozent errechnet wurde.

30 Milliarden Euro zur Verbesserung der Bahn-Infrastruktur 

Dass da was grundsätzlich faul ist, ist Beobachtern seit längerem klar. Der Bundesrechnungshof hat dafür nun viele Argumente geliefert. Obwohl der Bund seit 2009 rund 30 Milliarden Euro zur Verbesserung der Bahn-Infrastruktur zur Verfügung gestellt habe, sei das „krasse Gegenteil“ eingetreten, sagte Kay Scheller, Präsident des Bundesrechnungshofs, am Donnerstag in Berlin. Das System der Finanzierung durch den Staat sei gescheitert. Es werde „auf Verschleiß“ gefahren, kritisierte er. Scheller griff Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) direkt an: Dessen Haus wisse nicht, wie die Bahn die Mittel einsetze und wolle daran auch nichts ändern.

Ein gravierendes Beispiel für Missmanagement ist nach den Worten des Ober-Kontrolleurs die Unterscheidung in Instandhaltungsinvestitionen, die die Bahn mit eigenem Geld bezahlen muss, und in Ersatzinvestitionen, die der Staat übernimmt. Das bedeutet nichts anderes als die Aufforderung, die Instandhaltung von Gleisen und Brücken so lange herauszuzögern, bis sie ersetzt werden müssen. Denn damit spart die Bahn viel Geld. Dies ist aber auch ein Grund dafür, dass Verspätungen und Zugausfälle immer häufiger werden. Der Ruf nach einem grundlegenden Umbau der Bahn wird daher auch unter Politikern immer lauter.  

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