Klima

Neue Jets statt Bio-Kraftstoffe

Die Lufthansa stellt auf ihrer Hauptversammlung Pläne für ein klimagerechteres Fliegen vor.

Der „Fridays for Future“-Aktivist Maximilian Reimers wählt bei der Hauptversammlung am Dienstag im Bonner Kongresszentrum den direkten Angriff auf die Spitze der Lufthansa: „Sie sind mitverantwortlich für den Sturzflug unserer Erde.“

Airline-Chef Carsten Spohr hatte zuvor schon gesagt, dass es sicherlich „naiv“ wäre, die gesellschaftliche Diskussion um den Klimawandel zu ignorieren – räumte allerdings ein: „CO2-neutrales Fliegen ist technisch nicht absehbar.“ Bio-Kraftstoffe seien zwar prinzipiell und nicht zuletzt von der Lufthansa erprobt, stünden aber längst nicht in ausreichender Menge zur Verfügung.

Derweil setzt Europas größter Luftverkehrs-Konzern auf neue Jets und CO2-Kompensation: Ab diesem Jahr werden für die Dienstreisen der Lufthanseaten Ausgleichszertifikate gekauft, ab 2021 soll zudem über das internationale CORSIA-System zumindest das Wachstum ausgeglichen werden. Für den Kritiker Reimers sind das nicht mehr als „Feigenblätter“. „Sie werden sich aus dieser Krise nicht herauskaufen können“, schleudert er der Konzernspitze entgegen.

Spohr bezeichnete die Flotten-Modernisierung mit effizienteren Maschinen als „auf absehbare Zeit“ größten Hebel, um möglichst umweltschonend zu fliegen. Der Konzern plane den Zugang von 221 neuen Flugzeugen bis 2027 und investiere dafür jedes Jahr Milliarden-Beträge. Eine nationale CO2-Steuer lehnt Lufthansa ab.

Im vergangenen Jahr hatte der Lufthansa-Konzern mit einem stark ausgebauten Flugangebot seine CO2-Emissionen um 7 Prozent auf 32,6 Millionen Tonnen gesteigert. In diesem Licht scheine das von der Zivilluftfahrtorganisation ICAO vorgegebene Ziel eines CO2-neutralen Wachstums unrealistisch, betonte der Dachverband der kritischen Aktionäre und bezeichnete die von Lufthansa angekündigten Gegenmaßnahmen als nicht ausreichend.

Schuld am Klimawandel ist aus Lufthansa-Sicht auch die Konkurrenz: Billig-Tickets gefährden nach Ansicht Spohrs die gesellschaftliche Akzeptanz des Luftverkehrs und weckten eine künstliche Nachfrage, mit der das bestehende System verstopft werde. „Ihre Lufthansa macht da nicht mit“, versicherte er den Aktionären. Der Mindestpreis für ein Ticket betrage 35 Euro.

Bei aller Klimadiskussion will der Dax-Konzern weiter durch Übernahmen wachsen. Bereits am Montagabend hat das Unternehmen offiziell sein Interesse am deutschen Ferienflieger Condor beim Eigentümer Thomas Cook angemeldet. (dpa)

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