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2012 die Topverdiener: VW-Chef Martin Winterkorn (rechts) und Daimler-Chef Dieter Zetsche.
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2012 die Topverdiener: VW-Chef Martin Winterkorn (rechts) und Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Managergehälter

Die neue Bescheidenheit

Obwohl die Gewinne stiegen, stagnierten 2012 die Bezüge der Dax-Vorstandschefs – auch in Folge der Debatte über maßlose Manager.

Von Jutta Maier

Viele Jahre ging es mit den Gehältern der Dax-Topmanager immer nur nach oben. Entsprechend groß war auch die öffentliche Empörung über Gehaltsexzesse in zweistelliger Millionenhöhe à la  Martin Winterkorn, dem VW-Chef.  Jetzt scheint diese Entwicklung gestoppt zu sein: Eine Untersuchung der Gehälter der Dax-30-Konzernchefs von der Frankfurter Unternehmensberatung Hostettler, Kramarsch und Partner (HKP) ergibt, dass die Bezüge  der Spitzenmanager im Geschäftsjahr 2012 stagnierten: Sie lagen im Schnitt bei rund 5,02 Millionen Euro – im Vergleich zu 2011  ein  Rückgang von  0,5 Prozent. Und das, obwohl die Gewinne  nach oben gingen: 5,1 Prozent verdienten die Konzerne 2012 mehr als im Vorjahr. Michael Kramarsch, Partner bei HKP, sieht darin eine  Trendwende.

VW-Vorstandschef Martin Winterkorn führt die Liste der Topverdiener  auch in diesem Jahr mit großem Abstand an, obwohl er sich dem öffentlichen Druck gebeugt hatte und für die Begrenzung seines Gehalts eingetreten war.  Ohne die Anpassung der  Boni durch den VW-Aufsichtsrat hätte er 2012 wahrscheinlich 20 Millionen Euro verdient.  Auf Rang 2 konnte sich Daimler-Chef Dieter Zetsche vorarbeiten – obwohl er  das Gehalt   wegen des Gewinnrückgangs  um rund 500.000 Euro gekürzt bekam.  Winterkorn ist der einzige deutsche Manager, der es im internationalen Vergleich unter die Top 20 schafft:  Hier landet er auf dem zehnten Platz. Robert Iger, der Chef von   Walt Disney, verdient laut HKP mit 28,2 Millionen Euro weltweit am meisten.

Die Deutsche Bank, jahrelang in persona von Josef Ackermann an der Spitze der deutschen Dax-Topverdiener, taucht 2012 nicht mehr auf den vorderen Rängen auf:  Das neue Führungsduo  Anshu Jain und Jürgen Fitschen – wenngleich auch erst seit Juni 2012 im Amt – gab sich mit  jeweils 4,8 Millionen Euro zufrieden. Jain soll angeblich auf zwei Millionen Euro Bonuszahlungen verzichtet haben, um nicht mehr als Fitschen  zu verdienen.

Aufholprozess „weitgehend abgeschlossen“

Neu unter den Top 10  im Dax ist das Führungsduo des Walldorfer Softwarekonzerns SAP: Jim Hagemann Snabe und  Bill McDermott  verdienten unter dem Strich mehr, obwohl ihre variable Vergütung wegen nicht erreichter Ziele sank. Dies wurde jedoch mehr als ausgeglichen durch die Erhöhung einer langfristigen, aktienbasierten Komponente der Vergütung.

Der Verzicht einiger Manager auf Teile ihrer Boni  als Reaktion auf die anhaltende  Diskussion über Höchstgrenzen  mag zur Stagnation der Gehälter beigetragen haben.  Aus Sicht von  Michael Kramarsch kommt hinzu, dass der Aufholprozess bei den Vergütungen im internationalen Vergleich „weitgehend abgeschlossen“ sei.

Maßgeblichen Einfluss habe auch die Reduzierung des  jährlichen Jahresbonus hin zu langfristigen, nachhaltigeren Vergütungskomponenten gehabt. Langfristige Bezüge machen mittlerweile fast zwei Drittel der Vorstandsvergütung aus, und werden in der Regel erst nach bis zu vier Jahren ausgezahlt – allerdings nur, wenn  die festgesetzten Ziele erreicht werden.    2006 war die Gewichtung noch umgekehrt.

Beispiel Allianz: Die variablen Bezüge machen inzwischen 90 Prozent der Vorstandsbezüge aus. Entscheidender Begriff bei der Allianz ist der aus der Ökologie entliehene Terminus Nachhaltigkeit. Das  bedeutet im Klartext, dass der Geschäftserfolg – gemessen unter anderem an der Kapitalrendite und dem Aktienkurs –  langfristig und nicht nur ein vorübergehendes Strohfeuer sein soll. Als Anreiz dazu dienen sogenannte Ein-Jahres- und Drei-Jahres-Boni sowie eine langfristig angelegte, „aktienbezogene Vergütung“.

Vorbild Schweiz?

Michael Kramarsch sieht   das Ausbleiben  von kräftigen Gehaltserhöhungen auch als Erfolg der Regulierung der Vorstandsbezüge. Seit 2006 sind die Unternehmen gesetzlich dazu verpflichtet, die Vergütungen ihrer Bosse  individuell auszuweisen.  Dennoch wird innerhalb der EU und in der deutschen Politik   derzeit über Gesetze nachgedacht, die  überzogene Managergehälter begrenzen sollen. Auslöser war ein Volksentscheid in der Schweiz. Der Deutsche Gewerkschaftsbund  fordert, dass die jeweilige, maximale Gesamtvergütung der Vorstandsmitglieder pro Jahr eine bestimmte Relation zum durchschnittlichen Einkommen der Arbeitnehmer im Konzern nicht überschreiten darf.  Der DGB  ist allerdings dagegen, die  Hauptversammlungen verbindlich über die Höhe der Vorstandsbezüge entscheiden zu lassen. Dies müsse Aufgabe der Aufsichtsräte bleiben.

Auch die Regierungskommission Corporate Governance, die seit 2001   Empfehlungen für gute Unternehmensführung gibt, hat sich des Themas  angenommen. Die geplanten Änderungen sehen zwar Obergrenzen für Boni vor. Wo genau diese  liegen, will sie  aber den Firmen überlassen. Die Aufsichtsräte sollen  zudem darauf achten, dass die Gehälter der Bosse  nicht zu weit von denen der zweiten Führungsebene und   der Belegschaft abweichen.

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