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Die neue Führungsriege bei SAP mit dem neuen Vorstandssprecher Bill Mc Dermott (3v.l.).
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Die neue Führungsriege bei SAP mit dem neuen Vorstandssprecher Bill Mc Dermott (3v.l.).

SAP

Neue Ära bei SAP

  • Frank-Thomas Wenzel
    VonFrank-Thomas Wenzel
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Bei dem weltgrößten Anbieter von Unternehmenssoftware steht künftig ein Solist an der Spitze. Mit dem Amerikaner Bill McDermott leitet man im beschaulichen Walldorf eine neue Ära ein.

Wir sind in einer neuen Ära, wo das Solo-Modell das richtige Modell ist.“ Das sagte am Mittwoch auf der Hauptversammlung von SAP derjenige, der beim weltgrößten Anbieter von Unternehmenssoftware künftig als Solist agiert: der Amerikaner Bill McDermott. Er steht von nun an alleine an der Spitze des Konzerns. Der bisherige Co-Chef, Jim Hagemann-Snabe,  wechselt in den Aufsichtsrat. Aus familiären Gründen, heißt es offiziell.

Die Ära, von der McDermott spricht, wird mit dem Schlagwort Cloud (Wolke)  umrissen. Und dieses Geschäft bedeute unter anderem schnelle Entscheidungen – das soll künftig mit dem Solisten an der Spitze   gewährleistet sein. Doch  geht nicht nur um den Vorstandsvorsitzenden.  Bei der   1972  gegründeten  Firma, die im beschaulichen Walldorf in Nordbaden zu Hause ist, hat  es  allerlei Verwerfungen im Management  gegeben.

So hält sich hartnäckig die Vermutung, dass Snabe auch aus Verärgerung zurück getreten ist. Er soll noch immer auf den omnipräsenten Hasso Plattner,  Aufsichtsratschef und einer der drei Firmengründer,  sauer sein, da er ihm die Verantwortung über die Innovationsabteilung einst wegnahm.

Als Belohnung Co-Chef

Dieser Job wurde Vishal Sikka übertragen. Er war dann auch verantwortlich für das, worauf Plattner mächtig stolz ist: Die Datenbanktechnik Hana, die es erlaubt, riesige Datenmengen extrem schnell zu verarbeiten, was die Steuerung von Firmen erheblich effizienter machen soll. Hana ist so etwas wie das Rückgrat vieler  SAP-Anwendungen.

Sikka hatte indes offenbar gehofft, dass er quasi als Belohnung nun zum Co-Chef aufsteigt. Doch davon wollte Plattner bei allem Lob für Sikka  wohl nichts wissen. Daraufhin kündigte der in Indien geborene Software-Experte. Mehr noch: SAP hat innerhalb von gut drei Jahren zwei Personalchefinnen verschlissen.  Und auch Lars Dalgaard ist schon wieder weg. Erst 2011 war er gekommen.

Er war ausgerechnet für das Cloud-Geschäft zuständig, von dem Wohl und Wehe von SAP abhängt. Es bedeutet nichts anderes als  die   Neuerfindung  von SAP. Groß geworden  sind die Walldorfer mit  dem Verkauf von Software, die  praktisch alle  Prozesse in einer Firma abbilden kann. Dieses Geschäft bringt auf einen Schlag hohe Einnahmen und   nach wie vor  enorme Renditen – der operative Gewinn von  SAP  im Verhältnis  zum Umsatz macht  noch immer   rund 26 Prozent aus,   Autobauer  wie  BMW  oder Audi  schaffen gerade mal  um die zehn  Prozent.

Doch die Umsätze mit den guten alten Softwarelizenzen gehen zurück. Denn die neuen   Cloud-Dienste     bieten  viele Vorteile  für die Nutzer:  Die Firmen zahlen dafür einen relativ  niedrigen  Mietpreis. Sie rufen die Software nur dann aus der Datenwolke ab, wenn die  Programme  gebraucht werden. 

Hinzu kommt: Die SAP-Kunden  verlangen    verschärft  Anwendungen, die am liebsten so umkompliziert wie Apps   für Smartphones sind.   Davon ist SAP vielfach aber weit entfernt. Wenn eine  Firma  neue  Software  aus Walldorf  bekommt, sind  oft   wochenlange Schulungen  nötig,  bis die Mitarbeiter die Programme  problemlos bedienen können, das kostet  viel Geld. Für  McDermott ist klar, dass  das so nicht weitergehen kann: „Die  weitaus wichtigste  Veränderung ist, dass unsere Kunden Komplexität nicht mehr akzeptieren können“, sagte der Top-Manager auf der  Hauptversammlung.

Der Druck ist groß

An allen Ecken und Enden wird nun umgebaut.  So sollen  etwa 2000 der weltweit insgesamt 67000 Jobs gestrichen werden, da unter anderem weniger Personal für die Software-Schulungen  bei den  Kunden  benötigt wird. Zugleich  sollen  3000 neue  Stellen in der Cloud-Sparte   geschaffen  werden.    Details zu der  Umstrukturierung beim Personal  machte der  Konzern bislang nicht publik.  Es werde mit Sozialpartnern in den  Ländern   verhandelt, sagte ein Insider der   Nachrichtenagentur Reuters. Klar ist, dass  McDermott ein  Projekt angeht, das intern  als „Amerikanisierung“ bezeichnet wird.  Straffer und schlanker soll’s werden. SAP  hat in den  vergangenen  Jahren eine  ganze Reihe  von   Unternehmen   übernommen.  Dadurch  wird      nicht selten  doppelte Arbeit gemacht.  Es gibt  über die ganze Welt verteilt jede Menge   kleinere Standorte.    Viele sollen  dicht gemacht und  zusammengeführt werden. 

McDermott  verspricht sich davon auch,  dass  SAP  bei der  Entwicklung  neuer  Software schneller  und effizienter   wird.   Der  neue  Alleinherrscher kündigte  am Mittwoch  schon einmal weitere  „Veränderungen im Management“ an. Der Druck ist  groß. Den Walldorfern  sitzt der  Konkurrent  Oracle im Nacken, der   als agiler gilt und  der höhere   Renditen  erzielt.

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