+
Protest gegen Siemens’ Engagement in Australien.

Siemens

Neubauer soll in Aufsichtsrat

  • schließen

Siemens-Boss Kaeser bietet Fridays-for-Future Aktivistin einen Kontrollposten in der Energie-Sparte des Konzerns an. Doch die zeigt sich reserviert und vor allem enttäuscht darüber, dass das Unternehmen sich nicht umgehend von einem Minenprojekt in Australien zurückzieht.

Nach einem Treffen mit der Klimaschutz-Aktivistin Luisa Neubauer von „Fridays for Future“ hat Siemens-Chef Joe Kaeser der 23-Jährigen einen Aufsichtsratsposten in der Konzernsparte Siemens Energy angeboten. „Es ist nicht gut, wenn so ein Gremium nur aus weißen Männern besteht. Die Jugend soll lernen, Verantwortung zu übernehmen“, sagte Kaeser nach dem Gespräch.

Kaeser trat nach dem Gespräch alleine vor die Presse. Neubauer und ihr Mitstreiter Nick Heubeck gaben später vor dem Werk Auskunft. Da Siemens die Beteiligung am umstrittenen Adani-Kohlebergwerksprojekt in Australien nicht sofort zurückgezogen habe, sähen sie keine Basis für ein gemeinsames Pressestatement, sagten sie.

Das Aufsichtsrats-Angebot hat Neubauer sichtlich überrascht. „Dazu möchte ich gar nichts sagen“, meinte sie nach dem Gespräch. „Ich bin heute sicher nicht zu Siemens gegangen, um Aufsichtsrätin zu werden.“ Neubauer und Heubeck zeigten sich enttäuscht, dass Kaeser beim Gespräch keine Entscheidung zur Adani-Beteiligung verkündete.

Kaeser will nun am Montag über den 18-Millionen-Euro-Auftrag zur Lieferung von Signaltechnik für eine Kohlebahn in Australien entscheiden. Er sprach von einer „schwierigen Entscheidung“, bei der es auch um „Vertragstreue“, die Beziehungen zur australischen Regierung und „verschiedene Stakeholder“ gehe.

Der Siemens-Chef räumte auch Fehler in der Vergangenheit ein. Man habe das Konfliktpotenzial von „indirekten Beteiligungen“ an umstrittenen Projekten unterschätzt. Damit meint er, dass Siemens nicht direkt die Carmichael-Mine des indischen Industriekonzerns Adani im australischen Outback beliefert. Der kritisierte Auftrag betrifft die Lieferung von Signaltechnik für eine Kohletransportbahn.

Um solche „indirekten Konfliktfelder“ zu erkennen, will Kaeser bei Siemens einen „Nachhaltigkeitsrat“ („Sustainability Board“) einrichten, der den Vorstand berät und auch den Ausstieg aus solchen Projekten empfehlen kann.

Zudem werde Kaeser prüfen, ob Siemens bereits 2025 und nicht erst wie bisher geplant 2030 klimaneutral produzieren könne. Er sei ein Freund von „Fridays for Future“, sagte der Konzernchef. Die „Jugend“ liefere die „richtige Diagnose“ zu den Gefahren des Klimawandels , die Industrie könnte für die „Therapie“ sorgen.

Fridays for Future demonstrierte am Freitag bundesweit in mehreren Städten gegen Siemens. Kaeser hatte Mitte Dezember angekündigt, die Lieferung von Signaltechnik für das Projekt auf den Prüfstand zu stellen.

Nick Heubeck von Fridays for Future hatte am Sonntag eine Petition gegen die Siemens-Beteiligung auf dem Portal Change.org gestartet. Laut dem Portal unterschrieben bis Freitag mehr als 57 000 Menschen. Proteste gegen Siemens gab es demnach in mehr als 30 Städten.

Heuberg verwies in seiner Petition auf die „beispiellosen Brände“ in Australien. Die Adani-Mine werde die Klimakrise weiter befeuern, kritisierte er. „Das Verbrennen der dreckigen Kohle wird die Waldbrandgefahr weiter steigen lassen.“

Die klimapolitische Sprecherin der Grünen-Bundestagsfraktion, Lisa Badum, erklärte, Siemens habe es sich zum Ziel gesetzt, bis 2030 klimaneutral zu werden und eine führende Rolle im Kampf für Klimaschutz einzunehmen. Eine Investition in den Klimakiller Kohlekraft sei damit in keinster Weise vereinbar. „Wenn Herr Kaeser sagt, dass jedes Unternehmen der Gesellschaft dienen sollte, dann hat er jetzt die Gelegenheit zu beweisen, dass er es ernst meint.“ mit afp

Siemens-Chef Joe Kaeser hatte Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer einen Aufsichtsratsposten bei Siemens Energy angeboten. Die lehnte ab - und schoss damit ein Eigentor!

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare