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Thomas Cook-Töchter wie Neckermann verkaufen erst einmal keine Reisen mehr.

Thomas Cook

Neuanfang mit Neckermann

Mitarbeiter von Thomas Cook in Deutschland hoffen auf Zukunft mit Traditionsmarke.

Der insolvente deutsche Reiseveranstalter Thomas Cook hofft auf einen Neustart unter der Traditionsmarke Neckermann Reisen. „Ich sehe gute Chancen, die glorreiche Vergangenheit wiederzubeleben“, sagte Stefanie Berk, Geschäftsführerin der deutschen Thomas Cook. Neckermann sei nach wie vor die volumenstärkste Reisemarke des Unternehmens in Deutschland. „Es muss uns allerdings gelingen, verloren gegangenes Vertrauen wiederzugewinnen“, sagte Berk. „Wir alle bei Thomas Cook, aber auch bei der Zurich Versicherung versuchen, unsere betroffenen Kunden so viel wie möglich zu unterstützen.“

Nach der Pleite

Eine Woche nach der Pleite des britischen Reisekonzerns Thomas Cook sind zwei Drittel der Urlauber aus Großbritannien, die zum Zeitpunkt der Insolvenzerklärung unterwegs waren, wieder zu Hause. Rund 106 000 Kunden wurden bis Montag mit der „Operation Matterhorn“ zurückgeholt, wie die britische Zivilluftfahrtbehörde CAA mitteilte.

Die restlichen Urlauber, die einen Flug oder gleich einen ganzen Aufenthalt mit Thomas Cook gebucht hatten, sollen bis zum 6. Oktober wieder zu Hause sein. Dafür sind noch mehr als tausend Flüge geplant.

Thomas-Cook-Chef Peter Fankhauser verteidigte derweil seinen Kurs sowie die hohen Gehälter der Führungsspitze. „Ich habe alles getan, um die Firma zu retten“, sagte Fankhauser der Zeitung „Daily Mail“. Seit der Pleite des Konzerns wurden vor allem aus der Politik die rund 20 Millionen Pfund (22,5 Millionen Euro) kritisiert, die in den vergangenen Jahren insgesamt an das Führungsmanagement gingen. 

Die deutsche Thomas Cook, zu der unter anderem Neckermann Reisen, Öger Tours und Bucher Reisen gehören, war in den Sog der Pleite des britischen Mutterkonzerns geraten. Mitte vergangener Woche stellten drei deutsche Thomas-Cook-Gesellschaften Insolvenzantrag. Die Zurich Deutschland hat Urlaub und Rückreise der Thomas-Cook-Kunden abgesichert. „Nach dem ersten Schock überwiegt bei unseren Mitarbeitern inzwischen die Hoffnung“, sagte Berk. Alle seien bemüht, die Folgen für die Kunden so gering wie möglich zu halten und sie umfassend zu informieren.

„Die Situation für die rund 2000 Beschäftigten ist hart, aber man merkt Aufbruchstimmung“, berichtete Berk. „Der Auftritt der vorläufigen Insolvenzverwalter vergangene Woche auf der Betriebsversammlung hat den Eindruck hinterlassen, dass die Sanierung gelingen kann.“ Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter sind den Angaben zufolge bis Ende November 2019 durch das Insolvenzgeld gesichert.

Der Reiseveranstalter hofft auch auf staatliche Unterstützung und hat beim Bund und beim Land Hessen einen Überbrückungskredit beantragt. „Dieser soll uns die Wiederaufnahme des Geschäftsbetriebs ermöglichen, parallel dazu werden Gespräche mit Investoren geführt.“

Die Beschäftigten in Deutschland hatten Berk zufolge bis zuletzt auf eine Rettung des Mutterkonzerns gehofft. „Die Abfolge der Ereignisse war so nicht erwartet worden. Es war ein Schock für die Mitarbeiter.“ Berk zufolge war eine Einigung in wesentlichen Punkten erreicht worden. „Doch in der Schlussphase sind die Verhandlungen gescheitert“. Zu den genauen Gründen wollte sich die Managerin nicht äußern. Die britische Thomas Cook hatte mit Investoren über eine zusätzliche Finanzierung in Höhe von 200 Millionen Pfund verhandelt.

Die Reisebranche als solche sieht Berk weiterhin auf Wachstumskurs. „Das Bedürfnis zu reisen ist nach wie vor stark und ungebremst.“ (dpa/afp)

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