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Der  Volkswagen ID 3.

VW

Neuanfang auf der IAA

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Volkswagen will den Dieselskandal vergessen machen und präsentiert sein erstes massentaugliches Elektromobil.

VW will auf der IAA den Neuanfang demonstrieren. Genau vier Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals steht auf der Automesse das erste neu entwickelte Elektroauto des Konzerns. Am Abend sollte der ID.3 in Frankfurt erstmals ohne die obligatorischen Tarnfolien gezeigt werden. Gleichzeitig versucht der Konzern einen anderen öffentlichen Auftritt: Das Markenzeichen wurde überarbeitet, „offener und lebendiger“ will VW künftig auftreten.

Dazu gehörte am Montag auch ein Streitgespräch von Konzernchef Herbert Diess mit einer Umweltaktivistin, die sich Tina Velo nennt. Sie bezeichnete die Autoindustrie schon vorab als „hochgradig kriminell“ und sprach von einem „mafiös gestrickten Konglomerat“ mit der Politik. VW wolle sich ein falsches grünes Image zulegen und verkaufe weiter „klimaschädliche Stadtpanzer“ in großer Zahl. Tatsächlich bringt auch VW immer mehr SUV-Modelle.

Für Diess dagegen beginnt spätestens mit diesem Dienstag eine neue Zeitrechnung. Der ID.3 soll nur der Auftakt für eine Reihe neuer Elektroautos in den nächsten Jahren sein. Auf der neuen Fahrzeugplattform sollen mehr als 20 E-Modelle der verschiedenen Konzernmarken von der Reiselimousine über den SUV bis zum Bulli entstehen. Im Jahr 2025 will VW weltgrößter Hersteller von Elektroautos sein und eine Million Fahrzeuge jährlich verkaufen – das dürfte dann knapp ein Zehntel der gesamten Konzernproduktion sein.

Während die IAA mit nachlassendem Interesse kämpft und in diesem Jahr deutlich schrumpft, ist die Ausgabe 2019 für VW eine der wichtigsten Messen überhaupt. Der radikale Strategieschwenk setzt auch die anderen Hersteller unter Zugzwang: Von Mercedes bis Honda werden fast alle neue Elektroautos zeigen – allerdings werden längst nicht alle serienreif sein. Und viele wichtige Hersteller wie Toyota und Renault fehlen.

Bei VW hat die Produktion des ID.3 in Zwickau bereits begonnen, wo bisher der Golf gebaut wurde. Auch im tschechischen Mlada Boleslav und zwei chinesischen Werken sollen bald E-Autos vom Band rollen. Emden, Hannover, Dresden und das amerikanische Chattanooga werden folgen. Der Konzern investiert einen zweistelligen Milliardenbetrag in diese Strategie und setzt mittelfristig alles auf Elektro: Über die Jahre sollen 15 Millionen Autos auf Basis der neuen Plattform verkauft werden. Gelingt das nicht, sind die teuer auf den Bau von E-Autos umgerüsteten Fabriken akut im Bestand gefährdet – und mit ihnen Zehntausende Arbeitsplätze.

Im Gegensatz zu den meisten Konkurrenten setzt VW deshalb bedingungslos auf Masse. Wenn man Herstellern wie Tesla etwas voraushabe, dann sei es die Erfahrung mit großen Stückzahlen, heißt es im Konzern. Das drückt auch die Produktionskosten und die Einkaufspreise bei den Zulieferern. „Unser Ziel ist die Kostenführerschaft bei rein elektrischen Fahrzeugen“, sagt Ralf Brandstätter, neben Diess verantwortlich für die Marke VW.

Weil aber nicht einmal der weltgrößte Autohersteller auf ausreichende Stückzahlen kommt, verkauft VW seine Technik auch an andere Hersteller. So wird Ford die Elektroplattform der Wolfsburger übernehmen und ein eigenes Modell darauf bauen. Das wird die Stückzahl um einige Hunderttausend nach oben treiben.

So dürfte der VW-Konzern diese IAA dominieren, die am Donnerstag von Angela Merkel eröffnet wird. Neben der Kanzlerin wird allerdings einem Branchenfremden die Show gehören: John Krafcik, Chef des Google-Unternehmens Waymo, das als führend beim autonomen Fahren gilt.

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