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Da schien die Welt noch halbwegs in Ordnung: Darsteller der Netflix-Serie „Altered Carbon“ am 24. Februar in New York.

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Netflix reduziert Bildauflösung

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Auch Youtube gibt dem Drängen der EU-Kommission wegen der Corona-Krise nach.

Corona bringt Netflix und Youtube dazu, auf die Bremse zu treten. Die beiden wichtigsten Dienste für Videostreaming wollen die Übertragungsgeschwindigkeit herunterfahren, um Datennetze zu entlasten. Das haben beide Anbieter nach Verhandlungen mit EU-Industriekommissar Thierry Breton beschlossen.

Youtube teilte am Freitag mit, für 30 Tage werde die Standardeinstellung bei der Übertragung von Videos auf das sogenannte SD-Format zurückgesetzt. Bislang war HD üblich – also hochauflösend. Für Letzteres gilt die Faustformel, dass pro Sekunde eine Datenmenge von etwa fünf Megabit notwendig ist. Die große Zahl der Daten macht ein schärferes Bild möglich, da mehr Bildpunkte angesteuert werden können. Bei der altbewährten SD-Einstellung (Standard Definition) sind nur drei Megabit nötig.

Netflix bietet bei bestimmten Tarifvarianten auch Ultra-HD an. Dafür braucht es eine Leitung, die sogar 25 Megabit pro Sekunde transportieren kann. Netflix-Chef Reed Hastings war von Breton persönlich gebeten worden, die Übertragungsgeschwindigkeiten zu senken. Der Kommissar und der Manager erklärten am Donnerstagabend gemeinsam, dass aufgrund der außergewöhnlichen Herausforderungen durch das Coronavirus die Bitraten vorübergehend reduziert würden. So soll der Datenverkehr von Netflix in der EU um etwa ein Viertel gesenkt werden. Dennoch würden die bewegten Bilder nach wie vor in „guter Qualität“ offeriert. Sollte es indes demnächst dennoch zu Engpässen in den Netzen kommen, kann die EU-Kommission notfalls ein weiteres Abbremsen der Anbieter per Anordnung erzwingen.

Die Streamingdienste beanspruchen im Internet mittlerweile fast 60 Prozent der Kapazität. Die Nutzung ist in den vergangenen Tagen durch Ausgangssperren und andere Einschränkungen der Bewegungsfreiheit deutlich gestiegen. Vodafone meldet eine Vervierfachung in manchen europäischen Ländern. Hinzu kommen höhere Belastungen durch mehr Video-Konferenzen mittels Skype und andere Anbieter und eine größere Zahl von WhatsApp-Video-Anrufen.

Aber auch Online-Spiele und die verstärkten Zugriffe bei sozialen Netzwerken haben den digitalen Traffic verstärkt. Vodafone berichtet für die Spiele-Sparte von einer zeitweisen Verzehnfachung des Datenverkehrs, die nicht durch das Spielen selbst, sondern vor allem durch Downloads und Updates verursacht werde. Außerdem arbeiten Millionen von Menschen in Europa derzeit im Home-Office.

Der Betreiber des weltgrößten Internetknotens De-Cix in Frankfurt hat eine Erhöhung des durchschnittlichen Datendurchsatzes um rund zehn Prozent in den vergangenen Tagen registriert. Mit 9,1 Terabit (9,1 Millionen Megabit) in einer Sekunde sei sogar ein neuer Weltrekord aufgestellt worden. De-Cix sei aber in der Lage sowohl das derzeitige Aufkommen an digitalisierten Informationen als auch die erwartete Steigerung des Datenverkehrs problemlos zu bewältigen.

Die beiden wichtigsten hiesigen Netzbetreiber, Vodafone und die Deutsche Telekom, hatten in den vergangenen Tagen betont, die Datennetze seien für eine größere Beanspruchung gerüstet.

Gleichwohl: In den vergangenen Tagen gab es immer wieder Klagen, über ruckelnde Bilder und darüber, dass sich Internetseiten langsamer aufbauen. Der Grund dafür liegt in vielen Fällen an den Leitungen vor Ort. Generell gilt, wenn in Mehrfamilienhäusern viele Nutzer gleichzeitig Netflix und Youtube abrufen und andere zudem skypen, kann es zum Bildausfall kommen, weil das hausinterne Verteilnetz überfordert wird. Überlastungen sind auch beim Transport der Daten von den grauen Verteilkästen in der Straße zu den Wohngebäuden möglich.

Nutzer können sich behelfen, indem sie den Computer oder den Fernseher per Kabel mit ihrem Router verbinden. Denn beim drahtlosen Wlan geht Bandbreite verloren. Außerdem können Smartphones als Hotspots eingesetzt werden. Die Nutzung des Mobilfunks ist nach Angaben der Netzbetreiber in den vergangenen Tagen spürbar zurückgegangen.

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