Gesellschaftlicher Druck

Nestlé verstärkt Anstrengungen für den Klimaschutz

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Lebensmittelkonzern will bis 2050 „klimaneutral“ produzieren. Fördermittel für Waldschutz und Wiederaufforstungen.

Der Nahrungsmittel-Multi Nestlé hat eine deutliche Verschärfung seiner Klimaschutz-Anstrengungen angekündigt. Das Unternehmen mit Hauptsitz in der Schweiz will danach bis 2050 komplett „klimaneutral“ produzieren und sich am 1,5-Grad-Erwärmungslimit des Pariser Weltklimavertrages orientieren. Bisher hat sich der Konzern am Zwei-Grad-Ziel orientiert, das zwar ebenfalls vom Paris-Abkommen gedeckt ist, inzwischen laut dem Weltklimarat IPCC aber nicht mehr als ausreichend gilt, um das Auslösen von Kippelementen des Klimas ausreichend sicher zu verhindern. Einen detaillierten Plan, um den 1,5-Grad-Pfad in der eigenen Produktion umzusetzen, will Nestlé in den nächsten zwei Jahren entwickeln.

Der Konzern kündigte an, sich der Initiative „Business Ambition for 1,5 C°“ anzuschließen, die bereits von mehreren Dutzend großen Unternehmen, darunter Unilever, SAP und Zurich Insurance, unterstützt wird. Sie zielt auf den Klima-Gipfel bei den UN ab dem 21. September, zu dem die Staats- und Regierungschefs weltweit eingeladen sind. Nestlé-Chef Mark Schneider bezeichnete den Klimawandel als „eine der größten Gefahren“, die die Gesellschaften bedrohten, aber auch „die Zukunft unseres Geschäfts“.

Nestlé ist der weltgrößte Produzent von Nahrungsmitteln mit einem Umsatz von 8,7 Milliarden US-Dollar (knapp acht Milliarden Euro) und rund 310 000 Mitarbeitern. Das Unternehmen ist in 190 Ländern aktiv und betreibt 447 Produktionsstätten. Seine Geschäftspolitik stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik, unter anderem wegen Vorwürfen der Ausbeutung von Wasserquellen, Regenwaldzerstörung und der Vermüllung durch Verpackungen.

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Kürzlich bekam Nestlé von der Öko-Organisation Deutsche Umwelthilfe (DUH) den Negativpreis „Goldener Geier“ für die laut DUH „unsinnigste Einweg-Plastik-Verpackung 2019“ verliehen, in der Nestlé Deutschland das Mineralwasser Vittel aus Frankreich importiert. Das Unternehmen teilte daraufhin mit, sowohl die 0,33 Liter-Flasche als auch die 0,5 Liter-Flasche ab 2020 aus 100 Prozent recycelten Kunststoff herzustellen. Die 0,75-Liter-Flasche soll in diesem Jahr umgestellt werden.

Nestlé kündigte in seiner Klimastrategie an, alle Produktionsstätten, Büros und Geschäfte auf 100 Prozent Ökostrom umzustellen, bisher sei das bei einem Drittel der Fall. Zusätzliche Programme sollen Landwirten bei der Umstellung auf bodenschonenden Ackerbau helfen, die mehr CO2 in den Böden speichert. Zudem will Nestlé Waldschutz-Maßnahmen und Wiederaufforstungen fördern.

Verpackungen sollen bis 2025 komplett recyclebar oder wiederverwendbar sein. Um das voranzubringen, hat der Konzern ein eigenes Verpackungs-Institut gegründet. Ziel der Maßnahmen ist aber auch die Produktpalette. Künftig werde Nestlé mehr Produkte anbieten, die einen „besseren ökologischen Fußabdruck“ haben und zu einer ausgewogenen Ernährung beitragen, hieß es.

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