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Dänemark

Millionen Nerze wegen Corona getötet: Kadaver kommen an Oberfläche von Massengrab

  • vonThomas Borchert
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  • Tobias Utz
    Tobias Utz
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Ein kursierendes Coronavirus hat die dänische Regierung veranlasst Millionen Nerze töten zu lassen. Das hat nun Folgen.

  • In Dänemark wurden Millionen Nerze aufgrund eines Coronavirus getötet.
  • Nun tauchen viele Kadaver wieder an der Oberfläche auf.
  • Die Behörden beschwichtigen und sprechen von einem „vorübergehenden Problem“.

Update vom 25.11.2020, 17.00 Uhr: In Dänemark wurde wegen der Gefahr eines potenziell mutierenden Coronavirus angeordnet, Millionen Nerze zu töten. Mittlerweile kommen die Kadaver wieder an die Oberfläche.

Diese Vorfälle ereigneten sich vor allem auf einem Militärgelände, wo ein provisorisches Massengrab für die Pelztiere angelegt wurde. Aufgrund von Fäulnisgasen wurden die Nerze an die Oberfläche getrieben. Das zeigen Fotos des dänischen TV-Senders „DR“

Laut Angaben der örtlichen Polizei waren die toten Nerze nur noch mit einer dünnen Sand-Kalkschicht bedeckt, als sie gefunden wurden. Das berichtet die Nachrichtenagentur „AFP“. Das dänische Landwirtschaftsministerium sprach in diesem Zusammenhang von einem „vorübergehenden Problem“. Das Massengrab werde nun regelmäßig kontrolliert und tote Kadaver erneut mit Erde bedeckt.

Es erfolgte die Anordnung 17 Millionen Nerze in Dänemark zu töten. (Archivfoto)

Update vom 05.11.2020, 10.00 Uhr: Nach Corona-Ausbrüchen in mehreren Zuchtbetrieben hat Dänemark die Notschlachtung aller Nerze in dem Land angekündigt. Bei den Tieren sei zum Teil eine mutierte Form des Virus gefunden worden, die auch auf den Menschen übertragbar sei, sagte Regierungschefin Mette Frederiksen am Mittwoch. „Es ist notwendig, alle Nerze zu keulen“, fügte sie hinzu. Es bestehe das Risiko, dass das mutierte Virus künftige Impfungen unwirksam machen könnte.

Die Notschlachtung der Tiere solle „so bald wie möglich“ beginnen, sagte der dänische Polizeichef Thorkild Fogde. Er räumte jedoch ein, dass dies bei 15 bis 17 Millionen Nerzen in mehr als tausend Farmen „ein sehr großes Unterfangen“ sei. Dänemark ist der weltweit größte Exporteur von Nerzfellen.

Das Coronavirus wurde in 207 Nerzfarmen nachgewiesen, in einigen Fällen in einer mutierten Version. Zwölf Menschen haben sich den Angaben zufolge bereits mit der neuartigen Form des Virus angesteckt. Die Gesundheitsbehörden stellten fest, dass vor allem das mutierte Virus sich nicht in gleichem Maße durch Antikörper hemmen lässt wie seine ursprüngliche Form. Damit stelle es eine besondere Bedrohung dar, betonte Gesundheitsminister Magnus Heunicke.

Coronavirus auf Nerzfarmen in Dänemark: Wahre „Virus-Fabriken“ 

Erstmeldung vom 16.10.2020, 10.00 Uhr: Weil sich das Coronavirus immer schneller auf Dänemarks Nerzfarmen ausbreitet und dabei auch Menschen gefährdet, steht der weltweit größte Anbieter von Pelzen der kleinen Raubtiere möglicherweise vor dem endgültigen Aus. Als in dieser Woche bekanntwurde, dass mehr als vier Millionen Tiere auf bisher 89 Farmen mit Covid-19-Infektionen sofort getötet werden müssen, beklagten Branchensprecher, dass dann schon nicht mehr genügend Zuchttiere für das Auffüllen der Bestände vorhanden seien.

Tierschützer in aller Welt verlangen seit langem ein komplettes Verbot dieser Massenzucht in engen Käfigen. Dabei hilft nun Corona. „Menschen stecken Nerze an und dann wieder umgekehrt“, erklärt der zuständige Spezialist Anders Fomsgaard dem Internetmagazin Nordtinget.dk und fasst die vielen noch ungeklärten Fragen vor allem über schon mutierte Viren in dem Satz zusammen: „Mir erscheint das Risiko sehr hoch, dass wir es hier mit einer Art Virusfabrik zu tun haben.“

Nerzzucht ist in den Niederlanden bereits komplett verboten

Die Entscheidung, dass nun auch die Tiere auf virenfreien Farmen in einem Umkreis von bis zu acht Kilometern getötet werden müssen, kommt reichlich spät. Während beim europäischen Hauptkonkurrenten Niederlande wegen der Corona-Ausbreitung kurz nach der Schließung von 17 Farmen auch gleich das endgültige Verbot dieser Pelztierzucht beschlossen wurde, ging die Regierung in Kopenhagen im selben Monat Juni den umgekehrten Weg. Die Bestimmung zur Tötung von Beständen infizierter Farmen wurde wieder aufgehoben.

„Nerze sind die Existenzgrundlage vieler Menschen und bei uns eine relativ große Industrie. Diese Sache hat viele Facetten“, zitierte Nordtinget.dk einen Sprecher der Gesundheitsbehörden. Erstaunliche Worte aus Kopenhagen, wo die Regierung keine Gelegenheit auslässt, sich für die Erfolge ihres meist schnellen, harten Eingreifens gegen Corona-Gefahren zu loben.

Mutierte Erreger auf den Farmen

Vor allem chinesische Zahlungsbereitschaft für hochklassige Pelze hat dem kleinen Dänemark 2019 umgerechnet 1,7 Milliarden Euro Exporterlöse mit 40 Millionen verkauften Nerzfellen eingebracht. Dass immer mehr Staaten wie Belgien, Großbritannien, Norwegen, Frankreich und Österreich diese Zucht neben der anderer Tiere ausschließlich der Pelze wegen verboten haben, hat in Kopenhagen offenbar wenig Eindruck gemacht. In Deutschland haben vor drei Jahren ohne Verbot die letzten Nerzfarmen dichtgemacht. Weil auch in Polen, dem zweiten europäischen Hauptkonkurrenten nach den Niederlanden, demnächst ganz Schluss sein wird, hat sich die dänische Branche mit 1100 Farmen wohl Hoffnung auf steigende Absatzzahlen gemacht – nachdem zuletzt Verkäufe wie auch Stückpreise kräftig gefallen waren und viele der dänischen Züchter schon vor Corona in akuten Schwierigkeiten steckten.

Die allein regierenden Sozialdemokraten wehren sich mit Händen und Füßen gegen das vom linken Parlamentsflügel geforderte Zuchtverbot. Parteisprecher Bjarne Laustsen meint: „Unsere Produktion wird vom Verbraucher bestimmt. Wir produzieren eben die Waren, die Kunden kaufen wollen.“

Nicht nur ethisch eine seltsame Logik, findet Peder Hvelplund von der Einheitsliste, die für ein komplettes Verbot eintritt: „Diese Branche ist für unsere Gesellschaft seit Jahren sowieso ein enormes Verlustgeschäft.“ Gigantisch könnten diese Verluste werden, nachdem das für Hvelplund „vollkommen verantwortungslos“ lockere Management die Ausbreitung des Coronavirus in immer mehr Nerzfarmen ermöglicht habe. Der Mann von der dänischen Einheitsliste beruft sich auf eine Warnung des staatlichen Chef-Epidemiologen Kåre Mølbak vor den mutierten Viren aus den Farmen: „Die könnten von uns gerade entwickelte Impfstoffe unwirksam machen.“ (Thomas Borchert, Tobias Utz)

Rubriklistenbild: © Morten Stricker/dpa

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